Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Die Sat.1-Telenovela Anna und die Liebe feiert Jubiläum: In der 500. Folge tritt Mias (Josephine Schmidt) große Liebe Alexander (Paul Grasshoff) vor den Traualtar. News.de spricht mit den beiden über Fließbandarbeit, Traummänner und Ohnmachtsanfälle.
Josephine und Paul, Sie stehen als Mia und Alexander im Mittelpunkt der Telenovela Anna und die Liebe. Heute steht die 500. Folge an. Was war Ihr bisher schönster Moment?
Paul Grasshoff: Da muss ich gar nicht lange überlegen: Für mich war ein schöner und sehr entspannender Moment, als ich Josephine kennenlernte. Denn mit der Kollegin, das habe ich vom ersten Augenblick an gespürt, kannst du wirklich Pferde stehlen. Wenn du solange und intensiv mit jemandem zusammenarbeiten musst, da kann es ja auch ziemlich schnell echt nervig werden - und das ist es zum Glück mit Josephine nicht so, da bin ich sehr froh drum.
Josephine Schmidt: Da mir Paul fast jeden Freitagmittag einen Milchreis mit Apfelmus mitbringt, kann ich auch nur Gutes sagen. (lacht)
Josephine, Sie spielen seit einem Jahr die Rolle der Mia, die in der Soap als sehr schlagfertig und kämpferisch gilt: Wie viel Mia steckt in Ihnen?
Josephine Schmidt: Generell steckt in einer Rolle immer sehr viel von dem Darsteller selbst und ich finde es auch gut, dass man jeder Rolle ein Stück der eigenen Persönlichkeit verleihen kann. Ich selbst würde mich als schlagfertig und frech bezeichnen. Ich sage, was ich denke. Was das betrifft, verrät Mia viel von meiner eigenen Persönlichkeit.
Paul, in der Rolle des Alexander sind Sie hin- und hergerissen zwischen Mia und Annett, zwei sehr unterschiedlichen Frauen. Was verbindet Sie mit Alexander?
Paul Grasshoff: (lacht) Dieses Hin- und Hergerissensein kann ich sehr gut nachvollziehen. Es verläuft nun mal nicht immer alles geradlinig und manchmal ist man eben unschlüssig. Alexander ist ein positiver und ehrlicher Typ und ich versuche ihm eine menschliche Seite zu geben. Und dazu gehört, dass eben nicht immer alles nach Plan läuft – wie im wahren Leben. Ich bin jetzt im fünften Jahr verheiratet, seit zehn Jahren kenne ich meine Frau Caroline und bin sehr glücklich mit ihr. Aber auch wenn man sich sehr liebt und sehr gerne mit dem anderen zusammen ist, muss man sich sein Glück immer wieder erarbeiten.
Josephine, Sie sind von GZSZ zu Anna und die Liebe gewechselt. Was ist für Sie der besondere Reiz, bei Daily Soaps mitzuspielen?
Josephine Schmidt: Für mich persönlich ist es sehr spannend und sehr vorteilhaft, die Figur immer weiter entwickeln zu können. Wenn man ein zeitlich kürzeres Filmprojekt hat, dann ist die Geschichte klar festgelegt. Bei einer täglichen Serie kennt man das Ende meistens noch gar nicht. Man hat zwar einen groben Plan, in welchem Rahmen sich das Ganze abspielen wird, aber man wird manchmal schon sehr überrascht, in welche Richtung es geht. Und im Laufe der Geschichte kommen immer mehr Details und Charakterzüge einer Figur dazu oder Dinge, die die Figur in der Vergangenheit erlebt hat, und das fließt dann alles mit ein ins Spiel. Ich finde es spannend, das zu verbinden.
Paul, Sie waren auch schon in einigen Spielfilmen zu sehen: Was unterscheidet eine Figur in einem 90-Minüter von einer Figur in einer Daily Soap?
Paul Grasshoff: In einer Daily Soap hat man einfach mehr Zeit als bei einem 90-Minüter mit nur 20 Drehtagen. Und dadurch hat man die große Chance, eine Figur über die Zeit immer besser kennenzulernen, weil man sie einfach länger spielt und dann oft facettenreicher gestalten kann.
Es gibt Vorbehalte gegenüber Formaten wie Anna und die Liebe: Kam es schon vor, dass man Sie belächelte, weil Sie bei einer Daily Soap mitspielen?
Josephine Schmidt: Das kam schon vor. Aber das waren meist Leute, die sich damit nicht wirklich befasst haben. Jene, die dann das Set besucht und gesehen haben, wie wir arbeiten, änderten daraufhin durchaus ihre Meinung. Meistens wird ja kritisiert, dass man bei einem Filmprojekt viel mehr Zeit hat, mit dem Regisseur über die Szenen zu reden, sie zu erarbeiten – diese Zeit haben wir einfach nicht. Aber irgendwann ist das Ganze eingespielt und man lernt, mit der geringeren Zeit ein ebenso gutes Ergebnis zu erzielen.
Haben Sie keine Sorge, dass Sie nun den Stempel der Soap-Darstellerin aufgedrückt bekommen?
Josephine Schmidt: Ich habe ja auch schon viele andere Dinge gemacht und werde das auch irgendwann einmal wieder tun. Aber solange ich Spaß daran habe und der Meinung bin, dass wir schöne Geschichten erzählen, wüsste ich nicht, warum ich nicht in einem solchen Format mitwirken sollte. Außerdem arbeite ich total gerne im Team von Anna und die Liebe. Hinzu kommt, dass ich sehr nette Kollegen habe, wir verstehen uns auch privat hervorragend und unternehmen Dinge zusammen.
Paul, die Arbeit bei einer Daily Soap bedeutet künstlerische Fließbandarbeit. Haben Sie überhaupt noch Zeit für Ihre Frau und Ihre drei Kinder?
Paul Grasshoff: Da sprechen Sie einen wunden Punkt an. Vor Anna und die Liebe habe ich in Köln gedreht und war die Woche über von meiner Familie getrennt. Aber inzwischen haben wir alle unseren Lebensmittelpunkt in Berlin. Die Kinder gehen hier in die Schule und in den Kindergarten und meine Frau und ich fahren zu den jeweiligen Dreharbeiten. Unterm Strich funktioniert das ganz gut und alle sind glücklich.
Ihr Frau ist auch Schauspielerin: Geben Sie sich Tipps, kritisieren Sie sich gegenseitig?
Paul Grasshoff: Oja, wir sind unsere strengsten Kritiker. (lacht) Aber im Ernst: Bevor ich mit Caroline zusammenkam, habe ich gedacht: eine Beziehung oder eine Ehe mit einer Schauspielerin – never ever! Das kann nur im Desaster enden! Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Jeder von uns respektiert das, was der andere tut. Wir kennen die oftmals schwierigen Arbeitsbedingungen unseres Berufs, da weiß man, wie es dem anderen geht und wie er sich fühlt, wenn er sich mit einer schwierigen Rolle auseinandersetzt oder einen schwierigen Drehtag hatte. Da muss man viel weniger erklären, und das vereinfacht die Sache. Aber wir reden nicht permanent über den Beruf und haben einen Freundeskreis, der nicht nur vom Fach kommt – da kann man auch mal über ein paar irdische Sachen reden. Und das tut auch mal ganz gut.
Josephine, in der Serie ist Alexander Ihr Traummann – wie sollte Ihr Traummann denn im wahren Leben aussehen?
Josephine Schmidt: Rein optisch bin ich gar nicht festgelegt. Für mich ist das Gesamtpaket ganz wichtig. Ich möchte gerne einen sehr humorvollen Partner haben, jemanden, der spontan ist, mit dem ich Sport machen kann. Ich bin sehr gerne draußen in der Natur mit meinem Hund, gehe spazieren, und wenn ich das mit dem Partner teilen kann, ist das toll. Dadurch dass ich viele verschiedene Hobbies habe, fände ich es interessant, wenn mein Partner ähnlich ticken würde.
Mia ist Analphabetin, sie konnte anfangs weder lesen noch schreiben: Welche Rolle spielt das Lesen und Schreiben in Ihrem Leben?
Josephine Schmidt: Für mich ist das ganz wichtig. Ich bin, seit ich angefangen habe zu lesen, eine absolute Leseratte, bis heute. Und abgesehen vom Drehbücherlesen, absolviere ich nebenbei ein Fernstudium in Rechtswissenschaften, momentan mehr schlecht als recht, weil die Zeit fehlt. Es bleibt aber nicht aus, dass man sich durch Lesen das entsprechende Wissen aneignet. Zu Beginn meiner Dreharbeiten bei Anna und die Liebe musste sich Mia in Berlin zurechtfinden - es ging darum, wie sich Mia durch die Stadt schlägt und nicht mal die Straßenschilder lesen konnte. Da habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, lesen zu können. Bis dahin wusste ich nicht, dass es so viele Analpheten (Anmerkung der Redaktion: vier Millionen in Deutschland) gibt.
Sie engagieren sich privat in einem Verband, der Analphabeten hilft. Wie sieht Ihr Engagement konkret aus?
Josephine Schmidt: Das Projekt nennt sich «iChance» und spricht Leute an, die nicht richtig lesen und schreiben können. Der Verband ist an mich herangetreten und hat mich gefragt, ob ich mich engagieren würde und es war eigentlich sofort klar, dass ich das tun wollte. Ich habe gemeinsam mit anderen Prominenten Video- und Audiobotschaften aufgenommen, mit denen wir Leute, die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben, ermutigen, Hilfe aufzusuchen.
In der 500. Folge von Anna und die Liebe steht die Hochzeit von Alexander und Annett an und damit die spannende Frage, wie Mia diese Verbindung verhindern kann. Josephine, wenn Sie in dieser Situation wären, was würden Sie tun?
Josephine Schmidt: Ach, du meine Güte, ich habe keine Ahnung. Ich war noch nie in so einer Situation. Es kommt darauf an, wie ich zu meiner weiblichen Gegenspielerin stehen würde. Wenn es eine Freundin wäre, wäre ich in einem großen Zwiespalt. Aber es wäre eine ganz schön schreckliche Situation, wenn ich dann auch noch Trauzeugin wäre.
Paul Grasshoff: Mit Sicherheit wird diese Folge ein schöner Höhepunkt werden, das ist mal ganz klar. Denn wir erzählen die Hochzeit sehr üppig und opulent. Und das hat fast krimihafte Spannung. Das ist Drama pur. Ich kann natürlich auch nur verraten, dass Alexander seinen Traum nicht hundertprozentig aufgeben möchte und dafür auch einiges tut.
Alexander wird doch nicht während der Trauung in Ohnmacht fallen, wie Ihnen es als Julian Herzog in Alles was zählt passiert ist?
Paul Grasshoff: Oh nein, da habe ich vorgesorgt und habe Autoren und Producer gebeten, mich bitte, bitte, nicht noch einmal vor dem Altar umfallen zu lassen.
Josephine Schmidt: Ich kann dazu verraten, ich falle auch nicht um. (lacht)
Im Herbst steht die Rückkehr von Jeanette Biedermann an: Josephine und Paul, viele Ihrer Fans fürchten, dass Sie beide bei der Soap aufhören. Ist die Sorge berechtigt?
Josephine Schmidt: Sagen wir mal so: Unsere Geschichte ist noch nicht auserzählt.
Paul Grasshoff: Nein, sie ist definitiv noch nicht auserzählt.
Josephine Schmidt: Aber wir freuen uns natürlich auf Jeanette. Das wird lustig mit ihr.
Anna und die Liebe, montags bis freitags, 18.30 Uhr, Sat.1.
juz/ivb/news.de