Von news.de-Mitarbeiter Armin Peter
Am Ende bremst die Faktenmasse das Rentenkarussel aus: In einer Sendung rund um die Altersorsorge haben sich bei Sandra Maischberger alle Figuren des politischen Theaters versammelt – auch der vielzitierte Dachdecker.
Die Rente ist immer ein Thema, das die Gemüter erhitzt – auch Sandra Maischberger hat sich mit einer Rentendebatte aus der Sommerpause zurückgemeldet. «Schluss mit Kuschelkurs – Rentengarantie weg und arbeiten bis 67?» Die Diskussion war jedenfalls sehr umfangreich – und alles andere als kuschelig.
Ja, er habe Freunden schon beim Dachdecken geholfen. Aber dass so eine Rolle Dachpappe verdammt schwer sein kann, davon hat sich CDU-Rentenexperte Jens Spahn in Menschen bei Maischberger nochmals überzeugen können – er wurde von Dachdecker Harald Fülle eingeladen, eine der im Studio herumliegenden Rollen hochzustemmen.
Und um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, Dachdecker können nicht mehr mit 67 in luftigen Höhen herumkraxeln: «Wind und Wetter, kaputte Gelenke und ein ruiniertes Kreuz» - Harald Fülle ließ keinen Zweifel daran, dass er «es wohl maximal bis 60» schaffen werde.
Warum aber, so fragte Spahn, regen sich beim Thema Rente mit 67 immer gerade die auf, die davon gar nicht betroffen sind? «Bis 2029 geht es stufenweise nach oben – keiner der heute 55jährigen muss bis 67 arbeiten». Und weshalb, so fragte Moderatorin Maischberger, ist der SPD-Plan ein solches Reizwort, wo doch schon heute nur ein Drittel der Deutschen tatsächlich bis 65 arbeitet? An den Antworten versuchte sich der SPD-Sozialexperte Rudolf Dreßler: «De facto bedeutet Rente mit 67 eine Rentenkürzung, weil für viele ältere Leute gar keine Arbeit mehr da sein wird, der volle Anspruch aber erst mit 67 erreicht ist».
«Völlig überrascht» von 494 Euro Rente
Der Fehler läge im System, meinte der Jurist Joachim Steinhöfel. «Das Umlageverfahren ist eine Zeitbombe, die in absehbarer Zeit detonieren wird, weil der Vertragspartner abhanden gekommen ist – uns fehlen die jungen Menschen.»
Viele Aspekte – wenig Zeit. Gar nicht so einfach, alles unter einen Hut zu bekommen: Arbeitsanreize für Ältere, bessere Privatvorsorge, Generationengerechtigkeit und natürlich am besten auch noch individuelle Lösungen für einzelne Berufsstände.
Nachdem Sandra Maischberger den oft bemühten Dachdecker eingeladen hatte durfte natürlich auch die verarmte Rentnerin nicht fehlen: Editha Volmer, verrentete Krankenschwester, erzählte voll Bitterkeit von ihrem Leben mit 494 Euro im Monat – nach 40 Arbeitsjahren. «Völlig überrascht worden» sei sie von der Höhe ihrer Bezüge, da sie «blind an die Rentengarantie von Herrn Blüm geglaubt» hatte.
Jens Spahn steckte artig die Prügel der wütenden Rentnerin ein – obwohl er mit seinen gerade mal 30 Jahren wohl am wenigsten für ihre Situation konnte.
Der Chef des Instituts für Wirtschaft, Michael Hüther, warnte davor, «wegen Einzelbeispielen eine Diskussion über Änderungen nicht zuzulassen». Zudem schilderte er sehr anschaulich die Komplexität des Rentensystems: «Es gibt drei Stellschrauben: Rentenhöhe, Beitragssatz und Renteneintrittsalter».
An allen Stellschrauben drehen
Wenn da nun am einen Ende unbedacht herumgedreht wird, ist auf der anderen Seite schnell eine Schraube locker – besonders dann wenn man in einer 75-minütigen Talkshow versucht, alle drei Stellschrauben gedanklich neu zu justieren. Die genannten Möglichkeiten waren vielfältig – sie reichten von höheren Beitragssätzen (Dreßler) bis hin zum völligen Ausstieg aus dem Umlageverfahren (Steinhöfel). Irgendwo dazwischen lag Jens Spahn, der von «rechtzeitiger Ehrlichkeit» sprach und sich gleichzeitig zuversichtlich zeigte, dass «das Umdenken zu mehr Flexibilität schon eingesetzt hat.»
Diese Flexibilität wird Editha Volmer ebenso wenig helfen wie Dachdecker Fülle. Ihre Rentenansprüche sind nicht mehr verhandelbar – und «wie es in 10 bis 15 Jahren ist, können wir nicht sagen» (Spahn). Bürger, die von der Rente mit 67 de facto betroffen sein werden, fehlten in der Runde – ihre Meinung dazu war also nicht festzustellen.
Bei Menschen bei Maischberger sind Fehler der Vergangenheit und verschiedene Zukunftskonzepte zu einer viel zu umfangreichen Faktenmasse verschmolzen. Vier Experten haben einander Zahlen, Vorwürfe und Ideen um die Ohren gehauen – wenig Konkretes ist herausgekommen. Eine noch stärkere Eingrenzung des Themas wäre hilfreich gewesen, um Ordnung in den Wust aus Aspekten zu bringen und etwas mehr Klarheit zu schaffen.
cvd/news.de
Unsere Politiker vertreten nicht das deutsche Volk, sondern sie benutzen ihre Macht um sich selbst abzusichern. Überhöhte Pensionen und eine gesundheitliche Absicherung (Beihilfe) von der jeder Bürger träumt. Ohne eigene Beiträge erhalten Beamte und Politiker Sozialleistungen für die Ottonormalverbraucher aufkommen muss. Ohne dass ich den angekündigten Sparhaushalt schon kenne, kann ich Ihnen versichern, dass es keine Einschränkung bei den Pensionen gibt, aber die rente noch immer als zu hoch getracht wird.
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