So., 27.05.12

Krieg im Netz 20.08.2010 Autoren-Mobbing auf Wikipedia

Wikipedia (Foto)
Der Frieden der Wikipedia-Welt wird gestört - von enttäuschten Artikelschreibern, die ihrer Arbeit nicht nachgehen können, weil sie gemobbt werden. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiter Ronny Janke

Als Wikipedia 2001 aus der Offline-Taufe gehoben wurde, hatte das Team dahinter hohe Ziele. Inzwischen müssen sich die Verantwortlichen der Online-Enzyklopädie der Kritik wütender Autoren stellen - zum Teil nicht ohne Grund.

Was visionär begann, wird nun von der Realität und nur allzu menschlichen Problemen eingeholt. Schon 2009 wurde bekannt, dass immer mehr Mitwirkende des Wikipedia-Teams ihre ehrenamtliche Arbeit beenden. Mehr als 50.000 Autoren haben bis heute ihre Texter-Tätigkeit an den Nagel gehängt. Grund dafür sind neben dem verwirrenden Regelwerk, das nicht nur neue potenzielle Mitstreiter abschreckt, auch Machtkämpfe, die zwischen langjährig tätigen Autoren und Neulingen geführt werden.

Doch das war nicht immer so: Weniger als neun Jahre hat es gedauert, bis auf Wikipedia mehr als 14 Millionen Artikel in mehr als 200 Sprachen zusammengetragen wurden. Davon sind mehr als drei Millionen auf der englischen und über eine Million auf der deutschen Seite zu finden. Stand 2001 noch die Idee im Vordergrund, Wissen auf einem Online-Portal zusammenzutragen und mit der Menschheit zu teilen, hat das Projekt gerade in den vergangenen Jahren mehr und mehr Probleme zu bewältigen, denen sich jede kleine oder große Gesellschaft im Laufe der Zeit stellen muss.

Kontrollierte Freiheit

Eine Autoren-Elite hat sich herausgebildet und überarbeitet die Texte anderer Mitstreiter nicht nur, sondern löscht sie bei Nichtgefallen sogar gänzlich. Dabei sollte klar geregelt sein, wann ein Artikel auf Wikipedia online gestellt werden darf. Dieses Regelwerk gleicht jedoch einem undurchdringbaren Gesetzbuch, das von neuen Autoren nur selten in Gänze verstanden wird. Die in den ersten Jahren gelebte Offenheit des Projekts wurde mehr und mehr zurückgeschraubt und es entsteht der Eindruck, dass gewisse Autoren ihre administratorischen Zugriffsrechte, die sie auf alle Texte haben, nutzen, um darüber zu entscheiden, was und in welcher Form den Weg auf das Wissensportal finden darf.

Diese zum Teil ungerechtfertige Machtausübung sorgt nicht nur für Wut unter den Gegängelten, sondern auch dafür, dass sie sich enttäuscht von dem in der Anfangszeit hochgelobten Projekt abwenden. In den Autoren-Foren ist von Zensur und Mobbing die Rede, und die Offenheit, mit der Wikipedia einst geworben hat, wird längst nicht mehr ausgelebt. Wie in der Gesellschaft außerhalb des Internets, hat sich auch in der Netzkultur von Wikipedia mehr und mehr durchgesetzt, dass ausgegrenzt wird, wer sich nicht an die von einer Elite aufgestellten Regeln hält.

Wandel bei Wikipedia

Haben 2009 immerhin noch sechs Prozent aller registrierten Nutzer Wikipedia mit neuen Artikeln unterstützt, waren es in diesem Jahr bis heute lediglich drei Prozent. Doch nicht nur der Mitarbeiterschwund könnte Ursache sein für den Rückgang der Veröffentlichung neuer Artikel. Mittlerweile wird allen an Wikipedia Beteiligten klar, dass es nur noch wenige nicht bearbeitete Themengebiete gibt, aus denen sich ein sinnvoller Lexikoneintrag basteln lässt.

Eine mögliche Richtung, in die sich das Netz-Projekt entwickeln könnte, ist die, dass man bestehende Artikel dauerhaft auf Aktualität prüft und bei der Auswahl der noch zu schreibenden Neueinträge mehr auf Relevanz und Qualität achtet, statt Artikel online zu stellen, in denen jedes noch so klein gekochte Süppchen Erwähnung findet, nur um mit einem breitgefächerten Artikelangebot aufwarten zu können.

car/ivb/news.de
Leserkommentare (5) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Christian
  • Kommentar 5
  • 09.03.2012 17:38
 

Wikipedia ist das größte Müllportal des 21. Jahrhunderts. Wer da was reinschreibt ist doch selbst Schuld bzw. leidet an einer Profilneurose.

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  • Eusebius
  • Kommentar 4
  • 24.11.2010 16:47
 

Daß Wikipedia bei politischen oder geschichtlichen Themen, die der Denkweise des heutigen Zeitgeistes unterworfen sind, keine neutralen Informationen liefert, ist seit längerem bekannt. Bei der Nutzung von Einträgen zu diesen Themen ist daher besondere Vorsicht geboten. Interessant sind auch die Unterschiede zwischen Versionen verschiedener Sprachen. So ist z.B. das Thema Humangenetik in der deutschen Fassung ein Tabuthema, weil es den problematischen Bereich Diskriminierung berührt, während sich die englischsprachige Wikipedia diesem Thema ausgiebig widmet.

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  • Ernst
  • Kommentar 3
  • 09.11.2010 19:57
 

Sehr guter Beitrag, ich kann das als WP-Autor so auch bestätigen. Was da abgeht verstösst gegen die Genfer Konventionen. Echt. Als Autor muss man da ein sehr dickes Fell haben. Es geht soweit, dass einem WP-USer und Möchtegern-Admins nachspionieren und versuchen, die eigenen Anonymität (die einen Gottlob schützt) zu durchbrechen. Man bekommt Anrufe und Mails mit Beleidigungen, wenn manche die wahre Identität des Autors erraten oder analysiert haben. Der eigentliche Artikel spielt dabei keine Rolle mehr. Es geht nur um Macht. Die WP macht sich ja schon selbst lustig darüber: Wikipedia:ELKE

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  • Urs Wiehager
  • Kommentar 2
  • 20.08.2010 21:05
 

(Forts.)Gesellschaftswissenschaftler einige Artrikel auch hinterfragen. Aber diese Überheblichkeit geht mir manchmal auf die Nerven und wenn man sich so einige Diskussionsseiten anschaut , dann ist das manchmal Erbsenzählerei.

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  • Urs Wiehager
  • Kommentar 1
  • 20.08.2010 21:01
 

Ich kenne einen Musiker, über den auch in einem Wikipediaartikel berichtet wird. Allerdings gibt es eine Behauptung über ihn , die einfach nicht stimmt. Das habe ich in der Rubrik "Diskussion" bemängelt. Nach ein paar Sekunden wurde ich aufgefordert, doch bitte "die Regeln zu beachten". Ich kam mir schon vor , als würde ich von einer arroganten studentischen Hilfskraft bedient. So stellte sich heraus , das meine Quelle der Musiker selbst war, die des Artikelschreibers eine Zeitschrift. Ich nutze Wikipedia viel, um schnell mal etwas nachzuschlagen. Natürlich sollte man beispielsweise als

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