So., 27.05.12

Medientage eröffnet 13.10.2010 Wider die Gratiskultur

Münchener Medientage 2010 (Foto)
Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner (v.l.), der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der "Focus"-Gründer Helmut Markwort in der Diskussion. Bild: dpa

Von Jutta Steinhoff

Auf den Münchner Medientagen treffen sich die Mächtigen der Branche. Bei der Elefantenrunde zum Auftakt herrschte weitgehend Einigkeit: Die Gratiskultur im Internet muss gestoppt werden.

Der Motivator lässt auch das Schuldbekenntnis nicht aus: Dass sich im Internet in den vergangenen 15 Jahren die Gratiskultur durchgesetzt hat, «ist zuallererst auch unsere eigene Schuld», sagt der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, in seiner Rede  zum Auftakt der Medientage München. Es sei anfangs als Marketinginstrument gesehen worden, «doch es ist der Vertriebsweg der Zukunft». Und der müsse nun mal Geld einbringen.

Geht es nach den meisten Gipfelteilnehmern der traditionellen Elefantenrunde zum Start des dreitägigen Kongresses, dann sollte der Anfang vom Ende der Gratiskultur bald erreicht sein.

Der Chef des größten Medienhauses fordert vor allem für die Verlage ein Leistungsschutzrecht bei journalistischen Inhalten im Netz. Da ist er sich einig mit Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), der sich in seiner Eröffnungsrede ebenfalls klar für diesen Schutz des geistigen Eigentums ausspricht. Es sei nicht nötig, hier auf Europa zu warten. Beide fordern zudem einen Werbeverzicht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland, um einer Wettbewerbsverzerrung entgegenzuwirken. Ein Werbeverbot sei in der Zukunft wahrscheinlich, bisher allerdings fehle die Mehrheit.

Keine kostenlosen Apps von ARD und ZDF

Zudem sollten ARD und ZDF auch künftig keine kostenlosen Apps anbieten: Die bei den mobilen Geräten zur Internetnutzung - anders als am PC - derzeit bestehende Bezahlkultur sollte in jedem Fall erhalten werden, sagte Döpfner. Es müsse für die Produzenten von Inhalten aus der analogen Welt auch in der digitalen Welt die Möglichkeit geben, markengebundene Inhalte zu refinanzieren, stellte er klar. Wenn dies geregelt sei, biete die Digitalisierung für alle Medien allen Grund zum Zukunftsoptimismus: «Die Zeitung und Zeitschrift der Zukunft sind Smartphones zum Beispiel für die Verwaltung von Kontakten, Terminen und Aufgaben sowie multimedialen oder internetbasierten Anwendungen. Sie benutzen meist ein spezielles Betriebssystem, welches die Installation weiterer Programme erlaubt», sagte der Springer-Vorstandschef.

In der anschließenden Podiumsdiskussion des Mediengipfels sahen sich die Spitzenvertreter der öffentlich-rechtlichen Sender, der SWR- Intendant und ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust und ZDF-Intendant Markus Schächter, denn auch in der Rolle Minderheit gegenüber Vertretern der Privaten, der Medienhäuser Burda und Springer sowie der Politik. Die gesicherte Finanzierung durch Gebühren und das kostenlose Online-Angebot lässt die auf Refinanzierung angewiesenen Wettbewerber trotz Drei-Stufen-Tests von einer Verzerrung sprechen. Die geplante Umstellung der Gebühren von der Geräteabgabe auf Haushalte ändere daran nichts. Zumal manch einer vermutet, dass sie den Sendern noch mehr Millionen zuspielen könnte.

Google taugt nicht als Feindbild

Selbst der Europachef des eigentlichen Netznutznießers Google, Philipp Schindler, eignete sich nicht recht als besseres Feindbild. Der Vertreter des Suchmaschinenbetreibers gab sich unangreifbar - als Unterstützer des Urheberrechtschutzes - und wies auch eine übergroße Machtfülle zurück: «Wir haben aus meiner Sicht vor allem Verantwortung», sagte Schindler. Die Konsumenten sollten die Inhalte, die im Internet sind, einfach nur schnell finden. Jeder Anbieter habe dabei unabhängig von der Größe die völlig gleiche Chance, gefunden zu werden. Gerade deshalb sei der Algorithmus der Google-Listung geheim.

Irgendwie sei bei der Google-Thematik «immer auch die Bigotterie nicht weit», meinte dazu Springer-Chef Döpfner - allerdings ohne nähere Zuordnung. Es sei wichtig, eher auf die Chancen als immer nur auf die Gefahren zu sehen. Klar sei jedoch, die Piratenmentalität einer «nachgeholten Form von Web-Kommunismus» müsse ein Ende haben.

Die bis Freitag andauernden Medientage stehen unter dem Motto «Wert(e) der Medien in der digitalen Welt». Insgesamt erwartet die federführende Bayerische Landeszentrale für neue Medien zu 90 Einzelveranstaltungen und insgesamt fünf Gipfelrunden rund 500 Referenten und 6000 Besucher im Congress Center, zudem 66 Aussteller.

boi/ruk/news.de/dpa
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