So., 27.05.12

Nadja Benaissa 26.08.2010 Schuldig sind wir alle

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news.de-Redakteurin Julia Zahnweh Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh

Nadja Benaissa hat sich verantwortungslos verhalten, sie hat einen Mann mit dem HI-Virus infiziert, obwohl sie von ihrer eigenen Infektion wusste. Zu zwei Jahren Haft auf Bewährung ist sie deswegen verurteilt worden. Doch an ihrer Sorglosigkeit ist die No-Angels-Sängerin nicht allein schuld.

Nadja Benaissa hat verantwortungslos gehandelt, als sie einen Mann bei ungeschütztem Sex mit dem Aids-Erreger infiziert hat, obwohl sie von ihrer eigenen HIV-Infektion wusste. Die No-Angels-Sängerin selbst hat vor Gericht ihren Fehler eingestanden. Sie hat vom ersten Prozesstag an die Verantwortung für ein Fehlverhalten übernommen, für das sie zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wurde.

Die Öffentlichkeit wird nun über dieses Urteil richten und viele werden diese Strafe für zu milde befinden, kann die HIV-Infektion für das Opfer doch die Todesstrafe bedeuten. Wenn man aber wirklich etwas aus diesem Prozess lernen will, sollte man nicht über Benaissa und die deutsche Justiz urteilen, sondern die allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber der Aids-Gefahr anprangern.

Das eigentlich Schockierende an diesem Prozess war Benaissas Geständnis, dass ihr damaliger Partner und sie völlig sorglos Sex gehabt hätten. Die Sängerin gehört einer Generation an, die wie keine vor ihr über die Gefahr von ungeschütztem Sex aufgeklärt wurde – so zumindest der allgemeine Anschein. Doch diese Aufklärung scheint Gleichgültigkeit nicht aufhalten zu können. Vielleicht ist es gerade die Allgegenwärtigkeit des Themas, die die Gesellschaft blind gemacht hat. Aus Gewohnheit wird Leichtsinn, der nicht nur im Fall Benaissa zur Lebensgefahr werden kann.

Statt eine Hetzjagd auf Benaissa zu veranstalten, an der auch die Darmstädter Staatsanwaltschaft ihren Anteil hatte, hätten die Medien die Tatsache anprangern müssen, dass hier zwei Menschen ungeschützten Sex miteinander gehabt haben. Nicht nur Benaissa, sondern auch der Mann hat verantwortungslos gehandelt. Ob HIV-infiziert oder nicht: Verhütung ist nicht die alleinige Sache der Frau. Auch wenn Benaissa ihrem Sex-Partner von ihrer Aids-Erkrankung hätte erzählen müssen, hätte der Mann auf Verhütung oder einen Aids-Test bestehen müssen. Für sein tragisches Schicksal trägt der Mann eine Mitschuld. Für Bild & Co. war Benaissa die alleinige Täterin und wird es wahrscheinlich auch bleiben.

Die Mitschuld, die die Gesellschaft an ihrer Sorglosigkeit trägt, will sich niemand aufbürden. Das ist die eigentliche Tragödie.

mik/ivb/news.de
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Rote Karte
  • Kommentar 2
  • 26.08.2010 17:22
 

Für Verhütung sind beide verantwortlich - ja. Doch hier liegt die Sache anders. B. hat vorsätzlich per Blutkrätzsche gefoult. Da kann man dem verletzten Gegner nicht vorwerfen, dass er am Fußballspiel teilgenommen hat, auch wenn dort hin und wieder mal jemand verletzt vom Platz getragen wird. Hier hat B. eindeutig die rote Karte verdient und gehört vom Platz gestellt. Nun mit dem Zeigefinger auf den Mann zu weisen und von ihm vorzuwerfen, er hätte vor dem Sex noch einen AIDS-Test der Partnerin einholen sollen ist einfach lächerlich!

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  • Fenzel
  • Kommentar 1
  • 26.08.2010 17:08
 

Ihre HIV-Infektion ist doch auch nicht vom Himmel gefallen.Für solche Verbrechen fehlen gesetzliche Strafandrohungen, wie sie doch sonst für alle möglichen Lebenslagen erlassen sind.

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