Von news.de-Mitarbeiter Tobias Köberlein
Die Milch macht's: Nach dem Genuss eines Molkeprodukts kippt ein 15-Jähriger tot um. In Borowski und eine Frage von reinem Geschmack ermittelt der Tatort-Kommissar gegen einen Milchpanscher. Und dann ist da ja noch «die Neue».
Ach, der arme Herr Borowski (Axel Milberg)! Hat einfach kein Glück mit den Frauen. Im letzten Fall verlor sich die Spur der geliebten Frieda Jung (Maren Eggert) in den finnischen Wäldern. Seitdem ist sie «flüchtig», wie es der Kommissar nennt. Das Andenken der Psychologin ist allerdings weiter sehr präsent. Auf dem Türschild des Büros steht noch ihr Name, und zu Beginn des Films öffnet Borowski mit ungeduldigen Fingern einen Brief aus Helsinki, während er hastig Nudeln vom Chinesen in sich hineinschlingt.
Damit sind die beiden Themen dieses Tatort markiert: Ernährung und Frauen Die Kamera zoomt ungeniert in Borowskis Nudel-Box. Lecker sieht das nicht aus. Soll es auch nicht. Hinter dem Film steckt pädagogischer Eifer. Er eröffnet die ARD-Themenwoche Essen ist Leben, was diesem Fall nicht unbedingt zum Vorteil gereicht. Gleich drei Autoren (Kai Hafemeister, Christoph Silber und Thorsten Wettcke) haben die Geschichte mundgerecht portioniert. Florian Froschmayer (Regie) übernahm die wenig dankbare Aufgabe, die Story appetitlich zu servieren.
Öffentlich-Rechtliche Pädagogik
Das Bemühen, den pädagogischen Anforderungen der ARD gerecht zu werden, sieht man Borowski und eine Frage von reinem Geschmack überdeutlich an. Ein Junge stirbt, nachdem er einen Molke-Drink geschluckt hat. Das Getränk löste bei ihm einen allergischen Schock aus. Die lebensmittelchemische Untersuchung ergibt, dass in dem Gesöff die 40-fache Menge des Farbstoffs E 102 enthalten war. Hergestellt wurde der Todes-Cocktail in der Molkerei Kallberg vor den Toren Kiels. Glasklar, dass hier ein Molke-Panscher am Werk war. Eine Tür ist aufgebrochen, die taffe Chefin Liane Kallberg (großartig: Esther Schweins) zeigt sich zwar kooperativ, verbirgt aber offensichtlich auch so manches Geheimnis.
In der ersten halben Stunde erfährt der Zuschauer einiges über EU-Richtlinien zu Farbstoffen in Lebensmitteln und wird darüber aufgeklärt, weshalb sich Energy Drinks nur verkaufen, wenn sie schön bunt sind. Für ernährungstheoretische Exkurse bleibt genug Zeit, da die Gemengelage sehr übersichtlich gehalten ist. Liane Kallberg hat Feinde, sogar in der eigenen Familie. Ihr Vater (Joachim Bißmeier) ist entmachtet und säuft sich die Vergangenheit mit billigem Sekt schön. Mit ihrem Bruder (Thomas Scharff) hat die Molke-Magnatin gebrochen. Paul Kallberg zieht lieber Bio-Gemüse und ist auf die erfolgreiche Schwester gar nicht gut zu sprechen. Riesenärger gibt es auch mit Tochter Melinda (Sonja Gerhardt), die zu allem Überfluss mit einem übereifrigen Umweltaktivisten amouröse Bande geknüpft hat.
Gemüsebrühe zum Einstand
Gute Gründe, die Molke-Produktion zu sabotieren, haben sie alle. Schwerenöter Borowski ermittelt derweil gewohnt grummelig und ungewohnt zackig. Abgeschleppt wird der Polizist auch noch. Von einer Frau. Schließlich, der Tatort-Fan weiß es längst, soll in diesem Fall «die Neue» an Borowskis Seite eingeführt werden. Sarah Brandt (Sibel Kekilli) heißt die Dame. Sie kracht dem Kommissar mit ihrem Pick-Up ins Heck. Auf ihrem von der Oma geerbten Bio-Bauernhof repariert sie Autos, gibt Tipps für vegetarische Ernährung und kocht Borowski Gemüsebrühe.
Irgendwann soll die öko-bewegte Suppen- und Computerexpertin den notorisch schlecht gelaunten Polizisten als Ermittlerin unterstützen. Soviel wusste man schon vorher. Wie das geschehen soll, erscheint nach ihrer wenig ausgetüftelten Einführung mehr als rätselhaft. Beim Einstand bleibt ihr Charakter blass – und genauso fade wie Gemüsebrühe.
Titel: Tatort: Borowski und eine Frage von reinem Geschmack
Regie: Florian Froschmayer
Darsteller: Axel Milberg, Sibel Kekilli, Esther Schweins, Sonja Gerhardt
Sendetermin: Sonntag, 24. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste
Es gibt ein süßes Buch zum Thema: Wing Tsun von Petra Maria Scheid. Wenn das mehr Leute beherzigen würden, was da drin steht, wären Sendungen wie Tatort bald spannender.
jetzt antwortenKommentar meldenStatt blöde Kommentare zu posten, weißt du ja dann was du zu tun hast.
jetzt antwortenKommentar meldenAlso, in den Pornos von früher hat mir Sibel Kekilli weitaus besser gefallen. Im Tatort erschien sie eher etwas blass. - Eigentlich soll doch jeder das machen was er am besten kann...
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