Von news-de-Redakteur Jens Kiffmeier, Berlin
Sie ist Supermutter, Sexsymbol und neuerdings auch Spionin: Angelina Jolie. Zur Premiere ihres neuen Agententhrillers weilt die Hollywood-Schönheit in Berlin - und zeigt sich vom Mega-Hype um ihre Person unberührt.
Promi-Alarm in der Hauptstadt: Agentin 00-Sex ist in Berlin! Allein die Ankündigung, dass Angelina Jolie persönlich zur Premiere ihres neuen Films Salt in Deutschland erscheinen würde, hat die Klatschpresse bereits Tage vorher ganz heiß gemacht. Doch nun, als der Moment endlich gekommen ist und die Schauspielerin zur Pressekonferenz den Ballsaal im feinen Hotel Adlon betritt, ist erst einmal wenig Hollywood-Glamour zu spüren.
Es gibt kein Blitzlichtgewitter. Und auch nicht das übliche Geschubse und «Angelina hierher»-Gebrülle der Fotografen. Zumindest nicht hier drinnen. Draußen vor dem Hotel hat sich eine dicke Menschentraube gebildet. Während sich dort pubertierende Jungen und Mädchen, alte Herren und viele Mütter mit ihren Fotohandys auf die Lauer gelegt haben, darf innerhalb des Hotels niemand Aufnahmen von der Frau machen, die weltweit am meisten abgelichtet wird.
Eine halbe Stunde hat sich Angelina Jolie für die Journalisten Zeit genommen. Die ersten Fragen drehen sich noch um ihren neuen Actionfilm, in dem sie die CIA-Agentin Evelyn Salt spielt. Als diese beschuldigt wird, für den russischen Geheimdienst zu spionieren, ergreift sie die Flucht, auf der sie anschließend Videokameras mit ihrem Unterhöschen zudeckt, Gegner mit umgebauten Feuerlöschern erledigt, durch Fahrstuhlschächte springt, mehrere Präsidenten vor dem Erschießen retten muss - und ihren Ehemann küsst, der vom deutschen Jungschauspieler August Diehl gespielt wird und der nun neben ihr auf dem Podium sitzt.
Angelinas Privatleben bietet viel Stoff für Filme
Ein Dreh, ganz nach Jolies Geschmack also? «Ja, es war ein großer Spaß», lässt sie alle wissen. Wie gut der Kuss mit August Diehl war, will sie aber lieber nicht verraten. «Ich küsse und rede nicht darüber», sagt sie geheimnisvoll, schaut zu August Diehl herüber und lacht. Es ist kein aufgesetztes Lachen, sondern ein herzliches, mit tiefer Stimme. Und man ahnt in diesem Moment, was August Diehl meint, wenn er seine berühmte Filmpartnerin in Interviews als «Kumpeltyp» beschreibt.
Doch welcher Typ Angelina Jolie wirklich ist, dieses Geheimnis kann auch an diesem Nachmittag nicht gelüftet werden. Dabei versuchen die meisten Anwesenden mit ihren Fragen, einen tiefen Einblick in ihr Privatleben zu bekommen. Kein Wunder, schließlich gibt es so viele Gerüchte und Geschichten über ihr früheres Sexleben, ihre Ehe mit Brad Pitt und ihre Tätigkeit als UN-Botschafterin, dass man wahrscheinlich alleine aus diesem Stoff viele Filme stricken könnte.
Doch Neuigkeiten in dieser Hinsicht bekommt man nur mit viel Mühe aus ihr heraus. «Ich lebe mein Leben und mache meinen Job», bügelt sie zunächst die Fragen nach ihrem Leben neben der Schauspielerei ab. Sie macht das aber ganz freundlich. Kerzengerade sitzt sie in ihrem schlichten, petrolfarbenen Kleid auf der Bühne, lächelt und antwortet auf jede Frage mit kurzen Sätzen – auch wenn sie doppelt und dreifach gestellt werden. Es möge ja sein, sagt sie dann, dass viele Geschichten über sie und ihre Familie geschrieben würden. Aber sie lese das gar nicht und es würde ihr auch niemand aus ihrem Umfeld davon berichten. «Ich erfahre es meistens erst, wenn mich Journalisten danach fragen», sagt sie dann.
Das beste an Berlin ist das gesunde Essen
Nur einmal kommt die Hollywood-Schönheit ins Schwärmen, nämlich als sie zu ihrer Berlin-Liebe befragt wird. «Die Stadt sei wunderbar für Familien mit Kindern», sagt sie. Im vorigen Jahr war sie auf den Geschmack gekommen, als ihr Ehemann im Berliner Umland den Tarantino-Streifen Inglourious Basterds gedreht hatte. Wochenlang hatte das Paar neben dem Dreh die Stadt unsicher gemacht und dabei einen bleibenden Eindruck gewonnen – und das nicht nur wegen der Historie und der Architektur. «Ich finde es toll, dass das Spielzeug für Kinder aus Holz ist und die Menschen gesunde Ernährung zu schätzen wissen», sagt sie dann – und alle im Saal sind glücklich.
Na bitte, das hat man von der Jolie noch nicht gewusst. Sie steht auf Holzspielzeug. Es dauert nur Minuten, da ist der Fakt über alle Nachrichtenagenturen verbreitet. Für Jolie selbst bleibt nur ein Wermutstropfen: Leider könne sie dieses Mal nicht allzu lange in Berlin bleiben. Schließlich ruft die Promotion-Arbeit. Nur zur Deutschland-Premiere des neuen Films am Abend wird sie bleiben. Der rote Teppich ist bereits ausgerollt – und die US-Schauspielerin hat angekündigt, sich dort viel Zeit für die Fans zu nehmen. Und für die Fotografen. Denn im Gegensatz zur Pressekonferenz sind sie dort für den Promi-Alarm zugelassen.
cvd/juz/reu/news.de