Mo., 13.02.12

«Satire Gipfel» Und täglich grüßt der Sarrazin

Von news.de-Redakteur Martin Walter

Artikel vom 10.09.2010

Der umstrittene SPD-Politiker Thilo Sarrazin als Gast im Satire Gipfel: Mit spitzer Zunge und vollem Programm melden sich Mathias Richling und seine Kabarett-Kollegen aus der Sommerpause zurück.

Es war ein ereignisreicher Sommer 2010 und dank der Debatte um Thilo Sarrazin endet er auch furios. Jede Menge Futter demnach für Mathias Richling und Kollegen nach der Rückkehr aus der Sommerpause. Wer sich allerdings im Satire Gipfel im Ersten auf den angekündigten Auftritt des inzwischen zurückgetretenen Bundesbänker freute, musste lange ausharren. Erst ganz am Schluss gab es die Schalte vom echten Richling zum sarrazinschen.  

Den Auftakt machte dagegen Helmut Schmidt, Altkanzler und politisches Gewissen der Deutschen. Zwischen dem einen oder anderen Glimmstengel philosophierte er über ein Rauchergesetz und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Der parodierte «elder statesman» warnte davor, eine «Mauer in den Lungen der Menschen aufzubauen» und zeigte sich besorgt, dass die «Solidarität der Menschen auf der Kippe» stehe. Gelungener Wortwitz, von ständig neu entflammten Zigaretten und einem randvollen Aschenbecher zu einer gelungenen Persiflage komplettiert.

An Richlings Seite standen nach der Sommerpause die Kabarettistenkollegen Frank Lüdecke, Sigi Zimmerschied, Markus Maria Profitlich und Neuling Sebastian Pufpaff. Letzterer nahm sich gleich der unvermeidlichen Causa Kachelmann an, bezeichnenderweise aufbereitet im Rahmen einer Wettervorhersage. Pufpaffs Wetterkarte allerdings verband den Kachelmann-Prozess auch mit den sexuellen Missbrauchsskandalen der letzten Monate. Die sarkastischen Anspielungen des Jungcomedians näherten sich dabei einige Male bedrohlich der Grenze des guten Geschmacks.  

Was danach folgte, war ein munterer Parforceritt durch die Themen des Sommers. Angefangen mit Steffen Seiberts Wechsel ins Kanzleramt über Stuttgart 21 hin zu den umstrittenen Datendiensten von Google, wurde so gut wie nichts ausgelassen. Frank Lüdecke zeigte sich überrascht über die ungewohnte Entscheidungsfreude von Angela Merkel in Sachen Atomstrom und geißelte Afghanistan als einen Versuch, «die Wehrpflicht durch militärische Präsenz abzuschaffen».

Orakel Paul genießt mehr Vertrauen als Schäuble

Das Drama bei der diesjährigen Loveparade zeigte laut Sigi Zimmerschied, dass uns die Tierwelt, in diesem Fall Mäuse und Ratten, an Intelligenz weit überlegen ist.  Weiteres Indiz: Orakel-Krake Paul, dem man mehr Vertrauen als dem deutschen Finanzminister entgegenbringen könne. 

Markus Maria Profitlich mimte den persönlichen Ein-Euro-Kfzler von Linken-Boss Klaus Ernst, der sich bei seinen Fehlern künftig nicht mehr erwischen lassen möchte. Als Konsequenz aus der Kritik an seinem Lebensstil hat Ernst seinen Porsche verkauft und fährt nun Rolls-Royce mit Karl Marx als Kühlerfigur.

Aktuelle Wochenthemen wie die geplante Koran-Verbrennung in den USA oder das EU-Urteil zum Glücksspielmonopol wurden ebenso aufgegriffen wie der Klimaanlagen-Gau in den ICEs oder die Rentenproblematik mit Frau von der Leyen.

Und endlich, kurz vor Toresschluss, erschien dann auch Thilo Sarrazin noch auf dem Bildschirm. Der nachgeahmte SPD-Politker griff Richling im Gespräch ob seiner französischen Großmutter an und nahm Pauschalverurteilungen von Muslimen vor. Eingebettet in die Kulisse der sarrazinschen Buchvorstellung eine insgesamt uninspirirte Inszenierung. Statt das eindimensionale Bild des Ausländer hassenden Sarrazin zu kultivieren, hätte man sich von Richling an dieser Stelle eine anspruchsvollere Auseinandersetzung mit der Gesamtdebatte gewünscht. Dass das Gespräch in die letzten drei Minuten gedrängt wurde, unterstrich den oberflächlichen Charakter zusätzlich.

Letztlich wurde hier das Dilemma des ersten Satire Gipfels nach dem Sommer ersichtlich. Löblich sicher der Ansatz, die Ereignisse der sendungsfreien Zeit in Gänze aufzuarbeiten. Doch insgesamt war es schlichtweg zu viel, was Richling und Kollegen in 45 Minuten Sendezeit abhandeln wollten. Die Sendung geriet nach gutem Einstieg allzu hektisch, ein Thema jagte das nächste und die Debatte um Thilo Sarrazin als alles bewegende Diskussion der letzten Tage ging ganz am Ende beinahe unter. Auch wenn der Anspruch auf Vollständigkeit aller Ehren wert sein mag, in manchen Fällen wäre weniger dann eben doch mehr.

Satire Gipfel, donnerstags, 22.45 Uhr, Das Erste.

car/reu/news.de
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URL : http://www.news.de/medien/855072723/und-taeglich-gruesst-der-sarrazin/1/
Schlagworte:
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Leserkommentare (8)
  • Kommentar: 8
  • 12.09.2010 09:22
von
Klaus Kischel

Wenn ich in die Türkei auswandere muss ich Geld vorweisen.Da gibt es kein Geld. Wieviel uns das kostet sagt kein Politiker. Sarrazin hat Recht

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  • Kommentar: 7
  • 11.09.2010 16:48
von
kampfmaus
Antwort auf Kommentar 4

Sie müssen es doch nicht ansehen?? Warum denn gleich so tun als wären alle Ihrer Meinung Heidi Walter, wo bleibt die Toleranz?

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  • Kommentar: 6
  • 10.09.2010 21:23
von
Tito

Sarazzin für Kanzelar!!

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  • Kommentar: 5
  • 10.09.2010 18:49
von
Peter Regnery
Antwort auf Kommentar 3

Da braucht es keine neue Partei, weil die schon lägst gegründet ist. Partei der Sozialen Mitte. Hier werden diese Thesen und mittelständische Problematiken schon seit Jahren thematisiert. Dr. Sarrazin wäre sicher ein brillianter und passender Frontmann, der gute Chancen hätte, ganz oben in der Politik mitzumischen. Nur mit einem gesunden Mittelstand kann die soziale Marktwirtschaft die "Krisen" bewältigen.

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  • Kommentar: 4
  • 10.09.2010 14:31
von
Heidi Walter

Richling ist mehr als ein normal intelligenter Mensch ertragen kann. Wahrscheinlich wäre er besser in den Blödel-Sendungen der Privaten aufgehoben.

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  • Kommentar: 3
  • 10.09.2010 14:22
von
tomahawk

DIE GUTE NACHRICHT. Die neue Sarrazinpartei ist da. Heute Abend oder Morgen, wird das Programm bekannt gegeben.

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  • Kommentar: 2
  • 10.09.2010 13:39
von
der Frosch

Also ich war enttäuscht. Die Sendung war zu hektisch inszeniert. Richling und Kollegen stottern und verhaspeln sich ständig und irgendwelche Privatfernsehclowns sind eben keine politischen Kabarettisten. Wie es schärfer und profesioneller geht muß ausgerechnet der "Rentnerkanal" ZDF mit Priols Anstalt vorführen. Einziger Lichtblick - Frank Lüdeke, der allerdings auch recht gequält wirkte, angesichts des Durcheinanders und des gelangweilt wirkenden Publikums. Ich wünsche mir den Scheibenwischer zurück! PS: den Muhe..äh Sarazin sollte man mittlerweile einfach totschweigen !

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  • Kommentar: 1
  • 10.09.2010 13:13
von
Hartmuth Möhse

.. eine geile Sendung!

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