«Ich verneige mich!»
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Wann Christoph Schlingensief beerdigt werden soll, ist bisher noch nicht bekannt. Dafür ist im Internet ein Kondolenzbuch eingerichtet worden und einige TV-Sender ändern ihr Programm zu Ehren des verstorbenen Regisseurs.
Mehr als tausend Menschen haben bisher in einem Online-Kondolenzbuch (www.schlingensief.com) ihrer Trauer über den Tod des Regisseurs Christoph Schlingensief Ausdruck gegeben. «Du lebst in den Herzen vieler Menschen weiter», schreibt etwa Christian Bollay aus Weilheim auf der Internetseite.
Eine Beate aus dem Ruhrpott fragt: «Muss man zwischen den Sternen eigentlich mitmischen oder guckt man sich die Inszenierung einfach an? Christoph Schlingensief, der kreative Kopp, zieht leuchtende Spuren hinter sich her.» Und Wolfgang fasst sich kurz: «Ich verneige mich!»
Der Regisseur und Theater-Provokateur Schlingensief war am Samstag im Alter von 49 Jahren seiner schweren Krebserkrankung erlegen.
Berliner Staatsoper sucht Ersatz
Eigentlich sollte Schlingensief am 3. Oktober die Saison an der Berliner Staatsoper Unter den Linden eröffnen. Nach dem Tod des Regisseurs sucht das Opernhaus nach einer Ersatzlösung. Schlingensief war als Regisseur für die geplante Uraufführung der Oper Metanoia verpflichtet.
Die szenischen Proben hätten am Montag, zwei Tage nach seinem Tod, beginnen sollen. Ein Opernsprecher sagte auf Anfrage, es bleibe wie geplant bei einer szenischen Aufführung. Im Laufe der Woche werde geklärt, wie man dies stemmen wolle.
Zukunft von Biennale-Pavillon unklar
Auch die Gestaltung des Deutschen Biennale-Pavillons 2011 in Venedig ist durch Schlingensiefs Tod unklar geworden. In den kommenden Wochen soll geprüft werden, ob Ideen des Künstlers umgesetzt werden können.
Schlingensief habe für den Pavillon mit großem Enthusiasmus bereits eine Vielzahl von Themen und Details entwickelt, teilte Pavillon-Kuratorin Susanne Gaensheimer in Frankfurt mit. Die Chefin des Museums für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt hatte Schlingensief im Mai dieses Jahres beauftragt, den Deutschen Pavillon auf der 54. Biennale zu gestalten.
«Wir wussten um das Risiko», sagte MMK-Sprecherin Christina Henneke. Es habe aber nie einen «Plan B» gegeben.
Schlingensief im Fernsehen
Zu Ehren des Theaterregisseurs und Filmemachers haben die beiden TV-Sender 3sat und Arte ihr Programm geändert. 3sat strahlt am 24. August in einer Ausgabe von Kulturzeit extra (22.25 Uhr) ein Gespräch der Moderatorin Katrin Bauerfeind mit Schlingensief aus, in dem er mit ihr unter anderem über seinen «verkorksten Katholizismus» und über seinen Lebenswillen im Angesicht des Todes sprach.
Im Anschluss um 23.10 Uhr folgt das Stück, in dem der Regisseur seine Krebserkrankung inszenatorisch aufgearbeitet hat: «Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir», eine Produktion der Ruhrtriennale im Haus der Berliner Festspiele 2008. Um 0.40 Uhr kommt mit The African Twintowers ein Projekt, das 2005 als Spielfilm geplant war. Letztlich verarbeitete Schlingensief Fragmente daraus in mehreren Projekten und veröffentlichte es als «Unvollendete» in Form einer 18- Bilder-Installation auf der Berlinale 2008. Nun ist es unter anderem mit Irm Hermann, Klaus Beyer, Patti Smith und Robert Stadlober wieder zum Film geworden.
Der deutsch-französische Kultursender Arte bringt am 25. August um 21.35 Uhr die Dokumentation Christoph Schlingensief - Die Angst vor dem Fremden in mir als Erstausstrahlung. Die Filmemacherin Sybille Dahrendorf begleitete Schlingensief durch ein aufwühlendes Jahr seit der Wiederaufnahme seiner Arbeit nach der schweren Operation bei den Endproben von Kirche der Angst vor dem Fremden in mir.
Arte zeigt auch am 6. September um 23.25 Uhr die 95 Minuten lange Dokumentation Piloten aus dem Jahr 2007 von Cordula Kablitz-Post. Schlingensief wollte mit der Kunstaktion Die Piloten - Eine Talkshow in sechs Folgen, die nie ausgestrahlt wird überprüfen, wie heute Selbstdarstellung in den Medien funktioniert. Filmemacherin Kablitz-Post war bei der Entstehung des Projekts mit der Kamera dabei. 3sat wiederum plant für den 50. Geburtstag Schlingensiefs am 24. Oktober mehrere Sendungen zu Leben und Werk des Künstlers.
Ein Termin für die Beerdigung wurde noch nicht bekannt.
juz/car/ivb/news.de/dpa
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