«Kino ist eine komische Kunstform»
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Von news.de-Redakteurin Corina Broßmann
Artikel vom 26.08.2010
Heute kommt die starbesetzte Komödie Das Leben ist zu lang in die Kinos. Regisseur Dani Levy hat im Vorfeld mit news.de über den Karikaturenstreit, Hitler und die gesellschaftliche Relevanz von Humor geredet.
Herr Levy, Das Leben ist zu lang beschäftigt sich mit dem Sein und Schein im Filmgeschäft und ist wie auch schon Mein Führer eine sehr mutige Komödie geworden. Hat man aber auch immer noch ein bisschen Angst, jemanden vor den Kopf zu stoßen?
Levy: Angst natürlich schon, aber Angst muss ja nicht immer nur ein schlechter Begleiter sein. Sie kann auch kreativ machen. Da springe ich gern bewusst über meinen Schatten und werde zum Dani in der Löwengrube. Gerade das ist es, was mich kitzelt.
Was war die Motivation, einen Film über einen im Leben strauchelnden Regisseur zu machen, der in einer Welt spielt, von der nicht klar ist, ob sie real oder fiktiv ist?
Levy: Zum einen hat mich das Thema Midlife crisis gereizt. Wir kommen schließlich alle irgendwann an den Punkt, an dem wir Bilanz ziehen, ob wir im Leben bisher erreicht haben, was wir uns erträumt haben oder nicht. Ob wir mit den Werten, die uns umgeben, zufrieden sind. Zum anderen hatte ich Lust, etwas darüber zu machen, was ich so liebe, nämlich Film und Kino. Und darüber, was ich tagtäglich mache: Bilder kreieren und Geschichten von Menschen auf die Leinwand bringen. Das ist ja schon eine komische Kunstform: Wir gaukeln Realität vor. Wir spielen mit den Gegensätzen von Schein und Sein, Wirklichkeit und Poesie, Lüge und Wahrheit.
Wieviel Dani Levy steckt in Alfred Seliger?
Levy: Es gibt natürlich einige Gemeinsamkeiten wie Job, Alter, Sternzeichen und Kinder, aber trotzdem bleibt Alfi Seliger eine fiktionale Person. Da habe ich mir zum Glück ein bisschen einen Albtraum von der Seele geschrieben und die Gefahren, die um meine Existenz herum lauern, thematisiert und bebildert. Ich habe ein mögliches Schicksal vorweggenommen, um mich davor zu schützen.
Ihr Protagonist will einen Film über den Karikaturenstreit produzieren lassen. Was wollen Sie politisch damit aussagen?
Levy: Der Mohammed-Karikaturenstreit hat uns ja alle erschüttert, das war schließlich eine Attacke auf die Pressefreiheit, Gedankenfreiheit, Meinungsfreiheit und nicht zuletzt die Humorfreiheit. Natürlich haben die Dänen damals auch bewusst provoziert, aber wir sind es in unserer Kultur nun einmal gewohnt, über alle heiligen Kühe lachen zu dürfen. Dass einige Muslime dann so dagegen angekämpft haben, war schon ein Affront für uns und unsere freiheitlichen Werte. Das hat mich als zeitgeschichtliches Ereignis extrem berührt und bewegt.
Seliger muss sich im Film sagen lassen, dass er einen Film über Religionskonflikte machen könne, weil er Jude sei. Eine weitere gewollte Parallele zu Ihnen?
Levy: Ja. Das habe ich im deutschen Feuilleton nach Mein Führer eins zu eins so lesen können.
Warum macht ein politischer Mensch wie Sie so gern Komödien?
Levy: Weil die Komödie mich von jeder Form von Betulichkeit und Vorsicht befreit. Sie ermuntert, mit scharfen Strichen zu zeichnen. Sie macht durch Überspitzung gesellschaftliche und zwischenmenschliche Konflikte sichtbar. Sie kann aufwirbeln und gleichzeitig Trost geben. Wir lachen über Sachverhalte, die wehtun, und erkennen sie trotzdem und gerade deshalb. Die Komödie wird total unterschätzt in unserer Gesellschaft. Sie kann viel mehr als nur für uns entspannende Unterhaltung zu sein.
Sie brechen die Form in Das Leben ist zu lang aber auch immer wieder auf, indem sie neue Ebenen einschieben.
Levy: Ja, ich glaube, im Grunde bin ich Anarchist. (lacht)
Dani Levy (52) ist ein Schweizer Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur. Bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2005 wurde seine Filmkomödie Alles auf Zucker mit sechs Lolas zum großen Gewinner. 2007 lief Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler in den deutschen Kinos an, in dem Helge Schneider als Adolf Hitler auftritt. Levy lebt mit seiner Frau, der Maskenbildnerin Sabine Lidl, und zwei Kindern in Berlin-Schöneberg.
Kinostart von Das Leben ist zu lang: 26. August 2010.
ruk/ivb/news.de
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