Schwelgen in Gefühl und Reifröcken
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Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Artikel vom 02.09.2010
Ein Fest für die ganz große Liebe: Mike Newell hat den Epochenroman Die Liebe in den Zeiten der Cholera verfimt. Darin schmachten sich zwei Menschen aus der Ferne an und schwelgen im Herzschmerz. Heute Abend im TV.
Reifröcke schwappen über Terrakottafliesen, Palmen recken ihre fingrigen Blätter ins Bild, glühende Liebesbriefe rascheln in zittrigen Fingern – das ist der Stoff aus dem die Verfilmung des Bestsellerromans Die Liebe in den Zeiten der Cholera gemacht ist.
Mike Newell hat sich an das Mammutwerk von Gabriel García Márquez gewagt und einen Liebesfilm daraus gemacht, der vor Gefühl überquillt und dabei in opulenten Kostümen und Kulissen schwelgt. Das Liebesdrama läuft heute abend um 22.45 Uhr im Rahmen der Reihe ARD Sommerkino im Ersten.
Die Geschichte feiert die ganz große bedingungslose Liebe voller Dramen und aufschäumender Emotionen: Der junge Florentino verliebt sich in Fermina und kann seitdem nicht mehr von ihr lassen. Das zarte Glück gedeiht, bis der herrische Vater der jungen Frau davon erfährt. Weil der sich eine bessere Partie für seine Tochter wünscht, schafft er das Mädchen aus der Stadt. Allerhand Verwicklungen führen dazu, dass Fermina schließlich einen anderen heiratet. Florentino zieht fortan als einsamer melancholischer Wolf durchs Land und wartet darauf, dass seine große Liebe wieder für ihn frei wird. Eine ganze Epoche greift die Geschichte ab: Von 1880 bis in die 1930er Jahre liebt und leidet dieses tragische Paar der Literaturgeschichte.
Ein Schleier aus Gram auf Bardems Gesicht
Den jungen quirligen Florentino spielt Unax Ugalde mit luftiger Unbefangenheit, das schwermütige gealterte Pendant mimt Javier Bardem. Ihm gelingt es, das Herzeleid dieser Figur ohne große Worte zu zeigen: Die Schultern hängen, die Lider sind schwer, ein Schleier aus Gram scheint auf seinem Gesicht zu liegen. Dabei wirkt Bardem allerdings schwerfälliger als dem brillianten Schauspieler zu Gesichte steht.
Der Film scheut sich nicht vor großen Gesten, er badet geradezu darin. Das ist oft schwelgerisch und passt zum gefühlslastigen Stoff der Geschichte, driftet aber mitunter auch recht unangenehm ins Melodramatische ab. «In deinem Alter ist die Liebe eine Illusion», gräzt der Vater und pustet bedeutungsschwanger eine Kerze aus. Auch Giovanna Mezzogiorno, lässt sich zu einer unfreiwillig komischen Szene hinreißen, in der sie sich mit rudernden Armen gegen ihre Abreise wehrt. Weil sie kurz darauf wieder zu ihrer stolzen Grazie zurückfindet und erhobenen Hauptes in die Kutsche steigt, verzeiht man ihr den kleinen Ausrutscher.
Nicht besonders gelungen sind allerdings die gealterten Figuren. Mezzogiorno sieht als reife Dame aus, als sei sie in einen Mehltopf gefallen und Bardem wirkt einfach zu hölzern. Besonders die krampfige Bettakrobatik mit faltigen Leibern hätte man sich in einem so auf Romantik und Ästhetik getrimmten Film wie diesen gern erspart. Das mag bei Wolke 9 funktionieren, hier ist das ein absoluter Stimmungskiller. Da hilft es auch wenig, dass die beiden dabei auf einem Mississippi-Dampfer in den Sonnenuntergang schippern.
Die Liebe in den Zeiten der Cholera, 2. September, 22.45 Uhr in der ARD
sca/news.de
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