Wiener Charme und rheinischer Irrsinn
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 31.08.2010
TV-Zuschauer kennen Henning Baum als Der letzte Bulle. Im Sat.1-Film Küsse, Schüsse, Rindsrouladen gibt er einen Kleinganoven, der in Wien sein Unwesen treibt und gerne Rindsrouladen isst.
In der Gaunerkomödie Küsse, Schüsse, Rindsrouladen, mit der der Münchner Sender Sat.1 am 31. August wieder seine Reihe Der große Sat.1-Film startet, finden die Rouladen schnell einen dankbaren Abnehmer, nämlich als der gerissene Ganove Chester ins Spiel kommt. Chester ist Deutscher - und die sind ja schlechtes Essen gewohnt, lautet die Botschaft. Fortan baden sich die Beteiligten in dieser Sauce aus abgestandenen Klischees und überwürztem Kopiesud.
Pate für die österreichisch-deutsche Produktion stand - unschwer zu erkennen - die britisch-amerikanische Komödie Ein Fisch namens Wanda. Nahmen anno 1988 Jamie Lee Curtis, Kevin Kline, John Cleese und Michael Palin britisch-amerikanische Eigenheiten genüsslich auseinander, versuchen der Österreichische Rundfunk (ORF) und Sat.1 den kalkulierten Erfolg: Patschert und bauernschlau sind die Ösis, wichtigtuerisch und blind aktiv die Nachbarn.
Was ist ein Philatelist?Aber was will man von einem Titel wie Küsse, Schüsse, Rindsrouladen schon erwarten? Ein ernst zu nehmender 90-minütiger Thriller steckt jedenfalls nicht dahinter. Die Macher setzen vielmehr auf den Comedy-Faktor und lassen die Protagonisten Sätze sagen wie «Ich bin Philatelist» und Fragen stellen wie «Einer von diesen Gestörten, die es mit Kindern treiben?».
Die Story lässt sich knapp zusammenfassen: Als der Kleinkriminelle Chester (Henning Baum) den introvertierten Briefmarkenhändler Herbert (Robert Palfrader) kennenlernt, treffen Welten aufeinander. Chester merkt jedoch schnell, dass er Herberts Hilfe gebrauchen kann, denn seine Beute bei einem Banküberfall wurde durch eine Sicherungspatrone rot gefärbt und mit dem Wiederherrichten von altem Papier kennt sich der Händler aus. Chester lullt Herbert mit einer hanebüchenen Geschichte ein und lässt ihn von der Stripperin Jenny (Janine Kunze) bezirzen.
Wer Henning Baum einmal nicht als Der letzte Bulle sehen möchte, für den lohnt sich das Einschalten. Und damit man nicht zu sehr an seinen Alter Ego Kommissar Mick Brisgau erinnert wird, wurden Baums blonde Haare wasserstoffgebleicht. Doch so unterschiedlich findet der Schauspieler die beiden Rollen gar nicht: «Die Charaktere sind sich tatsächlich ein wenig ähnlich. Beide treibt ein hohes Maß an Energie und Tatendrang, und wenn eine Idee nicht funktioniert, lassen sich beide etwas Neues einfallen. Nur nicht aufgeben, sondern das Ziel bis zum Schluss im Auge behalten.»
Baum gibt den Sprüche klopfenden Kriminellen überzeugend und sein Gegenpart - Robert Palfrader - liefert in seiner ersten Hauptrolle ein perfektes Nervenbündel ab. «Der Palfrader war mir ein sehr lieber Kollege», sagt Baum über die Zusammenarbeit. «Wiener Charme und rheinischer Irrsin haben sich im Spiel gut ergänzt - und gelacht haben wir auch viel mit- und übereinander.» Hierzulande ist der Österreicher (noch) ein unbeschriebenes Blatt, aber bei unseren Nachbarn ist er ein Kult-Comedian, der als besagter Herbert zum ersten Mal für einen fiktionalen Film vor der Kamera stand.Palfrader besteht sein Debüt glänzend: Er lässt seinen Herbert wunderbar verzweifelt schauen, wenn Hertha (gespielt von der österreichischen Schauspielerin Brigitte Neumeister) schon wieder eine Ladung Rouladen vorbeibringt; er lässt ihn wie paralysiert wirken, als Herbert zum ersten Mal einer Stripperin zuschaut; und er hat einen köstlich leeren Blick, wenn ihn Ganove Chester mit der x-ten Notlüge dazu bringt, ihm aus der Patsche zu helfen.
Mit seinem Wiener Charme lenkt der Schauspieler von den teilweise ziemlich seichten Gags ab, die diesmal ausnahmsweise nicht von Hausmeister Krause-Tochter Janine Kunze (die übrigens zum Zeitpunkt der Dreharbeiten im sechsten Monat schwanger war und inzwischen ihr Söhnchen Luiz-Fritz auf die Welt gebracht hat) kommen. Die mimt als Table-Tänzerin eine etwas «ernstere» Rolle und überlässt die platten Ruhrpottsprüche lieber Henning Baum.Fazit: Küsse, Schüsse, Rindsrouladen ist eine flotte und unterhaltsame, aber harmlose Komödie mit Ösi-Charme für alle, die keinen Wert auf ein stimmiges Drehbuch und kulinarische Feinheiten legen und sich einfach nur berieseln lassen wollen.
Küsse, Schüsse, Rindsrouladen, Dienstag, 31. August, 20.15 Uhr, Sat.1.
juz/ivb/news.de
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