Von news.de-Redakteur Oliver Roscher
Im ARD-Sechsteiler Weissensee spielt er die Hauptrolle: Florian Lukas. Als Volkspolizist bringt ihn seine Liebe zu Zeiten des DDR-Regimes in große Gefahr. Bei news.de spricht der 37-Jährige über nicht vorhandene Ost-West-Unterschiede und seinen Hang zu Nebenrollen.
Herr Lukas, Sie sind in der DDR aufgewachsen. Nun haben sie in den Kulissen der eigenen Kindheit die Serie Weissensee gedreht. Was war das für ein Gefühl?
Florian Lukas: Das war schon extrem interessant und irgendwie eigenartig, die ganzen Gegenstände wieder zu sehen, mit denen ich aufgewachsen bin. Das hat schon einen großen Reiz der Dreharbeiten ausgemacht und Erinnerungen geweckt. Es waren aber nicht nur gute Erinnerungen. Einige Drehorte wie das Stasi-Gelände haben negative Erinnerungen hervorgerufen. Da machte sich schon Beklemmung breit und man ist froh, dass 1989 alles so gekommen ist.
Wie war denn allgemein die Arbeitsatmosphäre am Set?
Lukas: Auf jeden Fall angenehm. Wir konnten ohne Zeitdruck drehen. Friedemann Fromm ist ein sehr leiser und subtil arbeitender Regisseur, der den Schauspielern viele Freiheiten lässt. Er versucht auf eine sehr vorsichtige Art seine Vorstellung von einer Szene umzusetzen. Wir haben das gemacht wie in einer Kinoatmosphäre, vollkommen ohne Zeitdruck, sehr sorgfältig, sehr gelassen und ziemlich chronologisch.
Das klingt nach einer guten Zeit.
Lukas: Gemeinsam mit dem Regisseur haben wir dreieinhalb Monate lang jeden Tag genossen. So was kann auch zur Quälerei werden. Wir waren dann alle tatsächlich traurig, als die Dreharbeiten vorbei waren. Da muss man der Produzentin Regina Ziegler auch ein Kompliment machen. Sie hat ein tolles Team zusammengestellt und wir würden uns schon freuen, wenn wir die Möglichkeit hätten, Weissensee weiter zu machen.
Die Schauspieler-Riege ist erstklassig. Wie lief die Arbeit mit den renommierten Kollegen?
Lukas: Die Rollen sind mit hochkarätigen und erfahrenen Schauspielern besetzt. Das ist vor allem deshalb interessant, weil Katrin Sass und Uwe Kockisch schon in der DDR große Stars waren. Von damals kannte ich auch beide. Die haben natürlich interessante Geschichten erzählt, die auch außerhalb meiner Erfahrungswelt liegen, da ich einfach noch viel zu jung war. Man tauscht sich natürlich aus und ist sich schon darüber einig, dass es gut war, wie es gelaufen ist. Ansonsten konzentriert man sich darauf, gemeinsam eine gute Mini-Serie zu machen.
Wie kamen die Schauspieler aus dem Westen mit ihren Rollen zurecht?
Lukas: Auch die Kollegen aus dem ehemaligen Westen wie Hannah Herzsprung und Jörg Hoffmann waren sehr gut vorbereitet. Das Thema betraf uns ja alle. Es gab keinen großen Bedarf, sich gegenseitig aufzuklären. Regisseur Friedemann Fromm hat sich auch nicht zum ersten Mal mit dieser Zeit auseinandergesetzt. Zwischen uns allen gab es ein vertrauensvolles Verhältnis.
Sie spielen den Polizisten Martin Kupfer. Was für ein Typ ist das?
Lukas: Das ist jemand, der aus einem kindlichen Wunsch heraus Polizist geworden ist und sich das auch nicht vermiesen lassen will durch die politische Einflussnahme, der man noch viel stärker ausgesetzt wäre, wenn man eine höhere Laufbahn anstreben würde. Es war einfach unmöglich, Offizier zu werden und nicht in der Partei zu sein. Das war eine Grundvoraussetzung für alle Führungskräfte und für alle Polizeioffiziere erst recht.
Martin Kupfer versucht das Leben so zu nehmen wie es ist, auch mit allen schlechten Seiten. Dabei nimmt er auch den ein oder anderen Kompromiss in Kauf. Er stellt dann fest, dass die Liebe zu Julia Hausmann (gespielt von Hannah Herzsprung), zu der er sich bekennt, tatsächlich existenzgefährdend ist, nicht nur für sich, sondern auch für seine Familie. Er kommt an den Punkt, wo er sich den Konsequenzen stellen muss. Martin muss sich im Spannungsfeld zwischen Ex-Frau, neuer Liebe und seinem Bruder behaupten. Irgendwann muss er den klaren Blick haben, für sich und sein Umfeld. Das ist eine spannende Entwicklung der Figur Martin Kupfer.
Martin Kupfer und Julia Hausmann lieben sich unter schwierigen Bedingungen. Können Sie andeuten, wie der Weg der beiden verläuft?
Lukas: Martin entscheidet sich schon für die Liebe zu Julia, aber wie es dann mit den beiden weitergeht, das bleibt offen. Klar ist aber, dass er sich für einen Ausstieg aus seinem bisherigen Leben entscheidet.
Die Wiedervereinigung jährt sich zum 20. Mal. Wie ist Ihre Meinung als gebürtiger Ost-Berliner zu den ständig propagierten Ost-West-Unterschieden?
Lukas: Ich habe sehr früh angefangen durch das Land zu reisen und auch viel in West-Deutschland gearbeitet. Damit habe ich natürlich eine andere Wahrnehmung als jemand, der nie aus seinem Ort rausgekommen ist. Vor allem habe ich viel mehr Leute kennen gelernt. Für mich gibt es eigentlich keine Unterschiede zwischen Ost und West, außer das ich manchmal als «aus Ostdeutschland kommender» bezeichnet werde. Ich habe noch nie jemanden getroffen, über den explizit geschrieben steht, dass er aus West-Deutschland kommt. Ansonsten kann ich keine Unterschiede ausmachen. Ich habe genauso gute Freunde im Westen wie im Osten. Ich behandele ja keinen anders, weil er aus Berlin, Dresden oder Düsseldorf kommt. Allgemeine regionale Unterschiede bleiben natürlich und die werden in Deutschland sehr kultiviert.
Es fällt auf, dass Sie häufiger in großen Nebenrollen zu sehen sind, anstatt die Hauptfigur darzustellen. Jetzt ist es die Hauptrolle. Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Rollen aus?
Lukas: Kann ich nicht genau sagen. Ich mag einfach Figuren, die sich wehren, die sich nicht unterkriegen lassen. Ansonsten mache ich einfach nur das, was mir Spaß macht. Ich arbeite halt gerne mit Leuten, mit denen ich Freude habe. Das sind so meine Beweggründe zu- oder abzusagen. Mehr gibt es da eigentlich nicht. Wenn ich jetzt nur Hauptrollen spielen wollen würde, würde ich mich die meiste Zeit meines Lebens ziemlich langweilen, denn ich hätte selten was zu tun. (lacht)
Ihr Kollege August Diehl war kürzlich in aller Munde, weil er Angelina Jolie küssen dürfte. Das passiert einem nur in Hollywood. Haben Sie in diese Richtung auch Ambitionen?
Lukas: Angeline Jolie zu küssen?
Karriere in Hollywood ...
Lukas: Nee, hab ich nicht. Ehrlich gesagt überhaupt nicht. Es gibt einen Haufen Leute, die viel besser Englisch sprechen als ich und auch noch tolle Schauspieler sind. Ich glaube auch nicht, dass man in Hollywood neben den Nazi-Rollen große Möglichkeiten hätte als Deutscher zu arbeiten. Karriere in Hollywood für einen deutschen Schauspieler halte ich für Träumerei. Man sollte sich auf die Sachen konzentrieren, die möglich sind.
Nochmals kurz zur Serie. Was halten Sie denn vom Sendeplatz dienstags um 20.15 Uhr. Manchmal müssen Sie schließlich gegen Quotenkönig Fußball antreten?
Lukas: Ich würde mich freuen, wenn die Serie Erfolg hätte, aber ich schiele nicht auf die Quoten. Das ist nicht mein Business. Die Serie ist nicht besser oder schlechter, weil die Quoten besser sind. Auf mich persönlich hat das überhaupt keine Auswirkung. Ich werde auch nicht arbeitslos sein, wenn die Quoten schlecht sind. Natürlich freue ich mich, wenn so ein Format Erfolg hätte. Persönlich bin ich ja auch in den letzten Jahren ein Fan von Serien geworden, vor allem von amerikanischen. Davon sollte es mehr in Deutschland geben - Geschichten mit vielen Handlungssträngen in einem größeren Bogen erzählt. Mal gucken, ob so was ankommt und ob das Thema überhaupt so angenommen wird, im Jahr 20 der deutschen Einheit. Ich persönlich gucke auch nicht nach Sendeplätzen Fernsehen, außer natürlich samstags die Sportschau.
Geht es mit Weissensee nach sechs Folgen weiter?
Lukas: Es gibt Planungen und Ideen und natürlich war es immer das Ziel weiterzumachen. Das liegt daran, wie es ankommt. Wenn es erfolgreich ist, dann machen wir natürlich weiter und wenn nicht, dann hatten wir eine schöne Zeit. (lacht)
Weissensee läuft ab dem 14. September dienstags um 20.15 Uhr im Ersten.
car/news.de