Lobo-Roman
Drama aus der Seifenblase

Sascha Lobo hat einen Roman geschrieben: Es ist sein erster und er beschäftigt sich mit der Firmengründung zu Zeiten der Internetblase. Damit kennt sich der Irokesenträger aus. Doch auch die Liebe kommt nicht zu kurz.

Hat seinen ersten Roman geschrieben: Sascha Lobo. Bild: Reto Klar

Er ist nicht zu übersehen: Sascha Lobo. Seine rote Irokesenfrisur fällt auf. Doch den 35-Jährigen nur darauf zu reduzieren, ist ein Fehler, den man besser nicht machen sollte. Im Jahr 2000 gründete Lobo eine Werbeagentur. Damals wuchs das Internet rasend schnell und die Möglichkeiten, Geld damit zu verdienen, waren nur zu verlockend. Doch schon Ende 2001 musste Lobo wieder Insolvenz anmelden. Heute berät er Unternehmen bei Fragen zum Thema Internet, arbeitet als Blogger und Journalist und ist darüber hinaus seit 2006 erfolgreicher Buchautor.

Bisher ist der gebürtige Berliner vor allem durch populäre Sachbücher aufgefallen: Sie befassen sich mit den Themen Arbeit im digitalen Zeitalter und dem Aufschieben von To-Do-Listen. Doch Lobo kann mehr. Auf der eigenen To-Do-Liste stand offensichtlich noch das Schreiben eines Romans und dieser liegt jetzt vor.

Strohfeuer heißt Sascha Lobos knapp 300 Seiten dicke Vergangenheitsbewältigung, mit der er jetzt die Bestseller-Listen erklimmen will. Protagonist Stefan ist jung, neugierig und will vorankommen im Beruf. Vor allem aber will er Geld - und davon möglichst viel. Mit dem cholerischen Thorsten, dem schüchternen Philipp und der attraktiven Sandra gründet er deshalb kurzerhand in einem Berliner Hinterhof eine Werbeagentur.

Von den Startschwierigkeiten, die die Agentur hat, mal ganz abgesehen, läuft es für Stefan gut. Zu Hause wartet seine Freundin Lena, die er über alles liebt und die er für die perfekte Frau hält. Viel zu lange hat er um sie kämpfen müssen, als dass er sich vorstellen kann, sie wieder zu verlieren. Doch sein Job verlangt ihm viel ab. So viel, dass er oft bis spät in die Nacht im Büro sitzt, an Werbestrategien, Firmenlogos und Internetseiten für Unternehmen feilt, sich irgendwann auf eine Affäre mit seiner Kollegin Sandra einlässt und dabei die Beziehung zu seiner Freundin aufs Spiel setzt.

Charmant erzähltes New-Economy-Märchen

Durch einige linke Tricks und die Fähigkeit, die Wahrheit immer gerade so zu dehnen, wie es für den potenziellen Kunden notwendig ist, vergrößert sich erst der Kundenstamm der Agentur und später auch ihr Gewinn. Immer mehr Mitarbeiter werden eingestellt, die Verantwortung der Chefs, zu denen auch Stefan gehört, wächst. Stefan steht unter Dauerstrom, Pause wird für ihn zum Fremdwort. Am Ende verliert er sich in seiner Arbeit und seine Freundin verlässt ihn.

Als die Firmen, für die die Agentur arbeitet, pleite machen und eine riesige Summe an Zahlungen aussteht, die ersten Mitarbeiter entlassen werden müssen und Stefan - ungewollt und zu Übungszwecken - ein Ferkel töten muss, weil man dem Besitzer einer der zahlungsunfähigen Firmen Angst einjagen will, wird dem Jungunternehmer zum ersten Mal bewusst, dass in seinem Leben vielleicht doch nicht alles so läuft, wie er sich das vorgestellt hatte.

Sascha Lobo weiß, wovon er schreibt. Schließlich war er lange Zeit selbst Chef einer Werbeagentur und kennt deren Ziele und Methoden. Da wird gelogen, um einen Kunden für sich zu gewinnen, dass selbst mancher Politiker neidisch werden dürfte. Doch Präsentation ist alles und oft zählt nur dieser eine entscheidende Moment.

Lobo erzählt dieses New-Economy-Märchen äußerst charmant, setzt auf glaubwürdige Charaktere, die über sich selbst hinauswachsen wollen und am Ende scheitern, weil der eigene Hochmut sie zu Fall bringt. Das ist keine große Literatur, will es aber auch gar nicht sein.

Lachen und Leiden liegen in Lobos Debütroman nah beieinander. Dies beim Leser auszulösen, ist allein schon eine Kunst, an der einige Kollegen kläglich scheitern. Lobo trifft den Ton einer Generation, die erwachsen werden muss, es aber nicht will. Sensibel schreibt er über Liebe, Verlangen und das große Gefühlschaos. Ein Liebesroman ist es deshalb aber nicht geworden, dafür steht Stefans Traum von einer erfolgreich laufenden Werbeagentur zu sehr im Vordergrund. Aber wen wundert das? Damit kennt sich Sascha Lobo schließlich bestens aus.

Eine digitale Leseprobe des Romans Strohfeuer gibt es hier.

Titel: Strohfeuer
Autor: Sascha Lobo
Verlag: Rowohlt
Seitenzahl: 285 Seiten
Preis: 18,95 Euro
Erscheinungsdatum: September 2010

car/ivb/news.de

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

1 Kommentare
  • Klinge

    17.09.2010 14:51

    Noch einer aus der Spaßgesellschaft und Autoren die Bücher schreiben, die niemand braucht. Da hilft weder die Haarfrisur noch daneben gegangene TV Auftritte. Schade ums Papier.

    Kommentar melden

Kommentar schreiben

noch 600 Zeichen übrig

Empfehlungen für den news.de-Leser