Branche, Fachpublikum, Besucher: Der Frankfurter Buchmesse wurde 2010 von allen Seiten ein gutes Zeugnis ausgestellt. Die Ausstellung habe der Branche einen «regelrechten Energieschub» beschert. Politik und Pop waren in diesem Jahr die Schwerpunkte.
Die Frankfurter Buchmesse hat der Branche nach Ansicht der Organisatoren einen «regelrechten Energieschub» gebracht. «Das Geschäft mit den Inhalten - ob als klassisches Buch oder in digitaler Form - hat dieses Jahr noch einmal zugelegt», erklärte Buchmesse-Direktor Jürgen Boos zum Abschluss der weltgrößten Bücherschau.
Insgesamt waren auf der Messe mit dem Ehrengast Argentinien 7539 Aussteller aus 111 Ländern vertreten. Nach Schätzungen der Messe kamen knapp 290.000 Gäste, die Besucherzahl lag damit in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Bei den Fachbesuchern, denen die weltgrößte Bücherschau von Mittwoch bis Freitag exklusiv offenstand, gab es ein Minus von knapp zwei Prozent.
Beim Lesepublikum, das am Wochenende zu Zehntausenden auf die Messe strömte, dominierte das Interesse an Politik und Pop. Die frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt berichtete über ihre sechsjährige Geiselhaft im Dschungel, die sie als «fortwährenden Kampf» erlebte. Neben viel Schriftstellerprominenz präsentierten Musiker und Schauspieler wie Roger Cicero, Nadja Benaissa oder Ben Becker ihre Werke.
Grass lobt die Rückkehr des Politischen
Literaturnobelpreisträger Günter Grass freute sich am Samstag auf der Buchmesse darüber, dass die Menschen wieder politischer würden. «Wenn man sieht, wie Bürger sich in der laufenden Legislaturperiode zu Wort melden, dann sieht man, dass sich etwas ändert», sagte der 82-Jährige offenbar auch mit Blick auf die Auseinandersetzungen um das Großprojekt Stuttgart 21. Grass stellte sein neues Buch «Grimms Wörter» vor.
Insbesondere amerikanische und britische Aussteller hätten diese Messe als die beste seit vielen Jahren bezeichnet, berichteten die Organisatoren. Im vergangenen Jahr war die Branche von der Wirtschaftskrise und von Unsicherheit geprägt. Auch deutsche Aussteller äußerten sich sehr zufrieden über ihre Geschäftsabschlüsse. Im Zentrum des Interesses stand das elektronische Buch und das crossmediale Zusammenwachsen des Buches mit dem Film oder Computerspielen.
Analog oder digital?
Knapp 500 Veranstaltungen gab es rund um die Veränderungen in der Branche. Erstmals hatte die Messe in Hot Spots - speziellen Kontakthöfen - Inhalteanbieter und Technik-Dienstleister zusammengebracht. Buchmesse-Sprecherin Katja Böhne sagte, dass das wichtige Zentrum für Literaturagenten im kommenden Jahr noch weiter ausgebaut werde. Dort wird um die internationalen Rechte für Bücher gefeilscht.
Das Gastland Argentinien zog eine positive Bilanz. «Wir sind sehr zufrieden», sagte die für den Auftritt zuständige Botschafterin Magdalena Faillace. Argentinien sei es gelungen, auf einem bedeutenden internationalen Forum seine Literatur und Kultur zu vermitteln. Mit Hilfe der staatlichen Förderung Sur seien 130 Schriftsteller aus Argentinien in 54 Ländern übersetzt worden. Argentinien war auf der Messe mit 60 Autoren und knapp 100 Verlagen vertreten.
Am Freitagabend hatte Mirjam Pressler - bereits zum zweiten Mal - den Deutschen Jugendliteraturpreis erhalten. Die Autorin und Übersetzerin wurde mit dem Sonderpreis für ihr Autoren-Gesamtwerk (10.000 Euro) geehrt. Bereits 1994 war sie für ihre Übersetzungen ausgezeichnet worden. Pressler sei eine «wesentliche Stimme einer antiautoritären Jugendliteratur», begründete die Jury ihre Entscheidung. Einige ihrer Romane wie «Bitterschokolade» zählten heute zu den Klassikern.
sgo/news.de/dpa