Das Glück der Achtziger
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Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Artikel vom 26.08.2010
Sie sehen aus wie die Jungs, die vor 25 Jahren auf Bravo-Postern waren. Sie klingen wie Depeche Mode, Duran Duran oder A-ha. Und sie werden gefeiert dafür. Kein Wunder: Hurts machen auf ihrem Debüt Happiness die 1980er mit etwas Verspätung erst wirklich schick.
Eigentlich braucht man nur 48 Sekunden, um Hurts zu kennen. Dann ist die erste Strophe des ersten Liedes Silver Lining vorbei - und Sänger Theo Hutchcraft hat bereits alle Register seines Könnens gezogen. Der 23-Jährige berichtet, stöhnt, croont, provoziert, schmeichelt - alles mit wenigen Nuancen seines Gesangs.
Auch die Musik hat in dieser kurzen Zeit schon Zeichen gesetzt: Happiness, das morgen erscheinende Debütalbum von Hurts, beginnt mit Maschinenbeats, einem Compterbass und einem Sound wie von einem verzerrten Xylophon. Ganz klinisch - und doch voller Atmosphäre. So wie Tears For Fears, Frankie Goes To Hollywood oder Depeche Mode. Mit der Disco-Verliebtheit der Pet Shop Boys (Sunday). Mit der kühlen Eleganz von Human League (Better Than Love). So wie die Achtziger nun einmal waren.
Das Jahrzehnt, in dem die CD, der Videorekorder und die Pastelltöne ihren Siegeszug antraten, ist der wichtigste Bezugspunkt für die Musik von Hurts. Denn das Duo aus Manchester sieht mit schicken Anzügen, reichlich Gel in den Haaren und noch mehr Lust an der eigenen Inszenierung nicht nur aus wie die selbstverliebtesten der Popstars aus den Eighties. Hurts klingen auch so.
Trotzdem gibt es zwei wichtige Unterschiede. Den Look tragen Hutchcraft und Keyboarder Adam Anderson nicht aus Arroganz, sondern quasi aus Selbstverteidigung. «Die einzige Möglichkeit, an diesem furchtbaren Ort nicht seine Würde und seinen Stolz zu verlieren, ist etwas Elegantes anzuziehen und so gut wie möglich auszusehen», erzählt Hutchcraft über die verzweifelten Jahre als Arbeitsloser in Manchester.
Auch die Musik ist bei genauerem Hinhören allenfalls eine gebrochene Version der Achtziger. Das Jahrzehnt von Madonna, Michael Jackson und Prince war so etwas wie der Barock des Pop - es durfte extrem verspielt und immer ein bisschen mehr sein. Mehr Instrumente, mehr Tonspuren, mehr Kostüme, mehr Einflüsse, mehr Zitate, mehr Make-Up, mehr Selbstvermarktung. Hurts wissen um diese Möglichkeiten, machen aber nur sehr dosiert von ihnen Gebrauch.
Kein Pomp, sondern sehr reduzierte Musik
Happiness bietet deshalb keinen Pomp, sondern sehr reduzierte Musik. Bestes Beispiel ist Water, das letzte Lied des Albums. Die Ballade kommt ungeheuer opulent, raumgreifend und großspurig daher. In Wirklichkeit sind aber neben den göttlichen Streichern nur ein Klavier und die flehende Stimme von Hutchcraft zu hören.
Auch der aktuelle Nummer-2-Hit Wonderful Life (womöglich noch eine Eighties-Referenz, wenn man an das One-Hit-Wonder Black denkt) ist Beweis dafür: Nach zwei Dritteln ist da irgendwo im Hintergrund ein Instrument zu hören, das nicht schlimmer Achtziger sein könnte, wenn es Schulterpolster und einen Drei-Tage-Bart hätte: ein Saxophon. Doch wo es in jedem Eighties-Hit ein Solo gehabt hätte, erklingen hier nur ein paar einzelne, halb verwehte Töne.
Es ist diese Stilsicherheit von Anderson, die das Album so gelungen macht. Und die Stimme von Hutchcraft, die immer poliert klingt, und doch voller Gefühl steckt - und voller Optimismus. Steht die Kombination aus Achtzigern + Manchester dank des Erbes von Joy Division und den Smiths sonst eher für Depression, werden hier das packende Blood, Tears & Gold oder Stay mit seinem Gospelchor zu Hymnen an das Leben.
«Das ganze Album dreht sich um die Suche nach Glück und Zufriedenheit», erklärt Hutchcraft. «Diese Suche ist oft schmerzvoll, aber es gibt immer ein Licht am Ende des Tunnels. Das wollen wir mit unseren Songs ausdrücken, denn so haben wir es selbst erlebt.» In jedem Fall sollte man also auch nach Sekunde 48 noch dranbleiben. Denn die Sache mit der Happiness, also dem Glücklichsein, darf man bei Hurts ganz wörtlich nehmen.
Interpret: Hurts
Album: Happiness
Plattenfirma: Four Music
Veröffentlichung: 27. August 2010
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