Wenn die Gondeln Glamour tragen
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Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Artikel vom 01.09.2010
Lido in Festrobe: Heute werden die Filmfestspiele in Venedig eröffnet und diesmal triumphiert das Festival über die Konkurrenz in Cannes - große amerikanische Regisseure buhlen um die Preise.
Es ist ein üppiges Programm, mit dem die Filmfestspiele in Venedig in diesem Jahr vom 1. bis zum 11. September ins Rennen gehen. Nachdem zum Filmfest in Cannes viele Filme nicht fertig geworden sind, trumpft das Konkurrenzfestival am Lido jetzt auf.
Um den Goldenen Löwen bewerben sich 23 Filme aus 11 Nationen. Filmfans dürfen sich auf ein glamouröses Ereignis freuen, denn in diesem Jahr sind besonders viele amerikanische Filme im Programm und mit ihnen reisen die Stars an.
Mehr als ein Viertel der Wettbewerbsfilme kommen diesmal aus den USA und auf dem Roten Teppich werden Robert de Niro, Jessica Alba, Helen Mirren, Dustin Hoffmann, Joaquin Phoenix, John Turturro, Ben Affleck, und Robert Rodriguez erwartet – und vielleicht auch Brad Pitt. Auch die Jury ist mit dem Präsidenten Quentin Tarantino spektakulär besetzt und weckt Hoffnungen auf eine interessante Preisvergabe.
Darren Aronofsky eröffnet das Kinoereignis mit seinem Werk Black Swan. Darin tänzelt Natalie Portman als Ballerina über die Leinwand, trifft auf eine schöne Rivalin und entdeckt ihre dunkle Seite. Winona Ryder und Vincent Cassel sind auch mit dabei. Vor zwei Jahren hat Aronofsky mit The Wrestler, dem großen Comeback von Mickey Rourke, schon einen Goldenen Löwen gewonnen.
Helen Mirren und Russell Brand gemeinsam vor der Kamera
Auch Sofia Coppola stellt sich mit Somewhere der Jury. Der Film handelt von berühmten Vätern in Hollywood, ein Thema das sie wohl nicht ganz unbefangen angeht – Produzent ist ihr Vater Francis Ford Coppola. Maler Julian Schnabel präsentiert sein Nahostkonflikt-Drama Miral und Julie Taymor hat ihre Shakespeare-Adaption The Tempest im Gepäck, in der Helen Mirren mit Russell Brand vor der Kamera stand. Regielegende Monte Hellman ist mit seinem Film Road to Nowhere dabei.
Außer Konkurrenz, aber nicht weniger spannend zeigt Robert Rodriguez Machete mit Robert de Niro, Jessica Alba und Lindsay Lohan. Ben Affleck bringt seinen Film The Town mit und man darf auf das neue Werk von Skandalregisseur Vincent Gallo (Brown Bunny) gespannt sein – der Titel: Promises Written in Water.
Als einziger deutscher Beitrag bewirbt sich Tom Tykwer mit seinem Film Drei um einen Goldenen Löwen. Das Liebesdrama mit Sophie Rois, Devid Striesow und Sebastian Schipper ist der erste deutschsprachige Film, den Tykwer seit zehn Jahren gedreht hat und es ist ebenfalls zehn Jahre her, dass er überhaupt einen Film in Venedig präsentiert hat. Im Jahr 1998 hatte er Lola rennt am Lido gezeigt, zwei Jahre später Der Krieger und die Kaiserin. Schauspieler Moritz Bleibtreu kann in dem italienischen Film von Michele Placido Vallanzasca bewundert werden.
Die Franzosen ziehen mit Flagschiff François Ozon (8 Frauen) in die Schlacht um die geflügelten Löwen. Für Potiche standen Catherine Deneuve und Gerard Depardieu vor der Kamera. Eine Tradition von Festivaldirektor Marco Müller ist außerdem eine große Sektion mit asiatischen Kampfkunstfilmen, darunter werden Beiträge von Stanley Kwan, Andrew Lau und drei Filme von Takashi Miike sein. Der Ehrenlöwe für das Lebenswerk geht an John Woo. Er gilt als einer der wichtigsten Protagonisten des Hongkong-Kinos.
Rätseln um den Überraschungsfilm
Wie jedes Jahr wird viel um den angekündigten Überraschungsfilm spekuliert. Zwischen Gondeln und Pasta munkelt man, es könnte der neue Robert Redford The Conspirator über das Attentat an Abraham Lincoln oder Tree of Life von Kultregisseur Terrence Malick sein. Kommt Malick, dann hat er wohl auch seinen Hauptdarsteller Brad Pitt dabei.
Das dürfte ein großer Glamour-Triumph für das Festival sein, das neben der Berlinale und dem Filmfestival Cannes zu den bedeutendsten internationalen Filmfestspielen gehört und sich dafür rühmt, das älteste unter ihnen zu sein. Die Geschichte beginnt allerdings nicht ganz so rühmlich, denn es war der faschistische Diktator Mussolini, der das Festival 1932 gründete. Damals hießen die Preise noch «Coppa Mussolini», die goldenen Löwen gibt es seit 1949.
Weil 1939 der Favorit Le Grande Illusion von Jean Renoir in Venedig leer ausging, während Leni Riefenstahls Olympia und der Film Luciano Serra, Pilota von Mussolinis Sohn die Preise einheimsten, gründeten die Franzosen in Cannes ihr eigenes Festival.
Die Konkurrenz zwischen den beiden Festspielen ist legendär – in diesem Jahr wird Venedig wohl einen Triumphpunkt für sich notieren können.
juz/ivb/news.de
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