Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger, Mittweida
Fernsehpromis in der Provinz: Beim Medienforum Mittweida treffen Fernsehmacher auf engagierten Nachwuchs. Doch trotz der erhöhten Promidichte sind die Nachrichten für die jungen Medientalente wenig erhebend.
«Er wird seine Sendung heute nicht moderieren, weil er heute hier ist» - Tosender Applaus im völlig überfüllten Auditorium. Dabei ist er für einen Nachmittag der Superstar von Mittweida und fast alle mögen ihn für die Sendung, die er moderiert. Er ist in diesem Fall Peter Kloeppel und trifft irgendwo zwischen Leipzig, Chemnitz und Dresden seine Zielgruppe: jung und ostdeutsch. In dieser Zuschauergruppe ist RTL als Sender und die von Kloeppel moderierte Nachrichtensendung RTL Aktuell ganz weit vorn in der Beliebtheit.
Mittweida als Nabel der Medienwelt, das muss man sich einmal vorstellen. Na gut, drei Tage lang können sich die Studenten der örtlichen Fachhochschule zumindest im Näbelchen der Medienwelt fühlen, einmal die Bauchnabelflusen bestaunen. Denn Fernsehmacher höchster Prominenz lassen sich einmal jährlich in die sächsische Kleinstadt locken, und alles ist eine Nummer kleiner als bei entsprechenden Fachtagungen wie sie zeitgleich auch in München stattfinden.
Doch die Promis wie Schirmherrin Nina Ruge und Peter Kloeppel kommen nicht wegen der pittoresken Aussicht, sondern, weil sie auf Engagement treffen. Und vielleicht, weil sie hier einmal relativ weit weg von den Anstalten öffentlich-rechtlicher und privater Natur sind. Hier werden Handykameras gezückt, hier bezahlen Mittweidaer Eintritt für eine Podiumsdiskussion mit den Menschen, die sie täglich im Fernsehen sehen können.
Die Botschaften, welche die relativ gut bezahlten Profis den Medienstudenten im beschaulichen Sachsen mitbringen, sind erschütternd bis desillusionierend. Die Sarrazin-Debatte sieht Welt-Co-Chefredakteur Jörg Eigendorf als «blamabel für alle Beteiligten», die ehemalige Mona-Lisa-Redaktionsleiterin Barbara Dickmann fordert die Nachwuchskräfte geradezu auf, am Anfang monetäre Opfer für den eigenen Erfolg zu bringen. Volker Herres, seines Zeichens ARD-Programmdirektor, spricht von einer immer größeren Themenwelle, auf der immer mehr Medien aus vielen Gründen immer öfter nur mitsurfen. «Wir sind zu weit weg vom Leser und Zuseher», lautet die Diagnose des freien Journalisten Josef-Otto Freudenreich.
Der Zeigefinger wurde von den Medienmachern aber auch Richtung Finanziers gerichtet: «Wer journalistische Qualität und Moral fordert, muss auch dafür sorgen, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Redaktionen so sind, dass diese das überhaupt leisten können», urteilte Herres vor vielen Twens, die ihr erstes Praktikum noch vor oder gerade hinter sich haben. Moderatorin Nina Ruge wäre fast dazu übergegangen, ein Transparent mit der Aufschrift «Quält euch!» zu malen, so oft zitierte sie diesen Satz.
Und dann nehmen die Medienprofis ihre Rollkoffer, lassen sich von studentischen Chauffeuren im VW Phaeton zum Flughafen fahren und die Medienschaffenden in spe bleiben in einer ausgewachsenen Berufswahlmisere zurück.
wam/news.de
Knapp 200 Studenten stellen in einem halben Jahr einen Fachkongreß auf die Beine, der sich nicht hinter den großen Fachkongressen Deutschlands verstecken muss. Alles von der Planung bis zur persönlichen Betreuung der Referenten liegt in der Hand der Studenten. Weil sie einen Tag in Mittweida verbracht haben, meinen Sie, die Arbeit der Studenten, die ihr Herzblut in diese Projekt gesteckt haben, schlecht machen zu können? Journalisten wie Sie sind Schuld, dass die Medien einen schlechten Ruf haben und wegen Ihnen muss dieser Mediennachwuchs später noch härter arbeiten, um Ihren Beruf zu retten.
jetzt antwortenKommentar meldenSehr geehrter Herr Konrad Rüdiger, was hat Sie denn verleitet zum jungen ostdeutschen Publikum nach Mittweida zu reißen?! Hatten Sie nicht die Möglichkeit nach München zu fahren?
jetzt antwortenKommentar meldenHallo Herr Rüdiger, anscheinend waren Sie wirklich anwesend zu dieser Podiumsdiskussion – aber nur körperlich. Was verleitet Sie zu der hochgegriffenen Behauptung, in Mittweida säße das "junge und ostdeutsche" Publikum von RTL Aktuell? Im Westen schaut das sicher niemand, vor allem nicht, wenn er über 25 ist. Mit Bauchnabelflusenbestaunen hat dieser KOMPLETT STUDENTISCH ORGANISIERTE Medienkongress rein gar nichts zu tun. Vielleicht spricht da der Neid? Natürlich wurde Peter Kloeppel nicht zitiert, wie er das Medienforum lobte und bestätigte, gern der Anfrage Folge geleistet zu haben. Traurig
jetzt antwortenKommentar meldenDu hast z.T. ja wirklich überhaupt keine Ahnung von dem was du da schreibst. In Mittweida werden die engagiertesten Nachwuchsjournalisten ausgebildet. Ich finde es sensationell was die STUDENTEN organisiert haben und muss sagen: Das Medienforum und die Mediennacht waren grandios!
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