So., 27.05.12

«Maischberger» 13.10.2010 Von Kopftüchern und verschlossenen Augen

Maischberger (Foto)
Sandra Maischberger diskutiert über den Islam. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Martin Walter

Die Integrationsdebatte gewinnt weiter an Schärfe. In Menschen bei Maischberger sind die Kräfteverhältnisse allerdings klar verteilt. Vor allem zu Ungunsten eines Grünen-Politikers.

Mit seiner Festrede zum 20-jährigen Bestehen der Deutschen Einheit und der darin enthaltenen Erwähnung, dass der Islam ein Teil Deutschlands sei, hat Bundespräsident Wulff neues Öl in die seit Wochen lodernde Integrationsdebatte gegossen. Keine Themen bewegen die Bundesrepublik im Spätjahr 2010 so sehr wie Integration und Islamisierung. Untrügliches Kennzeichen dafür: Die von Thilo Sarrazins Thesen angestoßene Debatte ist nicht dem typischen Medienreflex erlegen und nach wenigen Tagen wieder aus dem Fokus der Tagesberichterstattung verschwunden, sondern wird immer intensiver und leidenschaftlicher diskutiert.

Bestes Kennzeichen dafür ist die Landschaft der politischen Talkshows. Beinahe beschleicht einen mitunter das Gefühl, aus Versehen eine Wiederholung der Vorwochen eingeschaltet zu haben, so ähnlich klingen die thematischen Ausrichtungen. Sandra Maischberger betitelte drei Wochen nach ihrer Sendung Kopftuch und Koran: Hat Deutschland kapituliert? ihre neuste Ausgabe mit  Schleier und Scharia: Gehört der Islam zu Deutschland?. Nicht gerade ein Indiz überbordender Kreativität.

In der aktuellen Runde kristallisierten sich schnell eindeutige Kräfteverhältnisse heraus, die ob der geladenen Gäste nicht überraschen konnten. Die muslimische Bildungs- und Integrationsbeauftragte Zehra Yilmaz und Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele standen dabei zahlenmäßig auf verlorenem Posten. Vor allem Ströbele musste sich nicht nur von der wortgewaltigen Feministin Alice Schwarzer gehörig die Leviten lesen lassen («Sie wollen sich die Welt malen, aber sie ist anders»), sondern bekam auch von Filmemacherin Güner Yasemin Balci («Sie verschließen die Augen») und SPD-Politiker Heinz Buschkowsky («Multikulti ist gescheitert») deutliche Worte zu hören. Den bayerischen Innenminister Joachim Hermann von der CSU dürfte es gefreut haben. Er selbst musste sich somit weit weniger stark aus dem Fenster lehnen, als es nach den umstrittenen Vorstößen seines Parteivorsitzenden Seehofers zu erwarten gewesen wäre.

«Vom Islam in Deutschland geht keine Gefahr aus»

Tatsächlich vermittelte Rechtsanwalt Ströbele dem Zuschauer eher das Bild eines idealistischen Träumers, als das eines realistischen Politikers, als er von tollen Begegnungen mit türkischen Fans während des vorangegangenen Länderspiels berichtete, oder mit seinem Lieblingsthema, der Einführung eines islamischen Feiertags, kokettierte. Die von Alice Schwarzer vorgebrachte Gefahr einer schleichenden Unterwanderung des deutschen Bildungssystems tat er lapidar als «gefährliche Verschwörungstheorie» ab. Und: «Vom Islam in Deutschland geht keine Gefahr aus». Das klang inmitten der heiß geführten Debatte eher nach Wohnsitz auf einer einsamen Insel denn nach Kreuzberg, wo Ströbele tatsächlich lebt.

Wesentlich authentischer und alltagsnäher wirkten dagegen die Statements von Balci und Buschkowsky, beide beruflich eng am realen Leben in sozialen Brennpunkten. Während Balci, selbst türkischer Abstammung, speziell das archaische Menschenbild vieler Immigranten und die daraus entstandene Parallelgesellschaft anprangerte, warnte SPD-Hardliner Buschkowsky vor der wachsenden Deutschenfeindlichkeit von Muslimen. In der Tat alles keine neuen Argumente, doch geht es in der aktuellen Debatte auch vielmehr darum, aus diesen Erkenntnissen endlich die richtigen Rückschlüsse zu ziehen.

So weit kam die Runde bei Maischberger allerdings nicht mehr. Zu viel Zeit war mit dem Thema Kopftuch verbracht worden, das die anwesenden Frauen zu Beginn der Sendung zunächst alleine hatten diskutieren dürfen. Erst nach zehn Minuten wurden auch die Männer mit in den Kreis aufgenommen, eine merkwürdige Gäste-Splittung.

Am Gesprächsinhalt änderte dies zunächst wenig, fast schien es so, als würde man vom Kopftuch gar nicht mehr wegkommen. Als Wortführerin schob sich dabei immer wieder Alice Schwarzer in den Vordergrund, die Sandra Maischberger zwischenzeitlich in ihrer Rolle als Moderatorin abzulösen schien. Und so war es am Ende auch Schwarzer vorbehalten, das Schlusswort zu sprechen, mit dem sie das erfreuliche an der in weiten Teilen so unerfreulichen Integrationsdebatte hervorhob: «Wir reden alle darüber. Bravo. Schön.»

Dass diesem Reden nun endlich Taten der Politik folgen müssen, hatte Bürgermeister Buschkowsky bereits zuvor von seinem Berufsstand eingefordert: «Wenn die Politik diese Dinge nicht aufnimmt, vermittelt sie den Eindruck, sie will sich dieser Dinge nicht widmen und treibt die Menschen in die Hände radikaler Kräfte».

boi/ivb/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Longus
  • Kommentar 1
  • 14.10.2010 02:35
 

von der "sorte" Ströbele gibt es leider zu viele traumtänzer u. selbsternannte "gutmenschen" mit einem falschen verständnis von toleranz bei den grünen. alleine wenn ich die Roth kindlich-naiv daherplappern höre, springt mir der draht aus der mütze. schade das so viele möchtegern,- u. hobbypolitiker bei den grünen etwas zu sagen haben. den vernünftigsten eindruck macht noch Trittin. aber den arasch in der hose, seine parteimitglieder mal wachzuleuten damit sie in der realität ankommen, hat er scheinbar auch nicht.

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