Hokuspokus-Crashkurs
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Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Artikel vom 31.08.2010
Wüstes Haar, dramatischer Blick: Magier treiben sich in Manhattan herum und treffen sich zum großen Showdown. Der Film Duell der Magier protzt mit Spezialeffekten und steckt Nicolas Cage in einen albernen Ledermantel. Aber reicht das für einen guten Film?
Der Trailer zu Das Duell der Magier gibt sich bombastisch und dramatisch, verspricht Action und beeindruckende Spezialeffekte. Das erfüllt der Fantasyfilm auch, doch mit Bombast allein lässt sich noch kein Blumentopf gewinnen. Denn trotz allem Hokuspokus ist das, was uns Regisseur Jon Turteltaub hier kredenzt, erstaunlich langweilig.
Das liegt vor allem daran, dass er zwischen all die eisernen Vögel, sich windenden Drachen, Feuerkreise und fluoreszierende Geschosse die Story wie ein lästiges Pflichtprogramm stopft. Da hilft auch der Erfolgsproduzent im Hintergrund nicht mehr: Wo Jerry Bruckheimer draufsteht, ist meist ein Kinoknüller drin, aber hier liegt der Hund im Drehbuch begraben. Vielleicht liegt das auch daran, dass gleich fünf Autoren – Doug Miro, Carlo Bernard, Matt Lopez, Lawrence Konner und Mark Rosenthal – daran herumgeschraubt haben.
Da werden schon in den ersten fünf Minuten viel zu viele Figuren eingeführt, eine Welt wird angerissen, deren mystische Strahlkraft sich auf die Schnelle gar nicht entfalten kann: Merlin huscht durchs Bild, eine böse Hexe braust auf, schlüpft in den Körper der guten Hexe und irgendwie sind dann alle Beteiligten plötzlich in einer Babuschka-Puppe gefangen – ein Stoff, der allein schon abendfüllend gewesen wäre. Und das ist erst die Vorgeschichte.
Der Physik-Nerd und der Drachenring
Leider wird es danach nicht viel besser: Ober-Magier Balthazaar Blake (Nicolas Cage) ist auf der Suche nach einem Zauberlehrling, der ihm dabei helfen soll, seinen Erzfeind Maxim Horvath (Alfred Molina) zu vernichten und die böse Hexe gleich dazu. Das soll aber nicht irgendeiner sein, sondern ein Auserwählter, den er mittels eines Drachenrings finden will. Als Physik-Nerd Dave Stutler (Jay Baruchel) in seine Zauberkammer stolpert und sich der Drache um den Finger des blassen Jüngelchens schlängelt, ist klar: Dave ist der Zauberlehrling. Aber erst einmal sind Blake und Horvath in einer Amphore gefangen und Dave stiefelt von dannen.
Was dann folgt, muss man sich ungefähr so vorstellen: Harry Potter trifft romantische Komödie. Aber nur, weil das zwei erfolgreiche Formate sind, heißt das nicht, dass sie auch im Duett funktionieren. Jedenfalls soll der linkische Dave einen Crashkurs im Zaubern bekommen. Da steht er in Helm und Schutzschild und kämpft mit blau leuchtenden Bällchen. Das soll mystisch und gleichzeitig lustig sein, ist aber leider einfach nur albern.
Dave kann sich ohnehin nicht richtig konzentrieren, weil da auch noch dieses Mädchen ist, mit dem er jetzt viel lieber in den Sonnenuntergang reiten würde, statt die Welt zu retten. Gipfel der haarsträubenden Story ist, dass der Physikstudent seine Angebetete zu romantischen Starkstromexperimenten in seinen faradayschen KäfigEin faradayscher Käfig ist eine Hülle aus einem Material, das elektrischen Strom leitet. Das kann ein Käfig aus Metall oder auch ein Auto sein. Im Innern eines faradaysischen Käfigs sind Menschen vor Stromschlägen geschützt. einlädt – Weichzeichner inklusive. Und dann wird auch noch eine Szene nach Goethes Gedicht Der Zauberlehrling hinein gequetscht. Das hat der Dichter nicht verdient. Viel zu viel Gerümpel purzelt in dieser Geschichte umher, aus dem man locker drei Filme hätte basteln können.
Haare schüttelnde Hexe, flatternde Augenlider
Das Duell der Magier hangelt sich von einem Zaubererklischee zum nächsten, gibt weder der Geschichte noch den Figuren die Chance, sich zu entwickeln. Dem Auge kredenzt der Regisseur ein rauschhaftes Neujahrsfest in Chinatown, mysteriös ausgeleuchtete Wunderkammern oder eine spiegelverkehrte Verfolgungsjagd. Aber auch eine Menge melodramatischer Feuerkreise, eine Haare schüttelnde Hexe und flatternde Augenlider. Und weil der Kitt dazwischen fehlt, der nachvollziehbar machen würde, warum der Film diese Szene jetzt braucht, wirkt das alles wie ein gigantischer Trailer für ein Computerspiel. Damit kennt sich Bruckheimer jedenfalls auch aus: 2009 hat er die Firma Jerry Bruckheimer Games Inc. gegründet, um nebenbei Computerspiele zu kreieren.
Im Film sind leider auch die Figuren recht eindimensional geraten. Nicolas Cage macht sich als abgehalfterter Magier ziemlich lächerlich: Mit zotteligen halblangem Haar, der Blick bedeutungsschwanger umschattet, rauscht er durch Manhattan, wobei sich sein Ledermantel wie ein Superheldencape wölbt. Blake sieht nicht nur aus, wie einer der unzähligen Freaks, die ohnehin durch die Straßen New Yorks ziehen, er benimmt sich auch so: «Ich kann Gedanken lesen!», brüllt er Dave ins Gesicht und das nur, weil der gefragt hatte, woher er seinen Namen kenne. Dem 47-Jährigen hätte man eine würdevollere Rolle gewünscht.
Jay Baruchel darf den Tölpel im Kapuzenpulli mimen. Die Zweifel, Angst und Freude über die unverhofften Fähigkeiten, die ein Harry Potter so überzeugend durchmacht, nimmt man ihm leider nicht ab, weil er dabei das Gesicht zu einer grotesken Maske verzieht und dann gleich wieder weiter muss – der nächste Spezialeffekt steht schon wieder auf dem Stundenplan.
Viel mehr Spaß macht es den Nebenfiguren Horvath (Alfred Molina) und dem herrlich exaltierten Zauberer Drake Stone (Toby Kebbell) zuzuschauen. Stone ist nicht nur eine gelungene Karikatur selbstverliebter Show-Magier, sondern auch subversive Kraft im Film selbst, weil er im Grunde auch das Getue der Hauptfigur Blake ins Lächerliche überspitzt. Schade, dass die Macher dem Duo Molina und Kebbell hier so wenig Platz eingeräumt haben.
Titel: Duell der Magier
Regie: Jon Turteltaub
Darsteller: Nicolas Cage, Jay Baruchel, Alfred Molina
Filmlänge: 109 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Walt Disney
Kinostart: 2. September 2010
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