Lacher vom laufenden Band
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Von news.de-Mitarbeiter Ronny Janke
Artikel vom 19.08.2010
Familien-Sitcoms haben Tradition. In zahlreichen Varianten und Abwandlungen haben sie es schon auf den Bildschirm geschafft. Der TV-Sender Das Vierte hat sich jetzt an einer eigenen Serie versucht und scheitert dabei kläglich.
Es sollte eine lustige und durchschlagende Offensive werden, doch erst einmal war es eine schwere Geburt: Mit großem Tam-Tam hatte der Spartensender Das Vierte für Anfang des Jahres die eigenproduzierte deutsche Serie Ein Haus voller Töchter angekündigt, mit deren Hilfe er neu durchstarten wollte.
Doch dann wurde der Start der SitcomDie Sitcom (kurz für situation comedy = Situationscomedy) ist eine Unterhaltungssendung, die auf die US-amerikanischen Comedy-Shows im Hörfunk der 30er und 40er Jahre zurückgeht. Das Fernsehen adaptierte das Genre, wobei es, wie früher im Radio, meist als Serie ausgestrahlt wird. wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage immer wieder verschoben. Acht Monate später ist es nun soweit: Am 19. August um 20.15 Uhr startet die Comedy, die mit namhaften Schauspielern wie Bond-Bösewicht Götz Otto und Grit Boettcher besetzt ist.
Der Plot: Familientherapeut Carsten Vogel (Moritz Lindbergh) hat es nicht leicht: Von seiner Frau verlassen, muss er seine fünf Töchter allein großziehen und wird dabei mehr schlecht als recht von Oma Wilhelmina (Grit Boettcher) unterstützt. Auch Vogels Praxis läuft nicht gut, wäre da nicht die Millionärsgattin Tessa (Nadja Petri). Regelmäßig sucht Tessa das Gespräch mit dem Therapeuten, weil sie sich Kinder von ihrem Gatten Michael (Götz Otto) wünscht, der davon aber überhaupt nichts hören will.
In der Tradition bekannter Familien-Sitcoms wie etwa der amerikanischen Serie Die Nanny oder dem ZDF-Klassiker Ich heirate eine Familie steht auch diese neue deutsche Serie, in der es ein Elternteil allein schaffen muss, den Job zu bewältigen und zusätzlich den chaotischen Alltag mit den Kindern zu meistern. Dabei ist natürlich ganz wichtig, dass im Laufe der Geschichte ein neuer potenzieller (Ehe-)Partner den Weg in die Geschichte findet und - nach anfänglichen Problemen - am Ende als neues Familienmitglied aufgenommen wird. Die Idee ist also nicht neu und wurde schon mehrfach erfolgreich im Ausland und in Deutschland umgesetzt. Trotzdem schafft es Das Vierte, diese sympathische Grundidee vollkommen vor die Wand zu fahren und der ohnehin bereits lädierten deutsche Serienlandschaft einen herben Rückschlag zu versetzen.
Der schlimmste Fehler: Diktierte Lachanfälle
Das hat gleich verschiedene Gründe: Schon allein die Optik der Serie ist grottenschlecht und erinnert an die Anfangstage zahlreicherDaily SoapsUnter einer Seifenoper (von engl. soap opera, auch im deutschsprachigen Raum häufig als Soap-Opera oder missverständlich als „Soap“ (=Seife) bezeichnet), versteht man regelmäßig – ein- oder mehrmals wöchentlich („Daily Soap“) – gesendete Endlosserien, wie sie vor allem im Fernsehen, aber auch im Hörfunk vorkommen. . Damit sind nicht mal die Sets gemeint, die in Ein Haus voller Töchter nur selten überzeugen können, sondern vielmehr Kameraführung, Licht und Perspektivwechsel. Alles das wirkt billig und einfallslos produziert – und bedenkt man, dass selbst bekannte Daily Soaps, wie GZSZ oder Marienhof, mittlerweile hochwertiger produziert werden, muss man sich als Zuschauer fragen, warum gerade an einer wöchentlichen Serie ausgerechnet im Bereich Optik gespart wird.
Vielleicht liegt es auch an dem Umstand, dass die Darsteller nur selten wirklich engagiert spielen, sondern vielmehr oft lustlos agieren. Lindbergh (Broti & Pacek – Irgendwas ist immer), der den Vater der fünf Töchter spielt, legt dabei noch die beste Performance hin. Die Töchter, von denen jede einem anderen Mädchentyp entsprechen soll, harmonieren an sich gut miteinander, erinnern aber mit ihrem Schauspiel oft an die kleinen Darsteller der Kinderserie Schloss Einstein, die sehr erfolgreich im Kika läuft. Nur darf man dabei nicht vergessen, dass als Zielgruppe für Ein Haus voller Töchter eindeutig erwachsene Zuschauer erreicht werden sollen, was schon die abendliche Sendezeit deutlich macht.
Der größte Fehler aber, den diese deutsche Sitcom macht, ist der, dass man durch eingespielte Lacher versucht, dem Zuschauer klar zu machen, wann er doch bitte zu lachen hat. Diese schrecklich offensiv betriebene Form der Entmündigung wirkt ganz schnell nervtötend und könnte der Hauptgrund sein, warum viele Zuschauer sehr schnell wieder abschalten werden. Selbst Gaststars wie Lisa Fitz, Sandy Mölling (No Angels) oder Florian Simbeck (Erkan & Stefan), die in der ersten Staffel der Familien-Sitcom auftauchen werden, können der lieblos in Szene gesetzten Serie nicht zu mehr Glanz verhelfen.
Die Sitcom soll das Image aufpolieren
Obwohl die Serie dazu beitragen soll, das Image des Senders ebenso wie die Einschaltquoten (0,2 Prozent beträgt der durchschnittliche Marktanteil) aufzupolieren, geht Das Vierte mit der Vorabaustrahlung der ersten beiden Folgen im Internet unter das-vierte.de einen ungewöhnlichen Weg. Schließlich ist die Basis der Serie dünn, und mögliche Fernsehzuschauer, die sich Folge eins schon im Internet angesehen haben, könnten den Griff zur Fernbedienung gänzlich verweigern.
Selbst Das Vierte scheint nicht wirklich von der ersten eigenproduzierten Serie überzeugt zu sein, denn jeden Donnerstagabend werden gleich vier Folgen gesendet – was den Eindruck erweckt, die programmverantwortlichen wollten die Serie schnellstmöglich ausgestrahlt wissen, damit der Sendeplatz schon bald wieder für Neues zur Verfügung steht.
Ein Haus voller Töchter, donnerstags, 20.15 Uhr, Das Vierte.
car/news.de/dpa
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