So., 12.02.12

3D-Tag bei Arte Gruseln mit Pappbrille

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen

Artikel vom 28.08.2010

«3D-Tag» bei Arte: Der Kultursender zeigt Alfred Hitchcocks Psychothriller Bei Anruf Mord und Jack Arnolds Horrorfilm Der Schrecken vom Amazonas in dreidimensionaler Fassung. Die Filme können ohne 3D-Glotze geschaut werden. Lediglich eine Rot-Cyan-Brille wird benötigt.

27.07.2010
3D im Kino
Alles schon da gewesen
Video: news.de

Nachdem 3D-Blockbuster wie Avatar und Alice im Wunderland Millionen Menschen an die Kinokassen lockten, haben auch deutschsprachige Medien diese Technologie für sich entdeckt: Frauenmagazine wie Madame und Jolie integrierten 3D-Modestrecken in ihre Augusthefte, die Bild-Zeitung veröffentlicht am 28. August eine komplette Ausgabe in dreidimensionaler Optik.

Am selben Tag widmet sich auch Arte dem Thema und strahlt zwei Film-Klassiker in 3D aus. Obwohl Alfred Hitchcocks Bei Anruf Mord (20.15 Uhr) und der Abenteuerfilm Der Schrecken vom Amazonas (23.35 Uhr) bereits im Jahr 1954 entstanden, wurden sie mit dem so genannten Natural Vision 3D-Verfahren gedreht und mussten daher nicht nachbearbeitet werden.

Warum Hitchcock in 3D drehen musste

Mit den wilden Kamerafahrten aus Avatar hat die Bildsprache aus Hitchcocks Spannungsklassiker aber so gar nichts gemein. Der Suspense-Meister inszenierte den Film mit minimalem Aufwand und einer Drehzeit von nur 36 Tagen wie ein Kammerspiel. Um die damals noch wenig entwickelte 3D-Technik zur Geltung zu bringen, wurden viele Szenen aus der Untersicht aufgenommen. Es ist der einzige Film von Hitchcock, der in 3D gedreht wurde. Gedreht werden musste. Hitchcock hatte für diese Technik wenig übrig, wurde von Warner Bros. aber dazu gedrängt, den Film in 3D zu drehen. Denn die komplexe Technik sollte eine Waffe im Kampf gegen das Kinosterben sein.

Auch weil die zugehörigen Brillen nicht überall ausgehändigt wurden, schlug die 3D-Fassung nicht wirklich hohe Wellen. Doch auch so wurde Bei Anruf Mord zwar kein ganz großer, aber doch ein einschlägiger Hitchcock - entstanden zu einer höchst produktiven Schaffensperiode des eigenwilligen Briten. Grace Kelly spielt die begüterte Gattin eines weit weniger begüterten Ex-Tennisprofis (Ray Milland). Als der von einem Seitensprung seiner Frau mit dem charmanten Literaten Halliday (Ray Milland) erfährt, beschließt er, sie ermorden zu lassen. Der Gehörnte kann einen ehemaligen Schulfreund zur Tat erpressen - doch der Komplize patzt. Die schöne Margot ersticht den Attentäter mit einer Schere - steht nun aber plötzlich selbst unter Mordverdacht.

Rein handwerklich nutzt Hitchcock die 3D-Technik, um dem Zuschauer etwa das Mobiliar plastisch vor Augen zu führen: Ohrensessel, Tischlampen, die Flaschen der Hausbar. Aber schon allein um die damals 23 Jahre alte Grace Kelly als ebenso melancholische wie makellose Schönheit wahrhaft im Raum agieren zu sehen, lohnt die Dreidimensionalität. Mehr noch: Wenn nicht alles täuscht, ist dies der einzige Film überhaupt, in dem Kelly parliert, lächelt, leidet und - vor allem - küsst, als geschähe dies mitten unter uns.

Dreidimensional ist das Monster noch gruseliger

Kurz vor Mitternacht verspricht Jack Arnolds legendärer Abenteuerfilm Der Schrecken vom Amazonas Unterwasseraufnahmen und raffinierte Gruseleffekte mit einem schuppengepanzerten Kiemenmenschen - ebenfalls in 3D. Da letzterer im Original nur schwarzweiß ist, ist das Farbbrillenverfahren hier kein Verlust. Und das Monster aus dem Amazonas natürlich noch etwas gruseliger in Rot-Blau-3D.

Das urzeitliches Kiemenwesen wird in der wilden Flusslandschaft des Amazonas von einer Gruppe von Forschern entdeckt. Schnell werden die Jäger zu Gejagten und zu Gefangenen in der Lagune, denn die Kreatur ist in Liebe zu der einzigen Frau in der Gruppe entbrannt.

Eine eigens angefertigte submarine Doppelkamera sorgte dafür, dass die Macher um Arnold das Horrorspektakel als «ersten 3-D-Unterwasserfilm» ankündigen konnte. Dass der Kiemenmensch bis heute eine große Fangemeinde hat, liegt nicht nur an dem genialen Kostüm, sondern auch daran, dass Arnold sich mit den Skriptschreibern schnell einig war, ein sympathisches Monster zu erschaffen, das man wegen seiner tragischen Existenz und unerfüllbaren Liebe bemitleidet. Es mordet zwar, verteidigt so aber nur seinen Lebensraum, außerdem fallen ihm nur entweder unwichtige oder unsympathische Expeditionsmitglieder zum Opfer.

Hier gibt es die passenden 3D-Brillen

Die für beide Filme passenden Rot-Cyan-Brillen sind in der September-Ausgabe des Arte-Magazins zu finden. Wer lieber selbst basteln möchte, findet unter www.arte.tv/3d eine Anleitung. Aber auch die der Bild-Zeitung (Ausgabe vom 28. August) beigelegten Pappbrillen mit den farbigen Folien sind, so verrät Arte schmunzelnd am Rande, auch für Hitchcock und das Urzeitmonster tauglich.

Übrigens: Hitchcock hatte sicher gute Gründe für seine Skepsis gegenüber 3D, anders als die Hollywood-Studios heute, die Filme wie Avatar und Alice im Wunderland als aufwendig beworbenes Erlebnis mit neuartiger 3D-Brille, ausgeklügelten Raumtiefe-Effekten und teuren Ticketpreisen betreiben. Mit Milliardeninvestitionen in Kinos, Kameras, Projektionstechniken. Was vom Publikum genauso mit gemischten Gefühlen aufgenommen wird wie Fußball in 3D.

Bei Anruf Mord, 28. August, 20.15 Uhr, Arte.
Der Schrecken vom Amazonas, 28. August, 23.35 Uhr, Arte.

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