So., 12.02.12

Studie Das Fernsehen ist (noch) nicht tot

Von Gerhard Kneier

Artikel vom 09.09.2010

Trotz Youtube und Mediatheken im Netz bleiben die Deutschen dem Fernsehen treu. Laut einer Studie über unser Freizeitverhalten von ARD und ZDF bleibt das TV das meistgenutzte Medium. Doch vor allem junge Leute gehen immer öfter online.

Radio und Fernsehen bleiben trotz ständig wachsender Nutzung des Internets die wichtigsten Medien der Bundesbürger. Dies belegt eine umfassende Studie über Massenkommunikation und Freizeitverhalten in Deutschland, die am Donnerstag in Frankfurt am Main vorgestellt wurde. Die Befragung von 4503 Personen ab 14 Jahren ergab eine durchschnittliche Nutzung des Fernsehens von fast vier Stunden, des Radios von gut drei sowie des Internets von knapp anderthalb Stunden täglich. Vor allem junge Leute gehen aber immer öfter online: Bei ihnen hat das Internet den Hörfunk bereits überholt.

Die Untersuchung im Auftrag der Medienkommission von ARD und ZDF findet schon seit 1964 alle fünf Jahre statt. Zum ersten Mal in diesen nunmehr 46 Jahren nahm die tägliche Nutzung der Medien jetzt nicht mehr zu, sondern ging im Vergleich zu 2005 sogar leicht von zehn Stunden auf jetzt neun Stunden und 43 Minuten zurück. Die Intendanten von ZDF und Hessischem Rundfunk, Markus Schächter und Helmut Reitze, sagten auf der Pressekonferenz, offenbar habe das Zeitbudget für die Mediennutzung inzwischen Grenzen erreicht.

Immer weniger lesen

Mit einem Schnitt von täglich 220 Minuten Einschaltdauer behauptete das Fernsehen einen stabilen ersten Platz vor dem Hörfunk, der bei leichten Einbußen auf 187 Minuten kam. Mit jetzt 83 Minuten bei allen Altersgruppen legte das Internet weiter deutlich zu. Printmedien wie Tageszeitungen mit jetzt noch 23 Minuten oder Zeitschriften mit nur noch sechs Minuten büßten dagegen weiter an Resonanz ein. Bücherlesen bleibt dagegen mit 22 Minuten am Tag praktisch unverändert.

Allerdings ging bei den 14- bis 29-jährigen Teilnehmern der Studie sowohl der Radio- als auch der TV-Konsum zurück. In dieser Gruppe liegt das Fernsehen mit 151 Minuten am Tag noch vorn, dicht gefolgt vom Internet mit 144 Minuten, während der Hörfunk mit jetzt 136 Minuten schon auf den dritten Rang verdrängt wurde. Überraschend ist bei den jungen Leuten aber das Bücherlesen mit durchschnittlich 30 Minuten noch etwas stärker gefragt als bei allen Altersgruppen insgesamt.

Schächter und Reitze zeigten sich vor allem über den nach wie vor großen TV-Konsum erfreut. «Fernsehen bleibt das Leitmedium und hat sicher noch eine lange Zukunft», sagte der ZDF-Intendant. Sein ARD-Kollege betonte aber auch, wie wichtig es für die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sei, auf allen auch multimedialen Plattformen vertreten zu sein. Schließlich seien Jugendliche immer mehr «All-in-one-Nutzer» und verwendeten ihren Laptop gleichzeitig zum Chatten, Telefonieren, Fernsehen und Musikhören.

Großer Bildschirm als Wunsch

Nach ihren Wünschen befragt, gab eine überwältigende Mehrheit von 95 Prozent an, sie legten auch in Zukunft Wert auf einen großen Bildschirm und gute TV-Qualität zu Hause. Reitze folgerte daraus, dass der Ausbau der HDHD steht für High Definition - also hochauflösende Videosignale. Mehr Bildzeilen (720 oder 1080) machen das Bild deutlich schärfer und detailreicher als beim normalen Fernsehen (576 Bildzeilen). -Programme fortgesetzt werden müsse. Aber auch Mediatheken und Angebote der Sender für mobile Nutzung seien von zunehmender Bedeutung. 28 Prozent der befragten Internetuser nutzen auch Massenmedien wie Tageszeitungen sowie Rundfunk und Fernsehen im Internet, bei den bis zu 29-Jährigen sind es sogar 57 Prozent. Im Vordergrund stehen aber mit 43 und 73 Prozent andere Nutzungen wie Chatten, E-Mails, Surfen, Spiele, Suchmaschinen und E-commerce.

Aufschluss gibt die Studie aber auch über die unterschiedliche Inanspruchnahme der verschiedenen Medienarten über den Tag verteilt. Steigt die Kurve beim Fernsehen in der Abendzeit zwischen 18 und 23 Uhr am höchsten, ist sie beim Hörfunk morgens deutlich höher als abends. Beim Internet gibt es dagegen keine größeren Schwankungen je nach Tageszeit. Schließlich sind ja viele Menschen auch bei der Arbeit online, so dass es insgesamt am Abend keinen größeren Zuwachs mehr gibt. Interessant sind auch die Motive, die für die Nutzung des jeweiligen Mediums genannt wurden: Liegt beim Fernsehen «sich Informieren» mit 84 Prozent weit vorn, nannten allein 94 Prozent der befragten junge Leute beim Internet «macht Spaß» an erster Stelle.[br]

car/news.de/dapd
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