Flowers, das feige Mauerblümchen
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Von news.de-Mitarbeiter Ronny Janke
Artikel vom 02.09.2010
Vorbilder hat Brandon Flowers viele: The Smiths, U2, New Order und Oasis. Doch gerade weil er denen in seiner Band The Killers nicht nacheifern kann, hätte man sich genau das von Flowers' erstem Soloalbum erhofft.
Auf dem Cover seines ersten Solo-Albums Flamingo sitzt The-Killers-Frontmann Brandon Flowers allein in einem Hotelzimmer. Auch ein Fenster ist darauf zu sehen und der Blick nach draußen lässt erahnen, dass es ihn in seine Heimatstadt Las Vegas verschlagen hat. Schon so mancher hat sich in Las Vegas verzockt und auch wenn Flowers kein Geld verlieren wird: seine Kreativität hat er offenbar in der Spielerstadt verloren.
Dass er tatsächlich in Las Vegas gelandet ist, verrät dann schnell der erste Song des Albums (Welcome To Fabulous Las Vegas). Doch viel wichtiger, weil auffälliger, als die Frage wo er sich dort genau aufhält, ist die Tatsache, dass er allein im Hotelzimmer ist. Er gibt den Nachdenklichen, blickt verschüchtert zu Boden und erweckt den Eindruck, als würde er gar nicht viel erwarten, von dem, womit er die Musikwelt jetzt überraschen will. Und da zeigt er doch wieder, dass er ein Spieler ist: einer, der niedrig stapeln kann.
Nach der Überband, zu der sich The Killers in den letzten Jahren entwickelt haben, der man sogar verzeiht, wenn sie mit Stil-gebenden Musikelementen der 1980er Jahre spielt und - zumindest wenn es nach der Meinung ihrer Kritiker geht - damit kläglich gescheitert ist, versucht der Sänger der Band, Brandon Flowers, es jetzt allein. Die Band pausiert aber nur, denn schließlich wirft man nicht einfach weg, was man über Jahre hinweg so zielstrebig aufgebaut hat.
Schon beim ersten Hördurchlauf wird klar, dass Flowers den größten Fehler überhaupt macht: Die Chance, als Solokünstler seinen eigenen Stil zu prägen, lässt er ungenutzt. Mit seiner Band The Killers hat er die Independent-Gefilde schon längst verlassen und ist im Mainstream-Pop-Rock angekommen. Das ist nicht schlimm, weil er dort immer wieder Ohrwürmer in überdurchschnittlicher Qualität abliefert und das Kreativitätsrad ein Stück weiter dreht. Doch je öfter man das erste Solowerk von Flowers hört, umso mehr verstärkt sich der Eindruck, dass er darauf nur Material veröffentlicht, dass es auf keines der bisherigen Killers-Alben geschafft hat.
Das Stück Jilted Lovers & Broken Hearts hätte nur zu gut von einem Killers-Album stammen können und zählt mit Magdalena und Only The Young noch zu dem besseren Songmaterial. Da fragt man sich schon, warum Brandon Flowers ein Solo-Album aufnimmt, das am Ende dann doch klingt, als hätte seine Band am Entstehungsprozess entscheidenden Einfluss gehabt. Aber ganz so stimmt das nicht, denn ohne deren Mitglieder kommt Flowers sogar noch poppiger daher, als man es vom letzten gemeinsamen Album (Day & Age) kennt. Damit offenbart er sich als feiges Mauerblümchen, das nicht mehr will, als präsent zu bleiben.
Unterm Strich bleibt fast nichts, das Bestand hat. Flowers leistet sich textlich keine Spielereien und musikalisch noch viel weniger. Als zu unkreativ und von einer müden Souveränität stellt sich Flamingo heraus und wird am Ende wohl nur denen nützen, die die Wartezeit auf das nächste Killers-Album überbrücken wollen. Trotzdem wird sich das Album einen der vorderen Plätze in den Charts erkämpfen - der pinke Vogel steht schließlich auch umfallsicher auf nur einem Bein.
Interpret: Brandon Flowers
Album: Flamingo
Plattenfirma: Island / Universal Music
Erscheinungsdatum: 3. September 2010
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