Blood Red Shoes Mit Punk zum Rock

Steven Ansell (Foto)
Singen und Schlagzeug spielen: Steven Ansell von den Blood Red Shoes. Bild: ddp

Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Die Blood Red Shoes sind eine Überraschung der Festivalsaison. Auf dem Melt und dem Haldern-Festival überzeugte das Duo mit druckvollem Sound. Drummer Steven Ansell verrät, wie man auch zu zweit eine ordentliche Soundwand auf die Bühne stellt.

Ihr seid eine Band, die viel über soziale Netzwerke kommuniziert. Wie viel der Promotion läuft derzeit über diese Seiten?

Ansell: Sehr viel. Wir haben angefangen, als Myspace das Maß aller Dinge war, jeder war bei MySpace. Dort hatte man sein Demo-Tape hochgeladen, die CD war total out. Jetzt haben wir einen Twitter-Account und unsere Facebook-Seite. Wir sind dafür nicht mehr so viel auf Myspace unterwegs, weil dort die Leute nicht so spontan reagieren können. Twitter hingegen ist irre. Dort verlosen wir manchmal Gästelistenplätze und kaum zehn Minuten vergehen und die Plätze sind weg. Jeder kriegt die Nachrichten sofort aufs Handy.

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Bei Twitter folgen euch fast 4000 Leute. Habt ihr das Gefühl, dort «nur» eure Fans zu erreichen oder auch Interessierte?

Ansell: Naja, bei Twitter und Facebook kann man unsere Musik ja nicht hören, von daher ist es schon so, dass nur die Kontakt halten, die unsere Musik schon kennen. Aber es ist spannend, sich in den Dialog mit diesen Menschen zu begeben, die denken, dass die Blood Red Shoes ihr Ding sind.

Ihr verzichtet aber auf jemanden, der für euch die Nachrichten schreibt, oder?

Ansell: Wir haben nur für die professionelle Online-Promotion jemanden beim Label. Bei Twitter und Facebook sind es wir, live und direkt. Dort sieht man auch genau, ob wir gerade auf Tour sind oder nicht. Normalerweise posten wir sehr viel, wenn wir unterwegs sind natürlich nicht, weil wir viel seltener ins Internet kommen. Und zurück zur Frage: Ich mag nicht, wenn man lügt. Und jemanden zu bezahlen, damit er so tut, als wäre er ich, wäre ziemlich verlogen.

Ihr steht ja zu zweit auf der Bühne, da gibt es natürlich Grenzen, was die Instrumentierung angeht. Wie sehr versucht ihr eigentlich, die noch weiter hinauszuschieben? 

Ansell: Wir versuchen nicht, noch mehr Instrumente zu spielen. Ich kenne viele Bands, die das versuchen. Beispielsweise mit Backing-Tracks. Wir versuchen es auf unsere Art. Laura spielt ihre Gitarre so, wie es sich ergeben hat, eben weil wir eine Zweier-Band sind. Sie versucht zum Beispiel auf den tieferen Saiten die Bass-Linie zu spielen und gleichzeitig auf den höheren Saiten den eigentlichen Gitarrenpart. Sie spielt also zwei Sachen auf einmal. Ich mache mit den Drums auch viel, was normalerweise die Aufgabe eines Bassisten wäre.

Jetzt sprichst du davon, dass ihr mehr oder weniger die Lücken füllt. Ist es so, dass ihr euch am Sound von vier- oder fünfköpfigen Bands orientiert oder ist es eher zufällig so, dass euer Sound doch in so eine «komplette» Richtung geht?

Ansell: Also, ich denke, dass sich das so entwickelt hat. Wir wollten schon immer eine heavy Band sein und bei den Aufnahmen zu einer Platte zeigt sich eben, dass die Gitarre sehr heavy rüberkommen muss, um den nötigen Druck zu erzeugen.

Auf der Bühne bringt ihr ziemlich viel Energie mit. Gibt es da eigentlich noch Reserven?

Ansell: Kommt immer drauf an. Manchmal bist du schon ein wenig fertig, wenn du auftrittst. Wenn man sich dann aber irgendwie durchwurschtelt und die Energie kommt zurück, dann ist mehr drin, als man dachte. Aber ich bin immer ziemlich fertig nach einem Auftritt, so dass ich denke, dass da nicht mehr viel Energie übrig sein kann. Es ist aber ein Auf und Ab, von Show zu Show.

Heutzutage scheint sehr viel Live-Denke bei der Platten-Produktion dabei zu sein. Würdest du das unterschreiben?

Ansell: Ja, doch. Unser zweites Album sollte mehr nach Liveshow klingen, das war klar. Das erste sollte es eigentlich auch, ist am Ende aber ein wenig anders geworden. Das war auch ein Lerneffekt für uns. Wir waren neu und haben uns erst an die Studios und Produzenten gewöhnen müssen. Beim zweiten Album hatten wir dann eine klarere Linie, die wir zugleich besser umgesetzt haben. Wir wollten eben etwas rauer rüberkommen. Unser nächstes Album wird dann wohl etwas ausgefeilter, einige Texturen mehr beinhalten.

Ihr seht euch aber immer noch in erster Linie als Live-Band, oder?

Ansell: Ja, aber wir liegen ja nicht auf der faulen Haut. Unsere neue EP ist für den Anfang nächsten Jahres geplant. Trotzdem sehen wir uns immer noch mehr als Liveband, wobei wir den ganzen Studioprozess noch besser kennen lernen wollen und auch besser werden wollen. Aber das bringt neue Probleme mit sich: Wir werden echt zu kämpfen haben, die ausgefeilteren Songs dann auch live gut rüberzubringen.

Das nächste Album wird aber kein Unpluggedalbum oder mit Sinfonieorchester?

Ansell: Nee, das machen wir vielleicht mal, wenn wir alt sind oder uns die Ideen ausgegangen sind. Aber jeder Musiker hat diese verflixte Flause im Kopf, dass ein Orchester deine Songs spielt. Das klingt verführerisch, ist aber vor allem Egomassage. Wir brauchen sicher noch das ein oder andere Jahr, bevor wir solche Spirenzchen machen können.

Als Duo habt ihr doch sicherlich auch Vorteile – ich denke da an die Veranstalter, die euch vielleicht etwas billiger buchen können.

Ansell: Ja, klar. Das hat uns vor allem am Anfang sehr geholfen.

Und jetzt? Schleppt ihr jetzt als Ausgleich gleich drei Tourmanager mit?

Ansell: Nein, das nicht. Normalerweise besteht unsere TravelpartyDer Reisetross eines Künstler oder einer Band aus drei zusätzlichen Leuten, in dieser Woche sind es vier, weil wir für einige Clubshows noch einen Licht-Menschen brauchen. Ansonsten sind es der Manager, der Tonmann und der, der unsere Monitore im Blick hat.

Habt ihr immer noch einen Vorteil, so schlank unterwegs zu sein?

Ansell: Ja, klar. Aber wie gesagt, das hat vor allem am Anfang sehr geholfen. Wir hatten noch einen Typen, der beim Sound geholfen hat und uns auch noch durch die Gegend gefahren hat, das war's. Da braucht man keine Unsummen investieren, um auf Tour zu gehen. Keiner braucht ein Majorlabel, um auf Tour zu gehen und die Leute auf einen aufmerksam zu machen.

Eurer Rat an Nachwuchsbands ist also...

Ansell: ...keep it small"Bleibt klein" oder "Haltet es klein" . Das ist schon praktisch.

Die Blood Red Shoes spielen zu zweit Rock mit leichten Punk-Anklängen. Laura-Mary Carter und Steven Ansell gründeten ihre Band im Jahr 2005 und touren seitdem unermüdlich durch Großbritannien, Europa und die Welt. 

Blood Red Shoes live: 10.9. Berlin Festival, Berlin, 24.9. Reeperbahn-Festival, Hamburg, Deutschland-Tour im November/Dezember 2010 (alle Termine hier).

ivb/news.de

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