Ein charmantes Monster
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 27.08.2010
Mit ihrem Romandebüt Bonjour Tristesse sorgte die 18-jährige Industriellentochter Francoise Sagan für viel «Oh, là, là». Arte zeigt den Kinofilm über die französische Kultautorin erstmals im TV. Er beschreibt Sagans Leben zwischen Luxus, Drogen und Einsamkeit.
Glücksspiel, schnelle Autos, Alkohol und Drogen: Das war das Leben der französischen Kultautorin Francoise Sagan. Nach der Veröffentlichung ihres freizügigen Debütromans Bonjour Tristesse lebte diese nach dem Motto «Sex, Drugs and Rock’n’Roll». Jährlich lud sie die Pariser Avantgarde in das bis dahin verschlafene Fischerdörfchen St. Tropez ein und machte das Nest so zu einem Zufluchtsort der Reichen und Schönen. Sie gab ihren frühen Geldsegen auf Rat ihres Vaters schnell wieder aus. Mit der Zeit versank Sagan jedoch immer tiefer in einem Sumpf aus Drogen und Schulden.
Ein Stoff, der wie für ein Biopic geschaffen scheint. Doch Regisseurin Diane Kurys verspielt die Chance, aus diesen Zutaten einen packenden Film zu basteln. Nach einer amüsanten ersten Hälfte über das Glamour-Leben der Skandalautorin gelingt der Umschwung hin zum tragischen Verfall nur bedingt. Arte zeigt den Zweiteiler Bonjour Sagan (der 2008 im Kino lief) als TV-Erstausstrahlung am 27. August (ab 20.15 Uhr).
Debüt mit einem provokativen Werk
Der Film fasst Francoise Sagans (dargestellt von Sylvie Testud) aufregendes Leben in kurzen Episoden zusammen. Dabei springt er von einer Szene zur nächsten, ohne dem Zuschauer darzulegen, welche Zeiträume dazwischen liegen.
Die erste Hälfte des Films beschäftigt sich mit dem ersten schriftstellerischen Erfolg: Bonjour Tristesse. Die sexuell freizügige Geschichte über ein junges Mädchen, das unter der Geliebten ihres Vaters leidet, avancierte zum weltweiten Bestseller. Die erste Auflage von wenigen tausend Exemplaren war 1954 schnell vergriffen. In fünf Jahren verkaufte es sich weltweit vier Millionen Mal. Ab diesem Zeitpunkt war Sagan Jahrzehnte lang eine der bekanntesten französischen Schriftstellerinnen. Ihre von der Kritik bald als leichte Kost verschrienen Werke galten allgemein als provokativ.
Auf den plötzlichen Reichtum reagiert die Schriftstellerin mit panischem Geldausgeben. Auf der Welle ihres Ruhms, der im Laufe ihres Lebens immer wieder auf- und abebbt, ist sie Dauergast in teuren Restaurants und Bars. Ständig auf der Suche nach Liebe verzweifelt die junge Frau an ihrer Einsamkeit. Die sie umgebenden Schmarotzer helfen ihr da wenig. Zumindest einen kleinen Kreis von Personen, denen sie vertraut, kann Sagan doch um sich scharen. Als jedoch auf die Morphiumsucht die Kokainabhängigkeit folgt, geht ihr Leben endgültig den Bach runter.
Bonjour Sagan krankt an den typischen Symptomen eines Biopics. Es gibt enorm viel zu erzählen. Anstatt sich aber auf bestimmte Episoden zu konzentrieren (wie etwa Aviator von Martin Scorsese), versucht Kurys, eine möglichst große Bandbreite abzudecken. Natürlich lässt sie damit immer noch bestimmte Elemente des Lebens von Francoise Sagan außen vor – etwa ihr politisches Engagement. Manches zu verschweigen, ist in einem Biopic ja durchaus legitim. Dennoch fehlt dem Film in der zweiten Hälfte eine klare Struktur. Zwar erzählt jede Szene etwas, doch Kürzungen hätten in diesem Teil gut getan und zu mehr Stringenz verholfen.
Denn nach dem amüsanten ersten Teil, in dem sich Sagans Verfall nur vorsichtig abzeichnet, folgt schließlich eine überaus traurige zweite Hälfte. In dieser sieht der Zuschauer mit Schrecken der immer kränker aussehenden Autorin zu, wie sie sich selbst zugrunde richtet. Sie hat mit Absicht alles Geld verspielt und in Luxusgüter investiert. Nun sitzt sie vor einem Berg von Schulden.
Wunderbare Schauspieler, mittelmäßiger Film
Das Sehenswerteste an Bonjour Sagan ist zweifelsohne die beeindruckende Leistung von Sylvie Testud, die in Deutschland besonders durch ihre Rolle in Jenseits der Stille Bekanntheit erlangte. Sie schafft es, die vielschichtige Figur Francoise Sagan glaubhaft darzustellen, was aufgrund der Ambivalenz der Autorin einer wahren Meisterleistung gleichkommt. Die Nebenrollen hat Regisseurin Diane Kurys ebenso ausgezeichnet besetzt. Doch letztendlich retten auch die wunderbaren Schauspieler den Film nicht vor der Mittelmäßigkeit.
Fazit: Bonjour Sagan ist ein Film, der eine beeindruckende Lebensgeschichte erzählt. Doch die Entscheidung, sich letztlich vor allem auf die Leidensgeschichte der drogensüchtigen Autorin zu konzentrieren, überzeugt nur bedingt. Über das Werk der berühmten Schriftstellerin, also über den eigentlichen Grund ihrer Popularität, erfährt der Zuschauer nicht mehr als deren dürre Titel.
Bonjour Sagan, Zweiteiler, 27. August, 20.15 bis 23.25 Uhr: Ein charmantes kleines Ungeheuer und Blaue Flecken auf der Seele, Arte.
ivb/news.de
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