Finger weg vom «Beer Pong»
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Von news.de-Redakteur Oliver Roscher
Artikel vom 03.09.2010
Margot Käßmann hat einen neuen Job: In den USA doziert sie nun als Gastprofessorin. Ihr Blog berichtet vom Campus-Leben. Die Theologin inmitten von leicht bekleideten Studentinnen, kruden Fernsehpredigten und üblen Saufspielen - news.de checkt den Semesterstart der 52-Jährigen.
Margot Käßmann ist eine gefragte Frau. Ihre Fahrt unter Alkoholeinfluss inklusive Rücktritt als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland hat ihrem Ansehen offensichtlich nicht geschadet. In dieser Woche hat die 52-Jährige eine Gastprofessur an der Emory-Universität in Atlanta angetreten.
Perspektive eines Erstsemesters
Von ihren Erfahrungen am US-Campus berichtet Margot Käßmann nun regelmäßig in ihrem Blog auf evangelisch.de. Ausführlich berichtet sie von der schwierigen Anreise, die wegen Unwetters über München und Charlotte führte. Kaum im Studentenwohnheim angekommen, steht sie vor einem allgemein bekannten Problem unter Studenten: Nix zu futtern, der Kühlschrank ist leer. Ihr erster Weg führt sie also in einen Supermarkt, um die Küche mit allem aufzufüllen, «was der Mensch so braucht». Es menschelt im Blog und tatsächlich schildert Margot Käßmann ihre Eindrücke mit der Mischung aus Neugier und Freude, wie es nur Erstsemester können. «Im Studentenwohnheim bin ich die ältere Dame, interessantes Gefühl» schildert sie angesichts der Jugend rund um sie herum.
Ein wenig überrascht ist sie vom lässigen Dresscode der Studentinnen: «Die Mädchen gehen zum Teil extrem leicht bekleidet, Shorts und Top, das würde bei uns an der Uni wohl kaum jemand tun.» Entschuldigung, Frau Käßmann, aber da ist der Zeitgeist wohl in Höchstgeschwindigkeit an ihnen vorbeigezogen. US-Studentinnen haben nicht das Monopol auf Shorts und Tops. Trotzdem Danke für diese Beschreibung, bei geschlossenen Augen darf sich der Leser für einen kurzen Moment in einem amerikanischen High-School-Film wähnen.
Dass sie europäischer Herkunft ist, beweist ihre naive, gutmenschliche Äußerung über die verschiedenen Kulturen, die sich dort unter einem Dach tummeln. «Jedes Gesicht zeigt andere Züge, aus Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika.», äußert sie verwundert. Auch das, liebe Frau Käßmann, ist in europäischen Studentenwohnheimen nicht anders.
Vorsicht vor den Ritualen
Gänzlich anders als in Europa wird der Glaube in den Staaten gelebt. Über den Inhalt einer Fernsehpredigt sagt sie: «Das ist eine Theologie, die ich überhaupt nicht nachvollziehen kann!» Man stelle sich Bob Dylan bei einem Pur-Konzert vor, so ähnlich kann man sich das Szenario wohl vorstellen.
Der Blog ist eigentlich ganz amüsant zu lesen und regt zum Schmunzeln an. Eine 52-jährige Theologin mitten in der Höhle des Löwen, umgeben von amerikanischen Studenten, die für ihre Feierwut bekannt sind. Da wird die leichte Bekleidung der Studentinnen nicht der einzige Aha-Effekt bleiben. Einen Hinweis sollte Margot Käßmann in jedem Fall befolgen: Nach Einweisung in landesübliche Rituale wie «Beer Pong», ein in den USA weit verbreitetes Trinkspiel unter Studenten, ist Autofahren keine gute Idee. Also Schlüssel liegen lassen, Frau Käßmann.
juz/reu/news.de
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