Kasper im Glitzerfummel
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Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Artikel vom 02.09.2010
Rauschmittel im Blut, gazellenhafte Frauen im Arm: Russell Brand spielt im Film Männertrip vor allem sich selbst. Dem exzentrischen Skandal-Promi zur Seite steht Jonah Hill als schusseliger Angestellter einer Plattenfirma, der die Party seines Lebens erlebt und dabei seinen Job riskiert.
Den Po gereckt, die Brust geschwellt, das Kinn gestreckt - Aldous Snow geht wie ein Hühnchen. Er ist schnöselig, selbstverliebt, exzentrisch und drogensüchtig – das Fleisch gewordene Rockstar-Klischee. Pose wie Styling beherrscht er perfekt: Mit wallender Mähne, Röhrenjeans und gigantischer Sonnenbrille trägt er seinen Brustpelz zur Schau und benimmt sich, wie sich ein Rocker eben benehmen sollte: daneben.
Regisseur Nicholas Stoller gibt dem britischen Comedy-Star Russell Brand die Gelegenheit, seine Allüren genüsslich auszuleben, denn im Film Männertrip spielt sich der Skandal-Promi von der Insel vor allem selbst.
Snows Leben ist Skandal und Glamour: Drogenseelig rauscht er von einer Party zur nächsten, züngelt mit Granaten-Frauen auf der Tanzfläche und lässt sie im nächsten Augenblick fallen wie ein benutztes Taschentuch. Seine Drogen- und Sexsucht pflegt er wie andere ihre Orchideen. In seiner Welt sind Mitmenschen nur die Statisten seiner Ego-Show.
Diese schillernde Figur lässt Stoller auf den braven wohlbeleibten Aaron Green (Jonah Hill) prallen. Aaron arbeitet bei der Plattenfirma des zynischen Tyrannen Sergio Roma (Sean «P. Diddy» Combs) und bekommt einen Auftrag: Er soll Aldous Snow in London abholen, ihn zu einem Promotion-Gig nach New York und im Anschluss zum großen Tourauftakt-Konzert ins Greek Theatre in Los Angeles bringen.
Rauschmittel im Blut, gazellenhafte Frauen im Arm
Was in der Theorie nach einer machbaren Aufgabe klingt, entpuppt sich als gigantische Herausforderung. Aldous lässt sich nämlich nicht so einfach einpacken und in einen Flieger setzen. Die kleinen Grillen in seinem Kopf flüstern ihm ständig neue Ideen ein und es macht doch ohnehin mehr Spaß, sich im Arm gazellenhafter Frauen Rauschmittel ins Blut zu jagen, als in der Schlange eines Check-In-Schalters zu stehen.
«Wir müssen dann mal langsam», jammert Aaron mit zartem Stimmchen und Snow zerrt ihn in den nächsten Club und bestellt ein «neckisches Wässerchen». Irgendwann sind dann die Versuchungen des Rockstarlebens zu groß und Aaron lässt sich willenlos in eine rauschhafte Nacht fallen. Weil ihm dann doch noch rausrutscht, dass er den Song «African Child» grauenvoll findet, erarbeitet er sich bei Snow eine «Schicht aus Respekt, gepfeffert mit Hass».
Männertrip ist ein Spin-Off des Films Nie wieder Sex mit der Ex, in dem Jonah Hill und Russell Brand als Nebenfiguren die Fans schon begeisterten.
Es ist schon sehr unterhaltsam und über große Strecken auch urkomisch, diesem seltsamen Gespann zuzuschauen. Dreh- und Angelpunkt dabei ist der ironische Zug, der sich in Russell Brands Blick schleicht, wenn er im lila Strickfummel auf einer Londoner Dachterrasse stolziert oder sich im hautengen Anzug in formvollendete Rockerposen wirft.
Todesstoß für scheinheilige Charity-PR
Die Story ist mit bitterbösem Sarkasmus gewürzt: In seinem Video zum Song African Child schreitet er in einer goldenen Glitzerhose durch ein afrikanisches Dorf und singt: «There is an african child trapped inside of me». Für Einfälle wie diese, die das scheinheilige Charitygebaren mancher Prominenter aufs Korn nehmen, kann man den Machern nur gratulieren.
Die pfeilschnellen Dialoge funktionieren auch in der deutschen Übersetzung erstaunlich gut und geben einen Eindruck von der brillanten Schlagfertigkeit des Briten Brand. Im letzten Drittel lässt die Buddy-Komödie dann aber leider ziemlich nach, was vorher präzise und selbstironische Milieustudie war, gipfelt dann in einer allzu pubertär überdrehten Szene, in der Fellwände gestreichelt, Adrenalinspritzen verabreicht, Mobiliar in Brand gesetzt und ziemlich viel geschrien wird.
Ziemlich überflüssig sind die gefühlsduseligen Beziehungsprobleme, mit denen sich sowohl Aaron als auch Aldous herumschlagen. Das Ende ist deshalb auch recht schmalzig geraten, aber bevor man sich fremdschämen kann, steht Brand auch schon im Glitzeranzug auf der Bühne und schiebt seinen Hintern raus.
Titel: Männertrip
Regie: Nicholas Stoller
Darsteller: Russell Brand, Jonah Hill, Sean «P.Diddy» Combs, Lars Ulrich, Pink, Christina Aguilera, Pharell Williams u.a.
Filmlänge: 109 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Universal
Kinostart: 2. September 2010
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