Good Shoes «Ein drittes Album steht in den Sternen»

SchrĂ€ge Riffs, tolle Melodien und schlaue Texte aus den Vororten Großbritanniens: Good Shoes vereinen all das. Im Interview sprechen sie ĂŒber Geldsorgen, Krach in der Band - und ĂŒber Cricket.

Gute Laune, gute Lieder: Will Church (links) und Steve Leach von den Good Shoes. Bild: news.de

Es ist eine typische Geschichte: Mit Think Before You Speak, einem DebĂŒtalbum voller Hits, haben Good Shoes in Großbritannien viel Aufsehen erregt. Mehrere Songs waren Nummer 1 der Indie-Charts, Good Shoes waren mit RockgrĂ¶ĂŸen wie den Kaiser Chiefs und Maximo Park auf Tour. Mit dem Nachfolger No Hope, No Future setzten sie auf etwas ernstere Töne, und schon scheint es vorbei zu sein mit dem Erfolg. Wir trafen Will Church, den neuen Bassisten der Band, und Gitarrist Steve Leach beim Highfield-Festival. Es wurde ein GesprĂ€ch ĂŒber Geldsorgen, Diebstahl, Probleme innerhalb der Band – und Hits auf Knopfdruck.

Wie lÀuft die Tour?

Church: Wunderbar. Wir hatten wirklich einen tollen Sommer. Mit dem Auftritt beim Hurricane fing es schon sehr gut an, und dann wurde es immer besser.

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Leach: Beim Hurricane habe ich zum ersten Mal The Strokes live erlebt, das war auf jeden Fall etwas Besonderes fĂŒr mich. Auch das Dockville-Festival in Hamburg hat viel Spaß gemacht.

Gab es auch irgendwelche bösen Überraschungen?

Church: Blöderweise wurden uns am vergangenen Wochenende ein paar Notebooks geklaut. Das war mies. Aber das war zumindest besser als letztes Jahr beim Dockville-Festival: Da haben wir mit den Jungs von Metronomy zusammen Cricket gespielt und unser SĂ€nger Rhys hat den Ball aufs Dach von einer Lagerhalle geschlagen. Er ist dann hochgeklettert, um den Ball wieder zu holen – und das war echt halsbrecherisch.

Cricket? Das scheint mir eine ziemlich exotische Backstage-BeschĂ€ftigung zu sein.

VIDEO: Video-Interview mit Good Shoes
Video: news.de

Church: Wir spielen oft. Wir spielen aber auch Fußball. Leider finden wir nicht so oft andere Bands, die gegen uns antreten wollen. Steve und ich sind ein ziemlich starkes Duo, vielleicht liegt es daran.

Apropos andere Bands: Auf No Hope, No Future klingen Good Shoes fast wie eine komplett andere Band, wenn man die Platte mit eurem DebĂŒt vergleicht. Wolltet ihr euch absichtlich davon distanzieren oder war das einfach eine organische Weiterentwicklung?

Leach: Es war ein ziemlicher Kampf, das zweite Album ĂŒberhaupt hinzukriegen. Wir haben sehr lange gebraucht, und gerade zu Beginn war die Arbeit daran ziemlich unproduktiv und intensiv in einem negativen Sinn. Wir haben einfach ein bisschen die Perspektive verloren. Das lag auch daran, dass wir uns weiterentwickeln wollten, gleichzeitig aber das Ethos bewahren, das schon auf Think Before You Speak sichtbar war. No Hope, No Future ist das, was dabei herauskam. In meinen Augen ist es immer noch Pop und einigermaßen zugĂ€nglich. Aber man merkt sicher, dass sich unser Songwriting verĂ€ndert hat. Wir haben diesmal mehr versucht, Sachen zu zerstĂŒckeln oder Elemente zusammenzufĂŒhren, die normalerweise nichts miteinander zu tun haben.

Ging es auch darum, sich ein bisschen mehr von anderen Indiepop-Bands abzugrenzen? Ihr wart zum Beispiel mit den Kaiser Chiefs und Maximo Park auf Tour, und sie sind das beste Beispiel dafĂŒr, dass dieser Sound ein bisschen zu allgegenwĂ€rtig geworden war.

Church: Auf jeden Fall. Ich war bei diesen Shows zwar noch nicht dabei. Aber ich persönlich möchte nicht unbedingt in einer Band wie den Kaiser Chiefs spielen. Sie sind enorm erfolgreich, aber musikalisch sind sie ganz weit weg von den Dingen, die ich mag. Und statt sich weiterzuentwickeln oder sich selbst herauszufordern, setzen sie jetzt auf die immer gleiche Formel. Sie haben damit großen Erfolg und viele Hits gehabt. Diese Hits werden auch bleiben – ich verstehe nicht, warum man sie jetzt immer wieder neu schreiben muss, statt den Leuten zu beweisen, dass man auch etwas anderes kann.

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Leach: Aber diese Strategie lohnt sich fĂŒr sie. Sie haben damit einen ziemlich ansehnlichen Lebensstandard erreicht, und ich kann mir gut vorstellen, dass man den dann auch behalten will. Also geht man auf Nummer sicher.

Wenn euch das abstĂ¶ĂŸt, werdet ihr mit dem nĂ€chsten Album also definitiv wieder auf Weiterentwicklung setzen?

Leach: Ja, wir wollen neue Bereiche erkunden, aber es sollte auch kein totaler Bruch werden. Es ist auch wichtig, ein Element der KontinuitÀt zu haben. Das ist uns mit dem zweiten Album nicht gelungen.

Gibt es aktuelle Bands, denen ihr nacheifern wollt, die euch inspirieren?

Leach: Ich mag sehr gerne die Platte von Merriweather Post Pavillon, auch In Rainbows von Radiohead finde ich klasse. Sie haben einen tollen Sound, voller Tiefe. Wir probieren schon ein bisschen mit neuen StĂŒcken herum, mal schauen, ob wir das hinbekommen. Leider haben wir keine unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten, um unseren Sound so umzusetzen, wie wir uns das vorstellen. Das wĂŒrde Vieles erleichtern.

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Video: YouTube

Es ist also auch möglich, dass es von den Good Shoes gar kein drittes Album mehr geben wird?

Leach: Das steht in den Sternen. Ich drĂŒcke die Daumen. Bis jetzt können wir jedenfalls nicht von unserer Musik leben, um ehrlich zu sein.

Ist es dann besonders wichtig, nach neuen Einnahmequellen wie Werbespots oder Merchandising Ausschau zu halten?

Leach: Auf den letzten Tourneen haben wir uns schon sehr stark ums Merchandising gekĂŒmmert. Das ist definitiv wichtig. Es wĂ€re fahrlĂ€ssig, das völlig außer Acht zu lassen und sich nur auf die Musik zu konzentrieren. Wir mĂŒssen ja schließlich auch eine Menge Rechnungen bezahlen.

Good Shoes geraten aber nicht in Versuchung, plötzlich nach dem Mainstream zu schielen und nur noch Lieder zu schreiben, die maßgeschneidert fĂŒrs Radio sind?

Leach: Nein. Und selbst wenn: Es ist gar nicht so einfach, Hits auf Knopfdruck zu schreiben.

Was wĂŒrdet ihr machen, wenn es nicht mit einem nĂ€chsten Album klappt? Gibt es einen Plan fĂŒr die Zeit nach der Karriere?

Leach: Keine Ahnung, darĂŒber mache ich mir noch keine Gedanken. Dann fĂ€llt mir schon was ein.

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