John Grisham «Meine Frau ist meine sch√§rfste Kritikerin»

John Grisham ist erstmals f√ľr eine Lesereise nach Deutschland gekommen, im Gep√§ck sein neustes Werk Das Gesetz. Im Interview spricht der 55-j√§hrige US-Bestsellerautor √ľber seinen neuen Erz√§hlband, Hollywood und das Geheimnis seines Erfolges.

John Grisham besucht zum ersten Mal Deutschland und stellt sein neues Buch vor. Bild: dpa

Ihr j√ľngstes Buch Das Gesetz ist ein Novum: Statt eines Romans haben Sie erstmals einen Erz√§hlband mit sieben Kurzgeschichten ver√∂ffentlicht. Wie kam es dazu?

John Grisham: Alle sieben Geschichten sollten urspr√ľnglich Romane werden. Es sind auch keine Kurzgeschichten im strengen Sinn, daf√ľr sind sie zu lang. Sie alle haben einen Handlungsstrang mit Anfang, Mitte und Ende, weil das meine Art zu schreiben ist. Aber f√ľr einen Roman waren die einen nicht lang genug, andere zu kompliziert. In allen steckt viel mehr Humor, als in meinen fr√ľheren B√ľchern. Ich habe sehr lange an dem Buch gearbeitet. Die Ideen f√ľr die meisten Geschichten hatte ich schon vor 15, 20 Jahren.

Das Buch blickt in den Alltag typischer Bewohner von Ford County, einen fiktiven Landstrich im US-Bundesstaat Mississippi, in dem Sie selbst viele Jahre gelebt und als Anwalt gearbeitet haben. Wie persönlich sind die Geschichten?

Grisham: Ich kenne diese Menschen in Mississippi, das macht das Buch pers√∂nlich. Der Humor, der verschrobene Charakter der Kleinstadt-Bewohner, die frustrierten Anw√§lte, die von einem anderen Leben tr√§umen. Es ist alles Fiktion, aber es basiert auf meinen damaligen Erlebnissen. So beispielsweise die letze Geschichte («Ein Ort zum Sterben»), in der es um einen Aidskranken geht: Zwei Freunde von mir starben in den 1980er Jahren an Aids. Damals war die Krankheit noch neu und furchterregend und niemand hat sie verstanden. Die beiden hatten keinen Ort, wo sie hingehen konnten, um zu sterben.

Sie haben vor mehr als 20 Jahren als völliger Anfänger ihr erstes Buch Die Jury veröffentlicht. Sind Sie mit den Jahren ein besserer Schriftsteller geworden?

Grisham: Das ist eine gute Frage. Mir sagen viele Menschen, dass mein erstes Buch mein bestes war. Ich wei√ü nicht, was ich davon halten soll. Ich glaube, dass ich in vielem besser geworden bin, etwa, was den Aufbau der Geschichten und die Spannung betrifft. Aber an meinem ersten Roman habe ich auch drei Jahre gearbeitet. Ich h√§tte nie geahnt, dass einmal 20 Millionen Exemplare davon verkauft werden. Ich wusste ja nicht einmal, ob er √ľberhaupt ver√∂ffentlicht wird.

Sie geh√∂ren zu den erfolgreichsten Schriftstellern unserer Zeit, was ist das Geheimnis Ihres Erfolges und wer unterst√ľtzt Sie?

Grisham: Ich will, dass der Leser das Buch in die Hand nimmt und nicht mehr aufh√∂rt zu lesen. Er soll nicht mehr zur Arbeit gehen, nicht mehr schlafen, Seite um Seite umbl√§ttern. Das ist, was ich am Lesen liebe, und das ist das, was ich schreiben will. Meine Frau ist meine sch√§rfste Kritikerin. Sie liest die B√ľcher, w√§hrend ich sie schreibe. Zweimal in 20 Jahren hat sie gesagt: «Ich mag dieses Buch nicht, ich mag die Protagonisten nicht, ich mag die Geschichte nicht». Also hab' ich die Finger davon gelassen.

Haben Sie irgendwelche Rituale, wenn Sie arbeiten?

Grisham: Ich schreibe etwa vier bis f√ľnf Monate lang an einem Buch. Ich stehe um sechs Uhr morgens auf, gehe in mein B√ľro bei mir zu Hause. Ich liebe es im Winter, wenn es noch dunkel ist, dorthin zu gehen. Ich wickel mich in eine Decke ein, fange an zu arbeiten. Es ist immer derselbe Raum, derselbe Computer, dieselbe Kaffeetasse, derselbe Kaffee - ein sehr starker. Es gibt kein Telefon, kein Fax, kein Internet.

Ein Gro√üteil ihrer B√ľcher wurde in Hollywood verfilmt. Wie ist das f√ľr einen Autor, sein Werk in die H√§nde eines Regisseurs zu legen?

Grisham: Wenn Du mit Hollywood Gesch√§fte machen willst, musst Du davon ausgehen, dass die Geschichte leicht abgewandelt wird. Wenn Du das nicht willst, dann lass es, aber dann verpasst Du ein gutes Gesch√§ft. Als es um meine ersten Verfilmungen ging, sagte mein Freund Steven King zu mir:  «Get all your money out of it and kiss it good-bye!» (Hol so viel Geld wie m√∂glich heraus und verabschiede Dich davon). Das war ein sehr guter Ratschlag.

Gibt es denn eine Verfilmung, die sie gar nicht mögen?

Grisham: Ich habe wirklich Gl√ľck gehabt. Acht oder neun meiner B√ľcher wurden umgesetzt - und nur eine Produktion war schlecht: Die Kammer. Zwar haben Gene Hackman und Faye Dunaway mitgespielt, aber das Drehbuch war einfach mies. Niemand wollte den Film sehen, wor√ľber ich sehr erleichtert war.

John Grishams neues Buch Das Gesetz. Stories ist im Heyne Verlag zum Preis von 19,95 Euro erschienen.

car/reu/news.de/dpa

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