Dreiste Datensammelei bei Facebook
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Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Artikel vom 08.09.2010
«Deine Freunde haben ihre Freunde mit dem Facebook-Freundefinder gefunden.» Das klingt vertrauenswürdig, ist aber eine Falle. Das soziale Netzwerk Facebook ergaunert sich so den Zugang zu E-Mail-Adressen von Nicht-Mitgliedern. News.de zeigt, wo Sie aufpassen müssen.
Bei Facebook hat die Freundschaft immer Konjunktur: Das soziale Netzwerk verbindet Menschen. Möglichst viele Menschen, weltweit inzwischen 500 Millionen, in Deutschland fast zehn. Ein Grund für diesen Erfolg ist Facebooks aggressive Jagd auf neue Mitglieder. Neuerdings nutzt das kalifornische Unternehmen dafür das wichtigste Band zwischen seinen vielstrickig befreundeten Mitgliedern aus: Vertrauen.
Schon seit fast zwei Jahren legt Facebook vor allem Neu-Mitgliedern einen umstrittenen Dienst ans Herz: «Das Durchsuchen deines E-Mail-Kontos ist der schnellste Weg, um deine Freunde auf Facebook zu finden», schreibt das Netzwerk und versucht so, den sogenannten Freundefinder an den Mann zu bringen. Bei diesem Dienst muss der Nutzer seine E-Mail-Adresse samt Passwort eingeben. Facebook durchsucht dann das private Adressbuch nach Kontakten, die bereits angemeldet sind.
Das soziale Netzwerk versichert zwar, dass das E-Mail-Passwort nicht gespeichert wird. Aber das ist für den Datenschutzbeauftragten des Landes Hamburg, Johannes Caspar, auch nicht das Problem: Facebook speichert die so erlangten E-Mail-Adressen von Nicht-Mitgliedern, stellt Verbindungen her zwischen bereits angemeldeten Nutzern und verschickt Einladungsmails. Im Juli hat Caspar wegen der ungefragten Datenspeicherung Dritter ein Bußgeldverfahren gegen Facebook eingeleitet.
Freundefinder-Werbung mit zweifelhaften Mitteln
Wie viele Menschen ihr Adressbuch schon bei Facebook hochgeladen haben, weiß nur das Netzwerk selbst und schweigt dazu. In Deutschland wird der Freundefinder aktuell auch bei älteren Mitgliedern intensiv beworben. «Max und Sabine haben ihre Freunde mit dem Facebook-Freundefinder gefunden. Probiere es aus!» fordert das Netzwerk und zeigt Fotos von Max und Sabine, die mit dem Nutzer befreundet sind. Das Problem: Max und Sabine haben gar nicht unbedingt den Freundefinder benutzt. Auch Nutzer, die noch nie E-Mail-Adressen zu Facebook hochgeladen haben, werden in der Werbung angezeigt. Facebook gaukelt seinen Mitgliedern also eine Beliebtheit des umstrittenen Dienstes vor, die es gar nicht gibt.
Die Taktik dahinter ist klar: Dem Nutzer soll der Freundefinder von vertrauenswürdigen Personen schmackhaft gemacht werden. Wenn die eigenen Freunde den Dienst empfehlen, muss er schließlich einwandfrei und nützlich sein.
Facebook bestreitet, dass in der Freundefinder-Werbung auch Mitglieder angezeigt werden, die den Dienst noch nie benutzt haben. Ein Sprecher erklärt das Phänomen auf news.de-Anfrage so: «Es werden auch Mitglieder angezeigt, die nicht ihr gesamtes Adressbuch zu Facebook hochgeladen haben, sondern zum Beispiel nach nur einer einzigen E-Mail-Adresse eines Freundes gesucht haben. Alle Suchfunktionen auf der Seite sind unter dem Begriff Freundefinder zusammengefasst.» Eine perfide Ausrede: Wer auf die Werbung für den Freundefinder klickt, gelangt freilich nicht zu einer beliebigen Suchfunktion, sondern zu dem Dienst, mit der er per E-Mail-Adresse und Passwort sein Adressbuch hochlädt.
Facebook will Freundefinder ändern
Im Internet ist der Freundefinder umstritten. Einige halten die Möglichkeit für nützlich, da sie so auf bereits angemeldete Freunde aufmerksam gemacht werden und ihr Netzwerk vergrößern können. So argumentiert auch Facebook. «Menschen nutzen Facebook, um sich zu vernetzen. Freunde zu finden, die bereits auf Facebook sind und andere einzuladen, die vielleicht noch nicht dabei sind, ist Teil des Facebook-Erlebnisses», heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens.
Doch es gibt unter den Nutzern auch Widerstand gegen den Freundefinder und seine massive Bewerbung. 17 verschiedene Facebook-Gruppen kritisieren den Dienst. Die größte Gruppe «NEIN Facebook!! Ich will den Freundefinder nicht ausprobieren!!» hat allerdings zur Stunde gerade mal 344 Unterstützer. Die Inaktivität in Sachen Datenschutz ist bei Facebook typisch: Das Netzwerk macht von Zeit zu Zeit auf Umstellungen der Privatsphäre aufmerksam und empfiehlt seinen Nutzern, ihre Einstellungen zu überprüfen. Laut dem Blog Techcrunch reagieren 80 Prozent aller Nutzer nicht auf diesen Hinweis.
Datenschützer Johannes Caspar hat Ende August mit Facebook über das Bußgeldverfahren wegen des Freundefinders gesprochen. Wie Zeit Online berichtet, scheint eine Einigung in Sicht. So wolle Facebook seine Werbemethode ändern. Künftig könnte derjenige, aus dessen Adressbuch eine E-Mail-Adresse stammt, gefragt werden, ob das Unternehmen die Werbung in seinem Namen verschicken darf.
Facebook löscht Daten auf Anfrage - wirklich?
Das Grundproblem aber bleibt: Arglose Nutzer laden per Freundefinder die Kontaktdaten ahnungsloser Bekannter hoch. So kommt Facebook an das in den Einladungsmails beunruhigende Wissen über Nicht-Mitglieder. Unter der Überschrift «Weitere Personen auf Facebook, die du vielleicht kennst» werden den potentiellen Neukunden häufig tatsächliche Bekannte vorgeschlagen – ohne, dass der Adressat jemals etwas mit Facebook zu tun hatte. Facebook generiert sein Wissen aus dem Beziehungsgeflecht seiner 500 Millionen Nutzer und den freimütig hergegebenen Adressen Fremder.
Die Kalifornier selbst weisen darauf hin, dass es Funktionen wie den Freundefinder auch bei anderen Netzwerken gibt. Das weiß auch Datenschützer Johannes Capsar. Jedoch führten diese nicht dazu, dass die Daten von Nichtnutzern dauerhaft gespeichert würden. Facebook betont, dass jeder Nutzer das auch im Nachhinein vehindern könne. Unter diesem auf Facebook gut versteckten Link können alle per Freundefinder hochgeladenen Daten wieder gelöscht werden.
Und auch Nicht-Nutzer sind nicht machtlos: Sie können Facebook unter dieser Adresse auffordern, ihre E-Mail-Adresse aus der Datenbank zu löschen. Wie zuverlässig die von Facebook selbst bereitgestellte Methode ist, ist allerdings fraglich. Ein Sprecher des Unternehmens versichert auf news.de-Anfrage zwar, dass Löschen stets rückstandsloses Löschen bedeutet.
Aber ein Test lässt daran zumindest zweifeln: Wir haben in einem Probeprofil per Freundefinder eine E-Mail-Adresse zu Facebook hochgeladen und sie wieder löschen lassen. Doch auch 24 Stunden danach bietet das Netzwerk unserem Testnutzer noch potentielle Freunde an, zu denen es die Verbindung nur über die eigentlich gelöschte E-Mail-Adresse hat herstellen können.
hav/ivb/news.de/ap
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Zitat: "Facebook bestreitet, dass in der Freundefinder-Werbung auch Mitglieder angezeigt werden, die den Dienst noch nie benutzt haben." Das ist glatt gelogen. Der "Freundefinder" wird bei jeder Neuanmeldung als erstes angezeigt. Hab das erst letztes Wochenende wieder erlebt.
jetzt antwortenKommentar meldenIch werde angeschrieben ,warum ich nicht rein schaue . Geht keinem was an ,ob ich es mache .Dies ist nicht gutn, ich mache dies was ich will . Bin lieber bei Skype .
jetzt antwortenKommentar meldenDanke St3fan für den Hinweis. Der Link wurde offenbar geändert, ich habe den neuen, richtigen nun eingefügt. Es ist nötig, bei Facebook eingeloggt zu sein, wenn Sie als Nutzer die Daten löschen wollen.
jetzt antwortenKommentar meldenDer Link "diesem auf Facebook gut verstecktem Link" führt auch bei Ihnen zu einer Seite mit folgendem Inhalt: "Die von dir angeforderte Seite konnte nicht gefunden werden."! Aus diesem Grund ist er natürlich nicht besonders hilfreich...
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