Frankensteins Mutter feiert 213. Geburtstag
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Von news.de-Redakteurin Corina Broßmann
Artikel vom 30.08.2010
Ohne sie gäbe es den klassischen Horrorfilm wohl nicht: Mary Shelley, die Frankenstein-Autorin , wäre heute 213 geworden. Ihr Bestseller ebnete dem beliebten Grusel in Literatur und Film den Weg.
Würde Mary Shelley noch leben, könnte sie heute ihren 213. Geburtstag feiern. Und das würden mit Sicherheit viele Fans mit ihr zelebrieren, denn die Britin ist als Schöpferin Frankensteins in die Literaturgeschichte eingegangen und gilt als eine der bekanntesten Autoren der Romantik.
Zu ihrem Gesamtwerk zählen mehrere Romane, Kurzgeschichten, Theaterstücke, Essays, Gedichte, Rezensionen, Biografien und Reiseerzählungen. Mary Shelleys Vater war der bekannte Sozialphilosoph und Begründer des politischen Anarchismus William Godwin. Ihre Mutter war die Schriftstellerin und Feministin Mary Wollstonecraft, die mit Verteidigung der Rechte der Frau (1792) eine der grundlegenden Arbeiten der Frauenrechtsbewegung schuf.
Die Mutter starb kurz nach der Geburt ihrer Tochter. Vater William Godwin zog Mary deshalb allein auf. Der Vater ermutigte sie, seinen liberalen politischen Ideen zu folgen. 1814 verliebte sich Mary Godwin in den verheirateten Percy Bysshe Shelley. Gemeinsam mit ihrer Stiefschwester Claire Clairmont begleitete die erst 16-jährige Mary Godwin Percy Shelley auf eine Europareise. Bei ihrer Rückkehr war sie schwanger. Das unverheiratete Paar wurde daraufhin wegen seiner offen unkonventionellen Lebensweise gesellschaftlich geächtet.
Frankenstein-Idee entstand in einem verregneten Sommer
Den Sommer 1816 verbrachten beide gemeinsam mit den Schriftstellern Lord Byron und John William Polidori am Genfer See. Wegen Dauerregens beschäftigten sich die Touristen mit dem Schreiben von Gruselgeschichten. Dabei entstand die Idee für Shelleys Roman Frankenstein.
Erst Ende 1816, nach dem Selbstmord von Percy Shelleys erster Ehefrau Harriet, heiratete das Paar. 1818 ließen sich die beiden für längere Zeit in Italien nieder. Vier Jahre später ertrank Percy B. Shelley während einer Segeltour. Ein Jahr später kehrte Mary Shelley mit ihrem letztgeborenen und einzig überlebenden Kind nach England zurück, wo sie ihre Karriere als Autorin erfolgreich fortsetzte. Die letzten zehn Jahre ihres Lebens litt sie immer wieder unter schweren Krankheiten, bevor sie mit 53 Jahren starb - vermutlich an einem Gehirntumor.
Mary Shelleys erster Roman Frankenstein, der zu den sogenannten Schauerromanen zählt, beschäftigt sich mit dem erschütternden Schicksal des Protagonisten Victor Frankenstein. Sein Streben, das er als Wahrheitssuche missversteht, zwingt ihn, seine Familie zu verlassen und endet im Desaster. Bruder und Verlobte müssen sterben und das Monster, das er schuf, verfolgt ihn bis zu seinem eigenen Tod.
In Frankenstein übt Shelley Kritik am Egozentrismus
Mary Shelley nutzt den Text aber nicht nur, um den Leser mit Nervenkitzel und Horror zu unterhalten, sondern begründet darin auch ihre politischen Vorstellungen: Sie kritisiert den Individualismus und die Egozentrik der zeitgenössischen Bewegung der Romantik. Victor Frankenstein lehnt sich gegen die Tradition auf, schafft Leben und formt sein eigenes Schicksal. Dies wird aber keineswegs positiv, sondern als reine Selbstüberschätzung dargestellt. Anders als ihr Vater William Godwin steht Mary Shelley damit den Idealen der Aufklärung kritisch gegenüber und propagiert, wie gering der Einfluss eines Individuums auf den Verlauf der Geschichte ist.
Frankenstein ist nach wie vor die bekannteste Erzählung Mary Shelleys. Dazu haben die zahlreichen Adaptionen für Film und Bühne beigetragen. Frankenstein wurde bereits 1823 das erste Mal auf die Theaterbühne gebracht. Die erste Filmadaption folgte 1910. Die zweite Verfilmung aus dem Jahr 1931, in der Boris Karloff das von Victor Frankenstein geschaffene Monster spielt, wurde zum Klassiker des Horrorfilms schlechthin. Mary Shelley entwickelte sich zum Kassenschlager. Auch heute werden fast alle ihre Werke noch oder wieder gedruckt.
jag/news.de
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