Wenn die Stille zum Albtraum wird
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Von news.de-Redakteurin Corina Broßmann
Artikel vom 23.08.2010
Er sieht aus wie David Bowie – und seine Thriller mischen den deutschen Buchmarkt auf wie der Popkünstler seinerzeit die Musikszene: Wulf Dorn. Heute erscheint nach dem Bestseller-Erfolg von Trigger sein zweiter Roman Kalte Stille.
Der zweite Thriller des Bestsellerautors Wulf Dorn beginnt gewohnt mysteriös mit einem rätselhaften Unfall. Bernhard Forstner liegt schwer verletzt in seinem Auto, als auf einer wenig befahrenen Straße plötzlich ein zweiter Wagen auftaucht. Eine Gestalt mit Taschenlampe kommt auf ihn zu, schnappt sich jedoch nur seine Aktentasche vom Rücksitz und überlässt ihn dann seinem Schicksal. Am selben Tag ist Forstners sechsjähriger Sohn Sven verschwunden. Nur eine Tonbandaufzeichnung, die in abrupter Stille endet, ist von ihm geblieben. Wie hängt das alles zusammen?
23 Jahre später versucht Jan Forstner mit seinem Leben klarzukommen. Der Tod seines Vaters und das Verschwinden seines Bruders sind noch immer nicht aufgeklärt. Jan ist Psychiater, steckt jedoch selbst in einer schweren Krise, nachdem er einen Pädophilen angegriffen hat. Nun bietet sich ihm die Chance für einen beruflichen Neuanfang in der Klinik seines Heimatortes, in der auch schon sein Vater als Psychiater arbeitete.
Dort holt ihn die Vergangenheit ein. Jan wird mit einem mysteriösen Selbstmord konfrontiert und gemeinsam mit der Journalistin Carla Weller kommt er einem Geheimnis auf die Spur, das sich seit vielen Jahren hinter den Klinikmauern verbirgt. Wird er vielleicht endlich herausfinden, was damals in der kalten Winternacht vor mehr als zwanzig Jahren geschah, in der ihm seine Familie genommen wurde?
Ein grausames Gesicht hinter der Fassade des Normalen
Ab jetzt entwickelt sich der Spannungsbogen langsam, aber umso eindrucksvoller. Wir kommen mit Jan Forster in seiner alten Heimat an, begleiten ihn beim Antritt seines neuen Jobs, treffen Nachbarn und alte Bekannte wieder - und haben doch nie das Gefühl, an einen Ort gekommen zu sein, an dem wir uns wohlfühlen könnten. Wir empfinden schmerzhaft nach, wie Forstner das nie aufgeklärte Verschwinden seines kleinen Bruders quält und wie er sind wir bald der Meinung, dass das Grauen, das in der Vergangenheit begonnen hat, hier noch lange nicht zu Ende ist.
Wir haben keinen Wissensvorsprung vor Jan Forstner, teilen bis zum Ende des Buches seine Zweifel, seine Unsicherheiten, seine Wut und seine Ängste. Wir glauben uns dennoch schon sehr früh - und vor ihm - , auf der richtigen Spur und den Urheber für alles Unheil ausgemacht zu haben, scheinen doch die Hinweise, die uns der Autor gibt, allzu offensichtlich. Umso mehr trifft es uns am Ende der Geschichte, wenn wir feststellen, dass wir die ganze Zeit auf der falschen Fährte waren.
Doch auch wenn wir Sherlock Holmes keine Ehre machen konnten, lehnen wir uns dennoch mit einem zufriedenen Lächeln zurück. Wir haben für wenige Stunden die Zeit um uns vergessen, haben mitgefiebert, mitgerätselt und uns von der gut erzählten Geschichte in ihren Bann schlagen lassen. Eine Geschichte um Eifersucht, Wahnsinn, Besessenheit und Zerstörung, die ihr grausames Gesicht hinter der Fassade des Normalen verbirgt und deren Ausmaße Stück für Stück in ihrer ganzen Tragweite fassbar werden. Sie lässt uns nachdenklich zurück, auch wenn wir das Buch längst beendet haben, denn wer weiß schon, was wirklich in den Köpfen und Seelen der Menschen, die wir zu kennen glauben, vor sich geht.
Die perfekte Mischung aus Verstörendem und Erleuchtendem, die uns Autor und Psychologe Wulf Dorn bietet, wird Kalte Stille zweifelsohne zu seinem zweitem Bestseller machen und den deutschen Buchmarkt genauso rocken wie sein Debütroman.
Wulf Dorn: Kalte Stille, Heyne, 16,99 Euro, Erscheinungstag : 23. August 2010.
car/ivb/news.de
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