«Die heiße Mischung macht es»
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Von den news.de-Redakteurinnen Nadine Fasshauer und Corina Broßmann, Berlin
Artikel vom 29.08.2010
Kurvige Traumfrauen, verkappte Nazis und emotionale Fans: Culcha Candela verraten im news.de-Interview, wer und was eine Multikulti-Band wie sie so bewegt.
Eure Musik ist eine Mischung aus Reggae, Dancehall und Hip-Hop. Muss für euch noch ein Genre erfunden werden?
Culcha Candela: Wir nennen unseren Sound gerne Culcha-Sound. Das Problem ist, dass viele Leute einfach ein Label wollen. Uns ist das Label aber relativ egal. Wir machen Musik. Und was dabei rauskommt, kommt dabei raus. So einfach ist das.
Haltet ihr euch selbst für eine gesellschaftskritische oder für eine Spaßband?
Culcha Candela: Sowohl als auch. Wir machen den gepflegten Spagat zwischen Gesellschaftskritik und Party. Manchmal nur das eine, manchmal nur das andere und manchmal auch eine gesellschaftskritische Party.
Eure Songtexte haben sich in letzter Zeit doch merklich von politischen zu eher emotionalen Inhalten hin verändert. Warum?
Culcha Candela: Wir wollten in unserer Sturm- und Drangphase die Welt am liebsten sofort verändern. Die expliziten Anleitungen dazu hatten wir in unsere Liedtexte gepackt. Wir haben aber erkannt, dass man nicht nur mit dem erhobenen Zeigefinder durch die Welt laufen beziehungsweise die Brechstange einsetzen kann. Wir haben gelernt, dass wir auch mit sehr emotionalen Texten etwas bewegen können, da wir mit ihnen eine tiefere Ebene bei unseren Fans erreichen.
Hatte euer Wandel gar keinen kommerziellen Hintergrund?
Culcha Candela: Der kommerzielle Erfolg ist wirklich nicht planbar. Wenn man genau wüsste, was mit Sicherheit gut ankommt, dann würde das doch jeder sofort machen. Das wäre schon total genial, dann könnte sich jeder einen coolen Tourbus anschaffen, jeden Tag in einer anderen Stadt auftreten und zusätzlich Geld damit verdienen. So leicht ist das aber nun mal nicht.
Passend zum langsam endenden Sommer: Culcha Candela heißt soviel wie heiße Kultur. Wie kamt ihr zu diesem Namen?
Culche Candela: Natürlich weil wir so unfassbar heiß aussehen und kulturell total wertvoll sind. Nein, im Ernst: Es symbolisiert halt diesen Schmelztopf an kulturellen Einflüssen, der wir sind. Der Mix macht es bei uns. Wir kommen aus verschiedenen Ecken, auch musikalisch, und inspirieren uns gegenseitig. Das ist wie beim Essen. Es ist nicht eine Zutat, sondern viele verschiedene, die ein tolles Essen ausmachen.
Ihr engagiert euch gegen Nazis – habt ihr in Deutschland selbst schon schlechte Erfahrungen gemacht?
Culcha Candela: Als Gruppe noch nicht, aber jeder hat schon eine Geschichte erlebt und gehört. Vor allem die, die nicht auf den ersten Blick deutsch aussehen. Da lief auch viel unterschwellig. Mit Nazis ist man, wenn man in Berlin lebt, immer konfrontiert. Das Thema ist immer aktuell. Das wird auch schon mal vergessen. Deswegen versuchen wir, uns auch konstant dagegen zu engagieren.
Hamma! wurde 2007 euer Song zum Durchbruch. Was glaubt ihr hat den Erfolg des Liedes ausgemacht?
Culcha Candela: Die Frage fasziniert uns auch. Wir haben vorher ja auch schon ähnliche Songs gemacht. Anscheinend war der dann aber noch ein Stückchen besser. Wir haben auch kein Problem damit, den immer wieder zu spielen. Es ist sogar cool, zu den Bands zu gehören, die so einen Hit haben, den jeder kennt und mit ihnen verbindet. Solange es nicht dabei bleibt und wir noch mehr geile Sachen bringen können, ist das kein Grund, sich in eine Schublade gesteckt zu fühlen oder so.
Viele eurer Songs handeln von unerreichbaren Traumfrauen. Wie stellt ihr euch die Hamma-Frau vor?
Culcha Candela: Lange Beine, Sanduhrfigur, knappes Kleid, Fick-Mich-Blick, Schmollmund. Sollen wir noch mehr ins Detail gehen? lachen.
Reicht schon. Ihr kommt aus Berlin, seit hier schon unzählige Male aufgetreten. Freut ihr euch immer besonders auf einen Auftritt hier, wie auf ein Heimspiel, oder wird es irgendwann langweilig?
Culcha Candela: Naja, da, wo wir noch nicht gespielt haben, sind die Leute noch aufgeregter, und das ist schon auch für uns extrem spannend. Wir hatten zum Beispiel vor Kurzem ein Konzert mit 6000 Fans in Heidenheim. Das ist so ein kleines Örtchen, wo sonst nicht viel passiert und da sind die Leute viel krasser abgegangen, als wir erwartet hätten. So sollte es überall sein, dann ist es egal, ob Berlin oder am Arsch der Welt.
Die HipHop/Reggae-Formation Culcha Candela spielt seit 2001 zusammen. Die Bandmitglieder kommen aus Kolumbien, Polen, Uganda, Deutschland und Korea. Anfang August 2007 erschien ihre Single Hamma!, mit der sie direkt auf Platz 1 in die Charts eingestiegen sind.
brc/naf/cvd/news.de
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