Peter Gabriel Der Sledgehammer bleibt in der Kiste

Jan GrundmannVon den news.de-Redakteuren und Christian Mathea
Wenn Männer älter werden, verpustet der dritte Frühling den Kopf? Mag sein, aber es gibt Ausnahmen: Genesis-Gründer und Ausnahmemusiker Peter Gabriel interpretiert seine Lieblingskünstler ganz sanft mit Orchester. Jetzt kommt er für Zusatzkonzerte nach Deutschland.

Peter Gabriel will mehr: Der englische Musiker hat seine «New Blood»-Tour verlängert – und kommt für Zusatz-Konzerte auch zurück nach Deutschland. Die erste Station der Extra-Gigs war in Leipzig, news.de war dabei.

Der Musiker liebt Alben, die eine Geschichte erzählen. Für ihn ist Musik mehr als nur eine momentane Unterhaltung im Alltag. In Solsbury Hill hat er die Trennung von Genesis verarbeitet, in Come Talk To Me das Bemühen, sich seiner Tochter anzunähern. Peter Gabriel liebt zudem Veränderung, die permanente Suche nach neuen Musikstilen. Ganz im Gegenteil zu anderen Popmusikern seiner Zeit. Madonna will ein ewig junges Mädchen bleiben und hechelt den aktuellen Pop-Trends hinterher. Die Rolling Stones scheinen in ihrer Schublade gefangen. Doch Gabriel hat sich etwas getraut – und ist mit seinem Scratch my back-Album und der dazugehörigen «New Blood»-Tour ein neues musikalisches Wagnis eingegangen.

Der Sledgehammer, Gabriels größter Erfolg, muss dabei aber in der Kiste bleiben. Trotzdem schaut sich der Musiker beständig nach neuen Werkzeugen um – und hat für sein aktuelles Album und die passende Tour einen neuen, großen Koffer auftreiben können.

Keine Gitarre, dafür massig Geige

Mit einem kompletten Orchester bespielt das Genesis-Gründungsmitglied derzeit die Bühnen dieser Welt. No Drums, no guitars - keine Schlagzeuge, keine Gitarren - lautet die Ansage. Erstmals ist Peter Gabriel mit einem Orchester aus 52 Musikern unterwegs, erstmals hat er auf seinem Scratch my Back-Album ausschließlich Songs von anderen gecovert.

Der Musiker entschleunigt die Original-Werke fast bis zum Stillstand. Das liegt vielleicht am Alter, schließlich hat Gabriel im Februar seinen 60. Geburtstag gefeiert. Er zerbröselt seine Lieblings-Songs von David Bowie (Heroes), Radiohead (Street Spirit, Fade Out), Lou Reed (The Power of the heart) oder Arcade Fire (My body is a cage) in Fragmente, um sie in melancholischem Moll langsam wieder aufzurichten.

Zurückhaltender Auftritt von Gabriel

Das hat sicher nicht nur die Arrangeure John Metcalfe und Will Gregory angestrengt. Auch Zuschauer, der den hämmernden Ego-Trip eines Pop-Rock-Weltmusikers erwarten, könnten enttäuscht sein. Der philharmonische Klangkörper passt mit dem auffallend zurückhaltenden Gabriel eher in ein klassisches Konzerthaus denn in die Riesen-Mehrzweckhallen dieser Welt.

Aber dort wäre der zweite Teil des Konzerts weniger gut aufgehoben, in dem Gabriel seine älteren, bekannten Stücke spielt. Wenn ältere Damen klatschend zur Bühne laufen, wenn rote Herzen in die Hände von Peter Gabriel fliegen, dann ist es Zeit für Solsbury Hill. Auch ein Peter Gabriel, der Anspruchsvolle, kommt nicht umhin, seine Klassiker zu spielen. Vielleicht freut es ihn trotzdem. Immerhin lächelt er am Ende des Abends das erste Mal, nach fast drei Stunden Konzert. Aber ohne Sledgehammer. Der ist nun wirklich reif für die Kiste.

Weitere Deutschland-Termine der «New Blood»-Tour:
30. September, SAP Arena, Mannheim
02. Oktober, Köln Arena, Köln
03. Oktober, O2-World, Hamburg

mat/news.de

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