Body Talk Pt. 2 Kopflos verliebt

Robyn (Foto)
Body Talk Pt. 2 sollte nicht das stiefmütterlich behandelte mittlere Kind gelten. Bild: Guerilla Music

Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Robyn verdammt uns zum Tanzen. Auf Body Talk Pt. 2, dem Zweitling einer Trilogie, nimmt sie uns mit in ihre Clubs. Und dann müssen wir uns auch noch in sie verlieben, obwohl das gar keiner will.

Robyn ist vielbeschäftigt. Seit der Ankündigung einer Album-Trilogie allein in diesem Jahr ist die Schwedin eine beliebte Interviewpartnerin. Sogar die Zeit müsse sich mit der Zusage für einen Termin vor ihrem Auftritt beim Berlin Festival gedulden, heißt es von der Promotion-Firma. Antworten gibt sie jedoch auch ohne, dass andere Fragen stellen müssen. Stellte sie uns erst im Juni 2010 mit Body Talk Pt. 1 vor die äußerst schwere Entscheidung, ob es nun Tanzen oder Heulen sein soll, trifft die Schwedin diese nun selbst: Tanzen! Und zwar ohne Umschweife, ohne umständliche Starallüren geht sie den Weg zum Tanzboden. Gegensätzlichkeit war gestern, heute zählt Klarheit, keiner weiß, was morgen sein wird.

«Body Talk Pt. 2»
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Video: Soundcloud/Robyn

Der Opener des Albums In My Eyes soll ein Selbstgespräch sein, indem sie sich mit «Hey Little Star» anspricht. Da strahlt das Selbstbewusstsein zwar noch gedämpft aber immerhin. Eine klare Popmelodie, schnörkellos, zuweilen sogar langweilig.

Mit Include Me Out verrät sie uns ihr Song-Rezept: «Es ist wirklich sehr einfach, nur ein Takt im regelmäßigen Intervall» und dann beginnt, wie versprochen, ein vibrierender Beat, bedeckt mit einer weiteren gefälligen Popmelodie.

Das Beat-Rezept entfaltet erst bei den folgenden Songs seine gesamte Schönheit. Bei Hang With Me wird Robyn zum echten Star, einem zum Anfassen. Im Video sitzen wir mit ihr im Bandbus, sind auf Tour. Sie scheint die coolste aller Freundinnen zu sein, wenn sie uns auch noch warnt: «Du darfst dich nicht sorg- und kopflos in mich verlieben. Dann kannst du auch mit mir rumhängen.» Wenn wir das nicht schon längst getan hätten, könnten wir ehrlich sein und sagen: Klar, kein Problem! Leider müssen wir lügen, wenn wir diesen Satz äußern. Dieser ultimative Popsong ist die erste Singleauskopplung aus Body Talk Pt. 2. Der Versuch der Abwehr des emotionalen An-Sie-Kuschelns misslingt Robyn also gründlich.

Love Kills ist dann die technoide Begründung, warum Tanzen wirklich wichtiger als Liebe sein kann. Savage Skulls, ein schwedisches Tropical-House-Duo, das schon Regler um Songs von Moby oder Miike Snow verdreht hat, remixen hier nicht nur, sondern sind entscheidend für Untermalung von Robyns Stimme verantwortlich. Bodytalk Pt. 2 ist ein Clubalbum, für das sich die Sängerin im Vorfeld bei ihren extensiven Besuchen in Stockholmer Diskotheken inspirieren ließ.

We Dance To The Beat kommt dann eher aus dem Minimalclub, während Criminal Intent und die Snoop-Dogg-Kollaboration U Should Know Better sich gern auch im HipHop-Schuppen auf dem Plattenteller drehen darf. Den Abschluss bildet ein Song, der auf dieser Platte ein Fragezeichen wäre, wenn Robyn nicht auf Bodytalk Pt. 1 schon Hang With Me als Akustikversion veröffentlicht hätte. Eine Streicherwand macht noch lange kein prägnantes Lied, deshalb bleibt die Hoffnung auf die (wahrscheinliche) Technobeat-Version. Beim genaueren Hinhören lässt es sich also doch vortrefflich schluchzen. Vor Freude und Vorfreude auf Body Talk Pt. 3!

Robyn
Hang With Me

Robyn - Hang With Me official video from Robyn on Vimeo.

Video: Vimeo

Interpret: Robyn
Titel: Body Talk Pt. 2
Plattenfirma: Ministry Of Sound (Warner)
Erscheinungsdatum: 10. September 2010

ped/news.de

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