Kein Platz für Integrationsdebatten
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Von news.de-Redakteur Christoph Heinlein
Artikel vom 06.09.2010
Ist es richtig, Thilo Sarrazin aus SPD und Bundesbank hinauszuwerfen? Und bringt das was für die Integration? Anstatt die Debatte endlich zu beginnen, gab es bei Anne Will alte Fragen. Und Gäste, die sich nicht aus der Deckung trauten.
Zugegeben, es ist wohl das Thema der Woche. Und so machte sich denn, nach Frank Plasberg und Sandra Maischberger, zum guten Schluss auch noch Anne Will daran, den Streit um Integrationspolterer Thilo Sarrazin und seine Thesen aufzuarbeiten. Jenen Sarrazin, über dessen Parteiausschluss heute der SPD-Vorstand und über dessen Bundesbank-Rausschmiss demnächst der Bundespräsident zu befinden hat.
Und dann? Wie geht’s dann weiter mit der Debatte? Sarrazin weg – Integrationsproblem gelöst?, so lautete das etwas plakative Thema der Sendung. Er machte von vornherein deutlich, dass auch hier vor allem über Sarrazin gestritten werden sollte. Die lange überfällige Integrationsdebatte, die er mit seinen Thesen angeblich nun endlich ausgelöst hat – für sie war auch hier kein Raum vorgesehen.
Voraussetzung dafür wäre es gewesen, auch einen Migranten mitdiskutieren zu lassen, ihm die Gelegenheit zu geben, das Gespräch aus Zuwanderersicht mitzugestalten. Die einzige Migrantin in der Runde aber war Islam-ist-böse-Kronzeugin Necla Kelek. Sie hat das Buch des Noch-Bundesbankers mit vorgestellt und ist einer differenzierten Grundhaltung seit geraumer Zeit unverdächtig.
Kann man von einigen Hundert auf Millionen schließen?
Kelek versuchte denn auch, weitgehend unabhängig von den an sie gestellten Fragen, so oft wie möglich das Gespräch auf ihr Leib- und Magenthema zu bringen: Zwangsheiraten, unterdrückte Frauen, die ganzen Auswüchse patriarchalischer Traditionen, wie sie besonders in türkischen und arabischen Familien zu oft vorkommen. Natürlich sind das Themen, die besprochen werden müssen, wenn Integration debattiert werden soll. Nur: Dafür fehlte dann eben der kompetente Gesprächspartner, der auf Keleks allzu pauschale Formeln hätte antworten können.
Das aber war auch nicht Ziel der Sendung. Stattdessen gab es Einspieler mit Zitaten aus dem Buch der vor kurzem gestorbenen Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig. Damit rückte Will den – unmittelbar nach dem al-Qaida-Terroristen – zweit-furchterregendsten Typus des Muslims ins Blickfeld: die kriminelle arabische Großfamilie und ihren intensivkriminellen Nachwuchs. Die unwiderlegbarste Bestätigung also für Sarrazins These, dass einiges schief läuft in der Integration. Dumm nur, dass sich da eigentlich längst alle einig waren. Die Frage ist eben nur: Kann man von einigen hundert Extremfällen auf Millionen Migranten schließen?
Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt von den Grünen wies am deutlichsten darauf hin, dass den Verbrecherclans viele Familien gegenüberstehen, die sich vorbildlich integrieren. Da mochte allerdings auch Wolfgang Bosbach (CDU), der Vorsitzende des Innenausschusses, nicht widersprechen. Wie überhaupt die ganze Debatte ausgesprochen zahm blieb. Kein gegenseitiges ins-Wort-Fallen, kaum Angriffe auf den politischen Gegner, viel Konsens in zentralen Fragen.
Und auch Klaus Wowereit plauderte lieber über einen Kiezspaziergang und die dabei gewonnenen positiven Eindrücke vom Zusammenleben, als klar Position zu beziehen zu der Frage, warum so viele Menschen in Deutschland und auch in der SPD Sarrazins Ausfällen applaudieren – und darauf eine passende Antwort zu geben. Wohlgemerkt, als Regierender Bürgermeister des Integrations-Hotspots Berlin ist Wowereit so etwas wie das Aushängeschild der SPD in Zuwanderungsfragen und Talkshow-Dauergast. Zumal prominente Sozialdemokraten das Thema Integrationsprobleme seit geraumer Zeit sonst eher meiden – mit Ausnahme eben von Thilo Sarrazin.
Selbst als über Richtig und Falsch von dessen potenziellen Parteiausschluss gesprochen wurde, sekundierten sich die Politiker über die Parteigrenzen hinweg. Auch Bosbach, der bei jeder Gelegenheit darauf hinweist, man müsse die Sorgen der Menschen ernst nehmen, ließ sich gerade einmal die sachte Kritik entlocken, eine Volkspartei müsse seiner Meinung nach auch eine umstrittene Figur wie Sarrazin aushalten.
Am Ende wird die Verschwörungstheorie aufgewärmt
So angenehm soviel Gesprächskultur auch ist im Vergleich zum sonst oft hysterischen Talkshow-Gezanke: Bei Anne Will wurde einmal mehr deutlich, wie schwer sich die Politiker in Deutschland tun mit der Integrationsdebatte. Wie sehr sie sich fürchten vor den Fallstricken zwischen multikultureller Problemverharmlosung und Rassismusverdacht. Wie ungeeignet, vielleicht auch das, eine Fernsehrunde ist, um schwierige Themen wie dieses voranzubringen.
Gut also, dass auch die für einen Kurzauftritt hinzugeladene Abturientin und Buchautorin Melda Akbas sich geradezu als Traummigrantin präsentierte: hübsch, sympathisch, intelligent, völlig akzentfrei deutsch sprechend und in keiner Weise aggressiv.
Da fiel dem zuvor recht stillen Medienwissenschaftler Norbert Bolz dann plötzlich auf, dass ein Einzelfall ja nicht für alle stehen könne, dass Pauschalisierung also nicht zweckdienlich sei. Als es um arabische Verbrecherclans ging, hatte ihn das nicht gestört.
Bolz blieb es dann auch vorbehalten, die oft gehörte Verschwörungstheorie einmal mehr aufs Tableau zu bringen: Dass ein Ring multikultureller Gutmenschen in der Politik und «neuer Jakobiner» in den Feuilletons der leidend-schweigenden Mehrheit den Mund verbiete. Dass diese Mehrheit deswegen dankbar sei, wenn ein Krawallmacher wie Sarrazin nun endlich mal die Tabus breche. Sarrazins Buch sei ein Geschichtszeichen. «Ob es rassistisch ist, spielt gar keine Rolle», meinte Bolz – der Zweck heiligt die Mittel, sozusagen. Und damit war die Debatte wieder an ihrem Ausgangspunkt angekommen.
cvd/ivb/news.de
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Mag sein das Hr. Dr. Sarrazin provoziert, das er sich vielleicht mit mancher Äußerung vergriffen hat, aber der Grundtenor seiner Aussagen trifft auf eine breite Zustimmung, warum? Weil sich alle irren die seiner Meinung sind?? Vielleicht haben die Menschen einfach die Schnauze voll von: "Das kann man so nicht sagen" und " Das darfst du nicht sagen". Herr Sarrazin läßt sich nicht den Mund verbieten und dafür wird er gefeiert! Wir haben mehr als genug Schönredner, Profillose Politiker und Fähnchen im Wind!
jetzt antwortenKommentar meldenDer Karriere-Kick ist wichtiger, als die konsequente Wahrnehmung der Amtspflichten von Politikern,Richter, Staatsanwälte und Meinungsmachern. Wenn aber Deutschland 60 Jahre nach dem elenden 2. Weltkrieg nicht das Recht hat, Unrecht von Recht zu unterscheiden, und darüber auch im öffentl. Raum nicht sprechen darf ohne Vorsager, dann soll die pol. Elite das der dt. Gesellschaft auch sagen. Fr. Heisig, Hr Sarrazin, Fr. Kelek uva. benötigen keinen Vorsager und wurden u. werden dafür bestraft wie in der SED-Diktatur. Die Meinungsfreiheit ist wohl nur noch das Recht der Vorsager u. Strippenzieher?
jetzt antwortenKommentar meldenDie Berichte die Fr. Will über die Jugendrichterin Fr. Heisig zeigte, über den kriminelle Familienclans in Berlin ist doch den Verantwortlichen in Berlin bekannt gewesen. Durch das politischen Tabu Thema Öffentlich über solchen Tat-Bestände als Amtsperson zu sprechen, hat Fr. Heisig leider das Leben gekostet. Wenn die Verantwortlichen kein Mut habe bei Tabu Problemen wegschauen und nichts unternehmen, dann gehören sie abgewählt Das Volk ist begierig nach Klartext ohne Tabus. Pech für die Kanzlerin und den SPD-Chef Sigmar Gabriel, daß sich das Thema nicht mit der Entlassung Sarrazins erledigt.
jetzt antwortenKommentar meldenWas ich in der Integrationsdebatte vermisse ist eine Debatte darüber, was die Masseneinwanderung von Moslems für Dtl. langfristig bedeutet, zumal die reale Möglichkeit besteht, daß wir in einigen Jahrzehnten zur Minderheit im eigenen Land werden könnten. Dieses Thema wird weder angesprochen noch erwähnt. Auch vermisse ich eine Auseinandersetzung darüber, daß auch in unseren Nachbarländern die Integration von Moslems im Wesentlichen gescheitert ist. Das kann ja wohl nun nicht andauernd an den Einheimischen liegen.
jetzt antwortenKommentar meldenWenn Politik und Medien die Fähigkeit verlieren, die Menschen mitnehmen zu können, dann stehen wir nahe am Abgrund. Was Europa braucht, sind Politiker, die sich trauen, die Dinge beim Namen zu nennen - auch wenn sie nicht schön sind. Allein das würde das Vertrauen der Menschen wieder stärken. Sarrazin-Bashing und ein kollektiver Aufschrei von allen, die glauben, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben, verstärken die Wut jener, die täglich mit Integrationsunwilligen zu tun haben und nicht nur nach einem Spaziergang über den Kiez das funktionierende Zusammenleben loben.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Berichte die Fr. Will über die Jugendrichterin Fr. Heisig zeigte, über den kriminelle Familienclans in Berlin ist doch den Verantwortlichen in Berlin bekannt gewesen. Durch das politischen Tabu Thema Öffentlich über solchen Tat-Bestände als Amtsperson zu sprechen, hat Fr. Heisig leider das Leben gekostet. Wenn die Verantwortlichen kein Mut habe bei Tabu Problemen wegschauen und nichts unternehmen, dann gehören sie abgewählt Das Volk ist begierig nach Klartext ohne Tabus. Pech für die Kanzlerin und den SPD-Chef Sigmar Gabriel, daß sich das Thema nicht mit der Entlassung Sarrazins erledigt
jetzt antwortenKommentar meldenich verstehe sowieso nicht wieso so viele NICHT politisch verfolgte türken u. moslime anderer länder einfach so in deutschland leben dürfen u. sich in das soziale netz fallen lassen. die meisten auf lebenszeit. sie sind ja noch nicht einmal EU-bürger. wenn ich die 3 politiker u. moslem-umarmer bei anne will blauäugig-naiv daherreden höre, weiss ich das die garnicht mit dem wirklichen leben in kontakt kommen. die 3 sollten mal mit mir für 3 monate die wohnung tauschen. dann würden sie anders reden...sofern sie einen arsch in der hose haben wie sarazin.
jetzt antwortenKommentar meldenEine objektive Berichterstattung kann nur stattfinden, wenn das Thema nicht einseitig beleuchtet wird ! In den ganzen Debatten hat man immer nur Vorzeige-Moslems gesehen. In meinen Augen kann in einer Demokratie sowas nisht sein. Das ist Verarsche - zumal es genau um diese Gruppe geht, denn die Vorzeige-Moslems sind ja integriert, sprechen deutsch und gehen einer geregelten Arbeit nach.
jetzt antwortenKommentar meldenEndlich mal einer der das ausspricht was 95% der deutschen denken aber sich nicht trauen zu sagen. Thilo Sarrazin
jetzt antwortenKommentar meldenalle schwafeln von multi-kulti,ich seh aber nur kopftücher´l und pluderhosen,nun habt euch alle lieb und lernt vorsichthalber türkisch,eure rotgrüne gutmenschen
jetzt antwortenKommentar meldenHerr Bolz hat aber auch von einer Parallelwelt Politik gesprochen, Herr Heinlein, und damit hat er Recht. Wenn ich Ihren Artikel mir so durchlese, glaube ich Sie sollten in die Politik wechseln. Es ist kein Deutsches Problem, es ist ein Europäisches, und wenn Sie von ein paar hundert reden, hat lt. Frau Heisig schon ein Familienclan in Berlin mehr Mitglieder, der eine macht Verschwörungstheorien, der andere Verneblungstaktiken, und täglich grüßt das Murmeltier..
jetzt antwortenKommentar meldenWarum kein Migrant mit dem von dir gefordertem Profil da eingeladen wird?!...Hat man das bisher nicht zu oft in irgendwelchen Talkshows gesehen?.Siehst du solche Personen nicht oft genug auf den Straßen ?.Ist es jetzt verwerflich,dass sich Migranten anpassen,sich bilden und in die Gesellschaft intigriert sind?.Könnten solche Personen nicht als Vorbilder dienen?. Also warum noch auf die Personen zeigen,die negativ auffallen?!.
jetzt antwortenKommentar meldenTolle Kommentierung! Warum hocken denn da überhaupt noch Inländer herum. Allein schon diese Grüne hatte doch den Status einer Parallelwelt. Wenn der alte Hohnecker das wüsste! Der hätte seinen Scheißladen nie geschlossen. Deutschsein ist seit Sarazzin ein Selbstmordprogramm. Da hat dieser Mensch was offen gelegt. Und die Presse von Deutschland taugt auch nichts. Auch hier hat Sarazzin Schuld auf sich geladen. Es bleibt zu hoffen, dass die Zuwanderer Mitleid haben. Die Deutschen sollten ihnen für das Überlebenstraining dankbar sein. Für Ausländer nennt man das dann den geldwerten Vorteil.
jetzt antwortenKommentar meldenIch meinte Melda Akbas - nicht Necla Kelek.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Necla Kelek war doch jetzt mit ihrem Buch auch in fast allen Shows. Toll, dass die Verantwortlichen beim Fernsehn immer die gleichen Leute einladen. Warum haben sie nicht mal einen "Ey Alder - was willscht du?" eingeladen ?
jetzt antwortenKommentar meldenDiese Logik ist überhaupt nicht nachvollziehbar: eine konstruktive Diskussion wäre nur mit einem Migranten möglich... Ist doch Quatsch. Über Schüler diskutieren Lehrer auch sehr kompetent ohne anwesende Schüler. Meist sind es ja dann Alibi-Ausländer (Warum muss ich eigentlich das Wort "Migrant" benutzen, wenn ich Deutscher bin? Migrant ist kein deutscher Begriff. Es ist auch eine politisch korrekte Entartung unserer Muttersprache, nicht mehr mit deren Wortschatz zu agieren...)
jetzt antwortenKommentar meldenDass ein Kommentator einen seriösen Gesellschaftskritiker als "Krawallmacher" bezeichnet und seine Impulse als "Ausfälle", ist unseriöse Polemik und fehl am Platze.
jetzt antwortenKommentar meldenGenau so ist es.Mag sein dass Herr Sarrazin nicht bei allem recht hat,aber das meiste davon stimmt.Und so beweisen Merkel und co mal wieder was einem blüht wenn man die Wahrheit laut herausruft.Mich widert nur an dass viele Politiker Herr Sarrazin recht geben aber keiner den Mut hat es auch zu sagen.Was jetzt abläuft ist eine weitere Schweinerei der Politiker.Wie im Mittelalter.Man darf die Wahrheit nur leise sagen sonst drohen Kerker und Folterbank.
jetzt antwortenKommentar meldenMan merkt doch recht deutlich, welche Schwachmaaten wir in die Regierungsverantwortung gewählt haben. Sarrazin hat Recht, auch wenn es die Eigensüchtigen Politiker in Berlin nicht kapieren. Die Volksmeinung ist doch nicht nur Ausdruck von Dummheit? Oder? Herrn Sarrazin aus seinen Ämtern zu entfernen zeigt uns doch, wie weit wir von einer Demokratie entfernt sind. Die sich nicht integrieren lassen, sollte man wieder Richtung Heimat schicken. Nicht zu vergessen sind diejenigen, die sich voll integriert haben und auch beruflich sehr erfolgreich sind. Leider die Minderheit.
jetzt antwortenKommentar meldenImmerhin die beste Talk - Runde zu diesem Thema. Erschreckend weichgespült OB Wowereit. Katrin Göring-Eckardt nur blah, blah, blah wie gewohnt. Die deutlichsten Worte fand Herr Bolz und Frau Kelek. In sechs Monaten wolle man erneut diskutieren. Gespannt sein braucht man darauf nicht. Es wird so bleiben wie es ist. Wir sind ja schließlich Deutschland.
jetzt antwortenKommentar meldenEs ist schon recht erstaunlich, mit was für unsachgemäßen Kommentaren man hier versucht, die Spuren einer untauglichen Politik zu verwischen. Jetzt ist auf einmal die Rede von "nur einigen hundert Extremfällen". Seit wann ist denn allein Berlin-Kreuzberg so klein - ohne die übrigen deutschen Großstädte mit genau dem gleichen Syndrom??? Diese Regierung braucht ordentlich Zunder unterm Arsch, um nicht allein bei der Bewegung des Einsackens in die eigenen Taschen zu stagnieren. Der Artikel ist der erbärmliche Versuch, Wahrheiten in der Funktion eines billigen Mietmauls zu vertuschen. Pfui Teufel!
jetzt antwortenKommentar meldenKlar, es ist schon ein alter Zopf, dass sich alle bedeckt halten, wenn es um Herrn Sarrazin geht. Ich finde jedenfalls, dass es nichts bringt, Herrn Sarrazin aus allen Ämtern zu entlassen. Und zur Integration zählen immer 2: Die, die integrieren wollen und die sich integrieren lassen. Nur so funktioniert das nebeneinander zwischen verschiedenen Kulturen.
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