Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Jahrzehntelang hat Ric O'Barry die Hauptdarsteller der berühmten Fernsehserie Flipper trainiert. Heute kämpft er gegen das weltweite Abschlachten von Delfinen und Walen. Darüber hat er eine Doku gedreht, die mit einem Oscar prämiert wurde und bei Vox als Free-TV-Premiere zu sehen ist.
Ric O'Barry fühlt sich schuldig und Ric O'Barry hat gute Gründe dafür. In den 1960er Jahren war er Tiertrainer der berühmten Flipper-Delfine, und bis heute gibt es nicht wenige Menschen, die glauben, er habe damit etwas Gutes getan. Doch O'Barry weiß es besser. Spätestens, seit eines der Weibchen, die er damals tranierte, Selbstmord beging. An den zumindest glaubt O'Barry.
Heute sind Delfine begehrte und bedrohte Tiere. Für die Unterhaltungsindustrie und für Delfinarien sind sie ein Milliardengeschäft. Auch durch Flipper. Seit Jahrzehnten setzt sich Barry daher für den Erhalt dieser Säugetiere ein, 2008 hat er einen Dokumentarfilm gedreht, der vergangenes Jahr in die deutschen Kinos kam, im Frühjahr mit einem Oscar ausgezeichnet wurde und am 11. September (20.15 Uhr) bei Vox als Free-TV-Premiere zu sehen ist. Es ist eine Doku über einen Ort in Japan, der wie kein zweiter für die Grausamkeiten der Menschen gegen die Delfine steht: Taiji. Der Titel: Die Bucht.
Ein grausames Schlachten, gedeckt durch die Obrigkeit
In dieser Bucht in dem kleinen Ort werden Jahr für Jahr Abertausende Delfine zusammengetrieben und aussortiert. Die Guten ins Töpfchen, in die Hände von Delfintrainern, die Schlechten aber kommen ebenfalls ins Töpfchen. In das der Schulkantinen Japans beispielsweise. Und das, obwohl sie teilweise erheblich mit Umweltgiften belastet sind. Ein grausames Schlachten findet in Taiji jedes Jahr im Herbst statt, gut versteckt vor den Augen der Öffentlichkeit, bewacht durch Stacheldraht und Sicherheitspersonal, gedeckt durch die Obrigkeit.
O'Barry und der Regisseur Louie Psihoyos haben sich 2007 ein Team zusammengesucht und sich auf den Weg nach Japan gemacht. In einer beispiellosen Aktion sind sie in die Bucht eingedrungen und haben dort gedreht, mit versteckter Kamera, mit Nachsichtgeräten, mit Methoden und High-Tech-Geräten, die eher an Geheimdienste erinnern denn an Umweltschützer. Und so ist auch Die Bucht mehr als nur ein Dokumentarfilm. Es ist ein Thriller.
Von der ersten Minute an bezieht dieser rasante Guerilla-Film Stellung, von der ersten Minute an zieht er den Zuschauer auf eine Seite – auf die Seite der Delfine. Er wird Zeuge eines vordergründig beschaulichen Ortes, begegnet blinden Politikern und Lügen, erlebt Drohungen, Einschüchterung und Skrupellosigkeit und ein Gemetzel, das zwar nicht verboten ist – Delfine stehen nicht unter Artenschutz – das aber in seiner Art, seinem Ausmaß und seiner Grausamkeit, jedem Drehbuch spottet.
Er wird Zeuge einer Gesellschaft, die von all dem nichts weiß oder nicht wissen will, nimmt teil an globaler Politik, die ebenso wie das Geschäft mit den Delfinen, durch Geld funktioniert, und stellt fest, in welchem Ausmaß sich Meinungen kaufen lassen. Und er ist, durch die Nähe der fantastischen Kamera, Teil der Dreharbeiten, wodurch dieser Film gleichzeitig Ergebnis wie auch Making Of ist.
Von Anfang an setzt sich Die Bucht auch einem Konflikt aus. Der Film baut, wie es schon Flipper tat, auf Emotionen. Denn sie sind doch glücklich, die Delfine, oder nicht? Lächeln sie nicht den ganzen Tag? Dieses Lächeln aber, sagt O'Barry, ist die größte Lüge der Natur. Und doch baut auch er diese Bilder in seinen Film ein, zeigt freilebende Delfinschulen, stilsicher untermalt von athmosphärischer Musik. Und er weiß um die Wirkung dessen. Er weiß, dass er sie braucht.
Dem Film schadet das nicht, im Gegenteil. Psihoyos und O'Barry haben ein Werk geschaffen, das mit äußerster Vorsicht und nicht zu genießen ist. Sie haben einen Doku-Thriller gedreht, der wirklich etwas bewegen könnte, doch sie sind sich bewusst, dass sie dafür nur eine Chance haben: parteiisch zu sein, auf äußerste Wirkung bedacht zu sein, im wahrsten Wortsinn mit der Brechstange zu arbeiten.
All das haben sie getan und sie bringen damit einen Film in die Kinos, der das Genre des Dokumentarfilms nachhaltig verändern dürfte. Einen Doku-Thriller, brutal und schonungslos, ein Naturporträt, großartig und atemberaubend schön, und ein Stück Polit-Drama, ekelerregend und wahrhaftig.
Was der Thementag Wasser bei Vox bietet
O`Barrys Die Bucht ist Teil eines Thementages bei Vox, an dem sich alles rund ums Wasser dreht. Am 11. September von 12 Uhr an zeigt der Sender einen Mix aus Reportagen, Dokumentationen und Filmen. Es geht los mit der BBC-Dokumentation Im Wassertropfen um die Welt (12 Uhr). Am Computer animiert ist der Weg eines Wassertropfens um die Welt zu verfolgen. Die Stern TV-Reportage Das kostbare Nass! - Ein Experiment: Leben ohne Wasser begleitet um 13 Uhr eine Familie, die sieben Tage lang ohne Leitungswasser lebt, und eine «Wasserverschwender»-Familie, die von einem Energiefachmann beraten wird.
Das Spiegel TV Spezial mit dem Titel Urgewalt Wasser (14 Uhr) beschäftigt sich am Beispiel der Flutkatastrophe in Pakistan, des Tsunami im Indischen Ozean und von Hurrikan Katrina mit der Zerstörungskraft des Wassers und Erkenntnissen über die Entstehung von Flutkatastrophen. Im Anschluss (16 Uhr) dreht sich alles um Die unglaublichsten Wassersünden der Welt. Fündig wird die Vox-Reportage unter anderem in Las Vegas, China und auf Mallorca. Mit dem Leben unter Wasser beschäftigen sich Moderatorin Diana Eichhorn, Tierarzt Dr. Wolf und Wildtierexperte Matthias Reinschmidt um 18 Uhr. Die Dokumentationen Flippers Erben - Wenn die Freiheit am Beckenrand endet (22 Uhr) und Der Kampf ums Wasser schließen den Thementag ab.
Die Bucht, 11. September, 20.15 Uhr, Vox.
car/news.de/dpa
Vielen Dank o BERRY, die Wahrheit muss die WAHRHEIT BLEIBEN,nur so kann später bewiesen werden, ALLE WUSSTEN ES, doch niemend unternimmt etwas.Wir sind schon eine ganz spezielle ignorante Gesellschaft.
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