Von news.de-Mitarbeiter Ayke Süthoff
Es gibt in der Welt des Pop nur wenige ganz Große - die englische Band Jamiroquai gehört ohne Zweifel dazu. Nach fünf Jahren Stille veröffentlicht die Gruppe nun ihr siebtes Studioalbum Rock Dust Light Star.
«Coming at you, baby, with 36.000 miles an hour», singt Jay Kay, der Kopf von Jamiroquai im ersten Lied Rock Dust Light Star auf dem gleichnamigen neuen Album. 36.000 Meilen pro Stunde - Das ist doch mal eine Ansage, nach fünf Jahren Pause!
So lange gab es von der englischen Band kein komplettes Album mehr zu hören. Das ist außergewöhnlich, denn fünf Jahre sind in der Welt des Pop eine Ewigkeit. Kurz zurückgerechnet: Vor fünf Jahren kannte etwa kein Mensch eine junge Frau namens Stefanie Joanne Angelina Germanotta. Drei Jahr später veröffentlichte diese unter dem Künstlernamen Lady Gaga ihr Debütalbum und jetzt: Weltstar. Gleiche Geschichte bei Katy Perry. Und Justin Bieber hat vor fünf Jahren noch in die Windeln gemacht.
Wahre Kontinuität
So weit zur Schnelllebigkeit des Pop. Und damit auch genug, denn Jamiroquai gehören zu den wenigen Musikern, die eine Kategorie über dieser Schnelllebigkeit schweben. Vor 17 (!) Jahren stiegen sie mit ihrem Debütalbum direkt auf Platz eins der britischen Charts. Es folgten bis 2005 fünf weitere Langspieler, keine schlechter als Platz drei. Das ist Kontinuität.
2010 möchte die Band nun mit Höchstgeschwindigkeit wieder ganz nach oben. Und Rock Dust Light Star bringt wirklich alles mit, um dieses Vorhaben zu verwirklichen. Es ist ein typisches Jamiroquai-Album und klingt trotzdem kein bisschen ausgelutscht. Frontmann Jay Kay hat aus der Produktionszeit verlauten lassen, dass er immer bemüht ist, neue Wege zu gehen. Klar behaupten das alle Musiker, aber Kay hat Recht.
Auf dem letzten Album Dynamite beispielsweise, probierten die Briten sich an einem eher elektronischen Sound - die Musik wurde so um einiges glatter als auf den Vorgängeralben. Aber leider auch kühler. Daraus haben Jamiroquai wieder gelernt: Rock Light Dust Star klingt viel lebendiger. Alles wurde mit breiter Besetzung live eingespielt: Der Funk setzt sich durch Bläser, die klirrende Gitarre und die Basslines gegenüber den elektronischen Einflüssen ganz klar durch.
Funk and Soul
Das ist gut, weil diese Band aus sehr guten Musikern besteht, die ihre Instrumente beherrschen. Das zeigt sich inzwischen auch auf CD und nicht nur in ausverkauften Stadien in der ganzen Welt. Jay Kay nennt Stevie Wonder als eines seiner wichtigsten Vorbilder, auch das lässt sich mit zunehmendem Bandalter von Jamiroquai immer deutlicher heraushören. Langsam, aber sicher werden die Briten zu einem echten Funk und Soul-Klassiker, Stevie lässt grüßen.
Trotzdem verschwinden die elektronisch produzierten Elemente nicht völlig. Und das ist dann auch das Auffälligste am neuen Album: Der perfekte Spagat zwischen Disko und Stadion. Es ist kompositorisch nämlich fast unmöglich, ein Lied zu schreiben, das sowohl im kleinen düsteren Club funktioniert als auch in einem Stadion mit mehreren tausend Fans. Jamiroquai beherrscht diese Kunst schon länger. Die eigentliche Kunst ist deshalb auch die regelmäßige Bestätigung dieser Fähigkeit, so wie auf dem neuen Alum im Superhit White Knuckle Ride.
Jamiroquai zeigen mit ihrem Comeback-Album Rock Dust Light Star, dass ihre Zeit noch nicht vorbei ist. Im Gegenteil, sie melden sich grandios zurück, voller Gefühl, Funk und vor allem Ohrwürmern.
Interpret: Jamiroquai
Album: Rock Dust Light Star
Plattenfirma: Mercury Records / Universal
Erscheinungsdatum: 29. Oktober 2010