Króls starker Abgang
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Von news.de-Redakteur Ullrich Kroemer
Artikel vom 01.09.2010
Tschö Lutter: Weil Joachim Król alias Lutter zum Tatort-Ermittler befördert wurde, ist der schrullig-sensible Kommissar aus Essen das letzte Mal zu sehen. In Rote Erde geht es um einen Mord im Fußballmilieu, Wettbetrug - und Lutters Einsamkeit.
Fußball, Ruhrpott - und ein Mord. Und Joachim Król steckt als Lutter mittendrin. Denn das Opfer, Torsten Grote, ist ausgerechnet ein Spieler aus der Mannschaft von Lutters Essener Lieblingsklub und Heimatverein SV Rote Erde, der nach einem dramatischen Spiel nach 18 Jahren endlich einmal wieder den Essen-Pokal gewonnen hat. Grote war in der 90. Minute mit einer Roten Karte vom Platz geflogen und es gab Elfmeter. Doch Keeper Lukas Taschenbeck hält - und die Mannschaft feiert in der Vereinskneipe Höckenrath - bis die Runde macht, dass Grote erschlagen im Park gefunden wurde, mit einer Eisenstange.
Dass der Mord mit Fußball zu tun hat, mag Lutter nicht so recht glauben. «Wenn Fußball ein Mordmotiv wäre, hätte ich die Grundschule nicht erlebt», sagt er zu seinem neuen Kollegen Engels (stark: Matthias Koeberlin). Die Spur führt von dem Inkasso-Schläger Maik (schön dämliche Prollo-Frisur: Comedian Axel Stein), der von Grote Geld eintreiben wollte, über den dubiosen Spielervermittler Albrecht Franke. Der residiert in einem sterilen Luxusappartment, betrachtet den Fußball als Geschäft und bildet so etwas wie das Gegenstück zum geerdeten, geradlinigen und gerechten Lutter. «Ich verbringe mein ganzes Leben damit, Leute wie dich um den Block zu jagen, weil ich mich sonst um niemand kümmern muss», sagt Lutter zu Franke.
Joachim Król verkörpert seinen Kommissar auch in der sechsten Folge der erfolgreichen ZDF-Reihe als sensiblen, manchmal barschen, oft einsamen Romantiker, der den Fußball liebt, seine Stadt und seine Stammkneipe, in der Privatdetektiv Sunny und Wirt Höcki genauso zum Interieur gehören wie zum Inventar der Lutter-Reihe. Nach seinem Privatleben gefragt, sagt Lutter einsam lächelnd: «Ach lass uns nicht über Fußball reden. Auf mich warten Sunny, Höcki und nen Pils.» Wenn Lutter dann eine Nachtschicht einlegt, um für das Benefizspiel für Grotes Beerdigungskosten Plakate zu kleben und dazu Johnny Cashs Song One («You said one love one life, when its one need in the night») läuft, ist er ganz in seinem Element.
Der einsame Lederjackenträger geht nach Frankfurt
Frauen passen in dieses Kommissarsleben eigentlich nicht so richig. Gerichtsmedizinerin Sina Kaschinski (schön und schlagfertig: Sandra Borgmann), für die Lutter sogar Fußballspiele sausen lässt und ins Tanztheater geht, mag Lutter trotzdem. Dass sie Essen verlassen und als Juniorprofessorin nach Münster gehen will, kann Lutter nicht verstehen: «Münster... das macht man doch nicht mal so eben!»
Nachdem Lutter und Engels lange im Dunkeln tappen, kommen sie dahinter, dass Grotes Tod etwas mit Wettmanipulation zu tun haben muss. Nicht mit organisierter Kriminalität - sondern viel banaler. Weil Verteidiger Grote, den in seinem Team offenbar niemand so richtig kannte, chronisch pleite war, soll er größere Summen gesetzt haben. Da erst in dieser Woche der Osnabrücker Spieler Marcel Schuon wegen Wettmanipulation bestraft wurde, ein aktuell brisantes Thema. Und irgendwie wird Fußball bei Rote Erde dann doch zum Mordmotiv.
Torsten Wacker inszenierte seinen zweiten Lutter-Film spannend, charmant und witzig - auch wenn die Themen der vorangegangenen Teile der Lutter-Reihe vielleicht noch ein wenig brisanter und mysteriöser waren. Für die Rolle des einsamen Lederjackenträgers Lutter, dem die Menschen direkt ins Gesicht sagen, dass er alt aussehe, gibt es wohl keine bessere Besetzung als Joachim Król. Weil der kleine Mann künftig als Frankfurter Tatort-Kommissar ermittelt, ist Rote Erde sein letzter Auftritt als Essener Ermittler. Mal sehen, wie sich der Mann aus dem Ruhrpott in der Bankenstadt schlägt. Anders als im Film, wo Lutter nur Sunny, Höcki und nen Pils zurücklässt, werden die Krimifans die Figur des schrulligen Ermittlers mit Herz vermissen. Man möchte ihm zurufen: «Frankfurt... das macht man doch nicht mal so eben!»
Lutter - Rote Erde, Samstag, 4. September, 20.15 Uhr, ZDF.
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