Die Geschichte von Romeo und Julia kennt jeder, die von Charlie und Sophie wird man vielleicht bald wieder vergessen haben. Für einen unterhaltsamen Sommerkinofilm hat es trotzdem gereicht. Und Italienliebhaber kommen ohnehin auf ihre Kosten.
Eigentlich hatte die Journalistin Sophie sich den Italien-Urlaub mit ihrem Verlobten anders vorgestellt. Der jedenfalls will zahlreiche Restaurants besuchen, weil die Eröffnung des eigenen bald bevorsteht. So kommt es, dass Sophie allein loszieht und sich plötzlich vor dem Haus wiederfindet, in dem die berühmteste aller Julias lebte und von niemand geringerem als ihrem Romeo umworben wurde. Erzählt wird diese Geschichte in Gary Winicks neuem Kinofilm Briefe an Julia, der am 19. August in den deutschen Kinos startet.
Sophie ist etwas überrascht, als sie sieht, wie Frauen aus aller Welt im Hof vor dem Gebäude Briefe hinterlegen, in denen sie um Hilfe in Liebesangelegenheiten bitten.
Schnell findet Sophie heraus, dass eine Gruppe von Frauen, die sich «Julias Sekretärinnen» nennen, der Briefe annehmen und sie beantworten.
Sie tritt dem seltsamen Verein bei und findet einen 50 Jahre alten Brief der Engländerin Claire. Darin beschreibt diese, wie sie sich während eines Urlaubsaufenthalts in einen italienischen Jungen verliebt hat. Sophie antwortet und das offenbar so überzeugend, dass es nicht lange dauert, bis Claire, mittlerweile eine alte Dame, in Italien auftaucht, um ihre große verloren geglaubte Liebe wiederzufinden. Die rüstige Rentnerin kommt jedoch nicht allein – als Aufpasser, der ihr nicht von der Seite weicht, bringt sie ihren Enkel Charlie mit. Der ist eigentlich ein Brite wie aus dem Bilderbuch, taut aber in Sophies Gegenwart immer mehr auf.
Mag sein, dass die Handlung so vorhersehbar ist, wie die eines Rosamunde-Pilcher-Romans. Aber das stört nicht weiter, denn die eigentliche Hauptrolle dieses Films spielt der Handlungsort selber: Italien. Wein, Käse, weite Olivenhaine, charmant-schnulzresistene Opas und südländisches Flair - alles das bekommt der Zuschauer vor einer verträumt-romantischen Urlaubskulisse geboten.
Nachwuchsstar Amanda Seyfried (Das Leuchten der Stille) spielt zwar nicht beeindruckend, aber solide. Ihr Verlobter (Gael Garcia Bernal) wirkt hingegen so, als wollte er einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Leider ist der von einem übertrieben aufgeregtem Spiel geprägt und fällt somit eher negativ ins Gewicht. Christopher Egan, der den Enkel der alten Dame mimt, hätte mehr Ausstrahlung auch nicht geschadet. Aber immerhin Altstar Vanessa Redgrave verleiht ihrer Figur Claire viel Gefühl und Eleganz.
Gary Winick (Bride Wars, 30 über Nacht) ist verantwortlich für diese leider nur durchschnittliche Romantik-Komödie. Die ist aber immerhin dann noch recht unterhaltsam, wenn einem ein paar gut-aussehende Darsteller und schöne Landschaftsaufnahmen genügen und man sich nicht daran stört, eine komplett vorhersehbare Handlung vorgesetzt zu bekommen. Dem Film wird der Kitsch-Overkill vielleicht verziehen, wenn man weiß, dass es den Club der Briefe beantwortenden Frauen tatsächlich gibt. Alles Unheil hat eben bekanntlich einen Anfang.
Titel: Briefe an Julia
Regie: Gary Winick
Darsteller: Amanda Seyfried, Vanessa Redgrave, Gael García Bernal, Franco Nero, Christopher Egan
Filmlänge: 105 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH
Kinostart: 19. August 2010