Von news.de-Redakteur Jan Grundmann
Jedes Jahr stirbt eine Kleinstadt nach Infektionen in deutschen Krankenhäusern. Doch die Hygiene-Diskussion bei Anne Will war so steril, dass der Journalistin am Ende auch nicht mehr blieb, als die Kernbotschaft des Abends zu preisen: Händewaschen kann Leben retten.
Nach dem Tod dreier Säuglinge am Mainzer Uni-Klinikum, die Nährlösung mit Darmbakterien verabreicht bekommen hatten, kochte die Debatte um Krankenhaus-Hygiene in der vergangenen Woche fast reflexartig deutsch hoch: Wir brauchen einheitliche Gesetze! Wir brauchen mehr Hygieneärzte! Wenn wir nur alles kontrollieren, dann lässt sich die Todesrate in deutschen Genesungsanstalten senken, so der Tenor. Schließlich infizieren sich etwa 600.000 Patienten pro Jahr in Krankenhäusern, 40.000 Menschen sterben, so die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene.
Im Vergleich zum Experten-Alarmismus in dieser Woche begann die Debatte um Killer-Keime im Krankenhaus bei Anne Will angenehm ruhig. Allerdings blieb sie ebenso ruhig, die Gäste zeigten ihre Stärken vor allem in der ausgeprägten Diskussionskultur, den Gegner ausreden zu lassen. Auch Anne Will schien dem Thema nichts wirklich Neues mehr abgewinnen zu können; ihre Fragen waren etwas uninspiriert: Wird die Hygiene zu lax behandelt? Sind deutsche Krankenhäuser gefährlich? Schließen wir wirklich alle Risiken aus?
Hygienevorbild Niederlande
Schade eigentlich, dass wirklich gute Diskussionsansätze nicht weiter hinterfragt wurden. Etwa der Ansatz des CDU-Gesundheitsexperten Jens Spahn, der auf die Niederlande verwies. Patienten, die mit Infektionsverdacht ins Krankenhaus kommen, würden dort erstmal isoliert. «Search and Destroy»-Methode nenne sich diese Einzelzimmer-Behandlung, und dass sie Erfolg hat, unterlegte Hygienearzt Klaus-Dieter Zastrow mit Zahlen.
Die Infektionen in Krankenhäusern mit aggressiven Bakterien (MRSA), die gegen die meisten Antibiotika immun sind, seien durch die Isolierung auf zwei Prozent zurückgegangen, so Zastrow. In Deutschland dagegen seien sie im selben Zeitraum massiv angestiegen, von drei auf 22 Prozent. Doch was es in Deutschland kosten würde, ob die Kapazitäten dafür vorhanden wären – wirklich diskutiert wurde über das Modell der präventiven Einzelunterbringung leider nicht.
Schlamperei beim Händewaschen
Das einfachste Mittel zur Vermeidung von Krankheiten sei das gründliche Händewaschen und Desinfizieren. Eine Aussage, die, so unspektakulär sie klingen mag, doch für die größten Ausschläge auf dem Empörungspegel der ärztlichen Gästeschar sorgte.
Denn das ausführliche Reinigen der Hände gehört offenbar nicht zu den Standarddisziplinen in Deutschland, wie einer der prägnanten Einspielfilmchen zeigte: Laut Umfragen schlampt fast die Hälfte deutscher Ärzte und Pfleger beim Händewaschen. «Aber ein infektionsfreies Krankenhaus kann es nicht geben», wehrte Bundesärztekammer-Vize Frank Ulrich Montgomery alle Angriffe ab. Allerdings vergesse auch er, der Oberarzt am Uni-Klinikum in Hamburg-Eppendorf, bei Stress manchmal, sich die Hände zwischen zwei Patienten ordnungsgemäß zu desinfizieren. «Das ist menschlich», meinte er.
Aber, wenn selbst ein Oberarzt öffentlich so denkt, dann muss man Anne Will zu ihrem befremdlich wirkenden, weil so einfachen Fazit des Abends wohl schon gratulieren: Eine Desinfektion muss 30 Sekunden einwirken. Und häufiges Händewaschen kann Leben retten.
cvd/ruk/ivb/news.de
Einfach nur schlecht - und bestätigt gleichzeitig auch die alte Weisheit, dass nichts auf Erden fehlerhafter ist als der Mensch selbst. Und genau das wird auch hier immer das größte Problem sein.
jetzt antwortenKommentar meldenNicht nur häufiger die Hände waschen, sondern an jeden Eingang eines Krankenhauses sogenannte Desinfektionsgeräte aufstellen, wie sie auch in den Krankenzimmern hängen und kaum jemand benutzt, wo man beim Betreten des Hauses gezwungen wird, die Hände gründlich zu desinfizieren. Damit wäre ein großer Teil abgedeckt und fällt entweder der Ideenlosigkeit der Klinikleitung oder dem Rotstift zum Opfer. Ich lag in einer großen Münchener Klinik, und da wurde das Bett nach der Enlassung des Patienten nicht zum desinfizieren hinausgebracht, sondern von einer Gruppe neu bezogen und das war es. Steril?
jetzt antwortenKommentar meldenNach 28 Jahren leben mit Medikamenten sieht man manches realsistischer. Da steht die Gewissheit, dass es morgen schon vorbei sein könnte, ganz weit oben. Sicher sind Einzelfälle bedauerlich, aber wer garantiert Ihnen denn, dass mit der verkündeten Zahl nicht wie in vielen anderen Angelegenheiten auch nur Aufmerksamkeit heischend auf den Putz gehauen wird, um ganz bestimmte wirtschaftliche Zwecke zu erreichen?
jetzt antwortenKommentar meldenwas sind Sie denn für eine/r ? Erzählen Sie das mal den Betroffenen ? Wissen Sie was für ein Leid teilweise dadurch entsteht ? Wenn es Ihnen egal ist, dann wünsche ich Ihnen diese Erfahrungen ! Frechheit.
jetzt antwortenKommentar meldenMindestens ein Teil derer, die tatsächlich an Infektionen sterben (und nicht die pressegeil behaupteten), hat die Todesursache selbst herbei geführt - indem sie es durch fortgesetzten, hoffnungslos übertriebenen Verbrauch von Desinfektionsmitteln unterlassen haben, ihren Körper auf die Abwehr von Infektionen zu trainieren. Nicht alles Natürliche lässt sich durch Konsum und Vorschriften bestimmen oder gar ersetzen. Am wenigsten die Natur. Und zu Ihrer Bemerkung zu meinem Synonym: Ich weiß, dass ich nichts weiß - und Sie noch viel weniger!
jetzt antwortenKommentar meldenWisst ihr eigentlich nicht wo "Darmbakterien" herkommen? Da hat sich irgendjemand nach dem Stuhlgang (Scheissen) keine Hände gewaschen!
jetzt antwortenKommentar meldenZu Kommentar 2 von hpklimbim: Außer Klimbim und hirnrissiger Dummheit wohl nichts im Kasten??? Wenn ein Oberarzt Nachlässigkeit als menschlich apostrophiert, die im Kranken/Pflegebereich Menschenleben kosten kann, aber nur 30 Sek. kostet, dann muss man juristisch gesehen je nach Ausgang des Vorfalls mindestens von fahrlässiger Körperverletzung bzw. Tötung sprechen. Und gute Nacht, wenn viele Mitarbeiter/innen im Kranken/Pflegebereich so denken wie der Oberarzt!
jetzt antwortenKommentar meldenzu kommentar 2 Ich wünsche ihnen eine echte Infektion auf grund mangelnder Hygiene. Wie kann man nur so einen Schwachsinn schreiben. Ich bin selbst Opfer einer Infektion nach einer Herzop. und wurde anschließend fünf mal Op. das hat mit Pharmaind. oder Kosten nichts zu tun. Mit Hände waschen und funktionierende Luftfilter würden man schon viel erreichen. Ich wünsche dem Kommentator 2 eine wunderevolle Ifektion!
jetzt antwortenKommentar meldenDie wären früher oder später auch so gestorben. Es ist noch keiner da geblieben - Gott sei Dank!!! Hier werden Zahlen, von denen wir nicht einmal deren Richtigkeit wissen, künstlich aufgebauscht bei gleichzeitiger, vorsätzlicher Erzeugung von Panik, um neue Betätigungsfelder aufzubauen für unsere Vorschriftenhanseln - sonst gar nichts. Die Vertreter der Pharmaindustrie werden sich erst dann zufrieden geben, wenn der letzte Virus oder Keim mit dem Vorschlaghammer erschlagen wurde. Und genau das wird nie statt finden!
jetzt antwortenKommentar meldenHier geht es um Deutschland ! "...eine Kleinstadt stirbt" allein an mangelnder Hygiene. Und eine weitere, an Impfungen und anderen Verschwendungs- und Sinnlosigkeiten. Der Verwischungs und Vertuschungsapperat, gestützt von der Justiz, funktioniert leider nur zu gut. Und das Leid der Betroffenen wird skupellos mit einkalkuliert.
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