Von news.de-Mitarbeiter Paul Salisbury
Für seine neue Regiearbeit The Expendables versammelt Sylvester Stallone ein Ensemble von Actionveteranen, das in diesem Kinosommer seinesgleichen sucht. Leider bleibt das Casting die einzig herausragende Leistung des hohlen Spektakels.
Kaum eine Filmankündigung des vergangenen Jahres ließ das Herz von eingefleischten Actionfans höher schlagen als die Nachricht, was für schweres Geschütz Sylvester Stallone für sein neues Werk auffährt.
Der einstige «Italian Stallion» nahm bereits für seine letzten Rambo- und Rocky-Aufgüsse selbst auf dem Regiestuhl Platz und erntete, außer von Jean-Claude Van Damme und Steven Seagal, von fast allen Actiongiganten der letzten drei Dekaden ein «Daumen hoch» für sein Mammutprojekt The Expendables: Jet Li, Dolph Lundgren, Eric Roberts, Mickey Rourke, Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis, sie alle wollten dabei sein, wenn Stallone eine alternde Eliteeinheit auf ihre letzte Mission schickt. Zu diesen Altmeistern des Haudrauf-Kinos gesellen sich als Zugabe noch Actionexperten der Gegenwart, von denen der bekannteste wohl The Transporter-Star Jason Statham sein dürfte.
Hut ab, Herr Stallone, da haben Ihre Casting-Agentinnen ganze Arbeit geleistet! Was kann mit dieser Besetzung schon schief gehen?, könnte man sich fragen. Nun, der Film, der ab dem 26. August nun auch in den deutschen Kinos zu sehen ist, liefert die ernüchternde Antwort: so Einiges.
Die guten Seiten des Films ...
Aber zunächst zu den guten Seiten von The Expendables, die man als die altbewährten Vorzüge des Krawall-Kinos der besagten vergangenen Jahrzehnte zusammenfassen kann: Es gibt reichlich Prügelszenen, Schießereien, bombastische Explosionen, coole Sprüche, stählerne Körper und schöne Frauen zu sehen. Anders gesagt: Man bekommt genug von dem, was man erwartet und wofür man wohl auch in erster Linie an der Kinokasse löhnt. In Mr. Stallones einfacher Sprache ausgedrückt: «Ich wollte einen 80er-Jahre-Actionkracher mit der Technologie von heute machen.»
Und man muss auch Stallones Arbeit hinter der Kamera zugestehen, dass die meisten der Actionszenen solide bis hervorragend inszeniert sind, wenn auch mit Nachbearbeitung am Rechner viel nachgeholfen wurde. Denn wer genau hinsieht, wird feststellen: Auch Sylvester Stallone hat den Film 300 geschaut und steht mittlerweile offensichtlich mehr auf digitales als auf herkömmliches Filmblut aus der Tube. Und apropos Technologie von heute: Die kam auch nicht zu knapp bei den Gesichtern der Muskelmänner zum Einsatz. Besonders bei den Close Ups von Stallone und Rourke dürfte beim Zuschauer regelmäßig der innere Botox-Alarm schellen.
... und die schlechten Seiten
Bei den Mängeln sollte man zunächst und vielleicht unfairer Weise bei der Story beginnen. Denn welchen hart gesottenen Actionfan stören schon Logiklöcher und altbackene Handlungsmuster, solange es nur ordentlich wummst und kracht? Dennoch muss man feststellen, dass im Kinojahr 2010, in dem ein Film wie zuletzt der Megahit Inception seinem großen Publikum beides geben kann (hervorragende Action und eine mitreißende Geschichte) die Story um eine Spezialeinheit, die bei einer Mission in Südamerika in einen Hinterhalt der Geheimdienste gerät, einfach etwas dünn ist.
Und sorry, Mr. Stallone, aber dass die CIA sich als wahrer Schurke hinter dem Ganzen entpuppt und nicht mehr Russen oder Vietkong die Bösewichter sind, ist heutzutage alles andere als revolutionär. Diese Wendung ist spätestens seit dem letzten James Bond ein alter Hut.
Noch mehr stört bei der unoriginellen ArbeitsbeschaffungsmaßnahmeArbeitsbeschaffungsmaßnahmen (kurz ABM) sind in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit von der Arbeitsagentur bezuschusste Tätigkeiten auf dem sogenannten zweiten Arbeitsmarkt, um Arbeitssuchenden bei der Wiedereingliederung in eine Beschäftigung zu helfen oder ein geringes Einkommen zu sichern. (ABM) abgehalfterter Actionstars aber, dass im Gegensatz zu Werken wie etwa dem jüngeren Van-Damme-Vehikel JCVD fast jegliche Ironie fehlt. Bei The Expendables wird eine riesige Testosteron-Party gefeiert und so getan, als hätte es die Neuerfindung des moderneren Helden mit Brüchen und dem richtigen Schuss Selbstironie nie gegeben.
Stallone verkauft seine beinharte, eindimensionale Heldenmär als Old-School-Action für Liebhaber. Übersetzt heißt das bei The Expendables leider: Viel Lärm um zu wenig. Und so muss man trotz ansehnlicher Umsätze des Streifens in Stallones Heimatland sagen, dass die sonst für jeden Schund zu habenden Seagal und Van Damme vielleicht gar nicht so dumm waren, auf Stallones Einladung zum Klassentreffen der Stiernacken mit einer Absage zu antworten.
Denn The Expendables bleibt nüchtern und, ohne Nostalgiebrille betrachtet, seinem Titel treu und entpuppt sich als durchaus verzichtbar. Bleibt nur zu hoffen, dass Stallones Hauptfigur Barney Ross es nicht seinem Artverwandten John Rambo gleichtut und noch dreimal wiederkommt. Manchmal ist der Ruhestand einfach die bessere Wahl, Sly.
Titel: The Expendables
Regie: Sylvester Stallone
Darsteller: Sylvester Stallone, Jet Li, Doplh Lundgren, Jason Statham, Mickey Rourke
Produktionsort: USA 2010
FSK: ab 16 Jahren
Filmlänge: 100 Minuten
Kinostart: 26. August 2010