Der bayerische Ossi-Motivator
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Von news.de-Redakteur Jan Grundmann
Artikel vom 17.08.2010
Ossis brauchen mehr Selbstbewusstsein, sagt Jochen Wolff, Chefredakteur der erfolgreichsten ostdeutschen Zeitschrift, Super Illu, und Träger des Bundesverdienstkreuzes. Im news.de-Interview erklärt der Bayer, wie Menschen in den neuen Bundesländern ticken.
Herr Wolff, Sie sind Chefredakteur der erfolgreichsten Zeitschrift Ostdeutschlands, die jetzt 20. Geburtstag gefeiert hat. In den neuen Bundesländern hat die Super Illu mehr Leser als Spiegel, Stern, Focus und Bunte zusammen. Sie selbst stammen aus Bayern und schreiben für Ostdeutschland. Welche Seele wohnt denn in Ihnen?
Wolff: Es gibt viele Bayern, die sich in Berlin und Ostdeutschland wohl fühlen, zum Beispiel Udo Reiter, der Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks. Die Bayern sind sehr patriotisch, aber auch sehr weltoffen. Deutschland ist ein Land. Warum soll nicht ein Bayer in Ostdeutschland arbeiten, warum sollen Sachsen nicht in Bayern arbeiten? Bayern ist doch schon fast in sächsischer Hand. Daran müssen wir uns gewöhnen.
Aber die Sachsen, die nach Bayern gehen, sind eher Arbeiter und nicht das Führungspersonal. Dagegen kommen nur fünf Prozent der Elite des Landes aus dem Osten.
Wolff: Die Ostdeutschen haben nach der Wende genug damit zu tun gehabt, ihren Weg zu finden. Die Westdeutschen konnten 40 Jahre in der Marktwirtschaft arbeiten, wir müssen das erst aufholen. In zehn oder 20 Jahren werden Ostdeutsche bestimmt den gleichen Anteil wie die Westdeutschen haben, auch in leitenden Positionen oder in Dax-Vorständen. Aber wir brauchen keine gleichen Lebensbedingungen, die gibt es auch in Westdeutschland nicht. Es macht einen Kaufkraft-Unterschied, ob man in Niedersachsen oder am Starnberger See ist. Aber es darf nicht das Gefühl geben, Deutscher erster oder zweiter Klasse zu sein.
Was macht denn die ostdeutsche Seele heute aus?
Wolff: Die Ostdeutschen müssen mehr Selbstbewusstsein entwickeln. Sie sind in die Einheit gegangen und mussten aufholen, aber der Mitbewerber blieb auch nicht stehen. Die Ostdeutschen waren dann vielfach verunsichert. Wenn du pausenlos etwas über Stasi-Fälle, 20 Prozent Arbeitslosigkeit, Hartz IV oder geringes Einkommen trotz beruflicher Flexibilität zu hören bekommst, glaubst du irgendwann daran. Jetzt gilt es aber, die Erfolge zu feiern. So wie das bayerische «Mir san mir»-Prinzip. Wir versuchen auch deshalb, Erfolgsgeschichten zu erzählen, nach dem Motto: Nichts ist ansteckender als der Erfolg. Wenn der Nachbar ein neues Auto hat oder ein Haus baut, dann will man das nacheifern.
Brauchen die Ostdeutschen einen Motivator, der ihnen Selbstbewusstsein gibt?
Wolff: Medien haben eine verantwortungsvolle Aufgabe. Wenn ich mir die Tagesschau anschaue, dann wird meist über Probleme und Schwierigkeiten berichtet. Aber wenn es in Deutschland etwas Positives zu berichten gibt, findet das kaum den Zugang zu den Medien. Die Deutschen sind Weltmeister im Jammern – und die Medien haben einen Anteil daran. Man hat gar keine Zeit und Möglichkeit mehr, sich mit vernünftigen Vorschlägen auseinander zu setzen.
Was ist dann die Rolle von Super Illu?
Wolff: Wir sind ein Stück Medienheimat für die Menschen geworden. Wir haben sie vor 20 Jahren abgeholt und auf dem Weg in die Marktwirtschaft begleitet. Und wir haben den Menschen und ihrem Alltagsleben in der DDR immer Respekt entgegengebracht. Und natürlich hatten die Menschen nach der Wende in Leipzig, Cottbus oder Rostock andere Fragen und Problemstellungen als die Menschen in Köln. Ich würde die Super Illu als Navigator ansehen.
Worin unterscheiden sich Ost- und Westdeutsche?
Wolff: Zunächst: In Ostdeutschland wird nicht mehr gejammert als in Westdeutschland. Und ein Arbeiter, ob er nun in Rosenheim oder Cottbus lebt, will sich ein Alltagsglück aufbauen, ein Häuschen oder eine Wohnung haben, die Kinder großziehen, ein nettes Auto fahren und einmal im Jahr Urlaub machen können. Aber den Westdeutschen ist das Leben und die Identität der Ostdeutschen vor der Wende unbekannt. Wenn du den Großteil deines Lebens in der DDR verbracht hast, hast du andere Lebenserfahrungen. Andere Stars, andere Erinnerungen als die Westdeutschen.
Wenn Sie in Ihre Heimat nach Bayern fahren, wie nehmen Sie dort die Stimmung gegenüber Ostdeutschen wahr?
Wolff: Es gibt natürlich immer noch einige, die sich an ihrem Stammtisch eingebunkert haben und Vorträge darüber führen, dass so viel Geld in den Osten fließt. Es gibt aber immer mehr, die sich öffnen, in Ostdeutschland Urlaub machen, mit reichhaltigen Eindrücken zurückkommen und überrascht sind.
Sie sind in diesem Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Warum, denken Sie?
Wolff: Weil wir mit Super Illu nie in die Falle getappt sind, Ost gegen West auszuspielen. Wir haben alles versucht, zur inneren Einheit Deutschlands beizutragen, Westdeutschland für Ostdeutschland zu interessieren, Ostdeutschen den Weg in die Einheit zu bereiten und zur Motivation und Stärkung des Selbstbewusstsein beizutragen, so dass sich Ost- und Westdeutsche auf Augenhöhe begegnen können.
Könnte es sein, dass die Ratgeber- und Boulevardausrichtung die Wahrnehmung der Super Illu als ein die Einheit positiv begleitendes Blatt einschränkt?
Wolff: Wir haben eine breite Themenpalette, Politik, Soziales, Ratgeber und populäre Unterhaltung. Wenn jemand aus dem Schlager- und Volksmusikbereich interessant ist, dann stellen wir ihn vor. Ohne uns lustig zu machen, wie es vielleicht andere Medien tun. Wir sind breiter aufgestellt, wir haben nicht nur Klatsch, weil wir Alleinversorger für Ostdeutschland sind.
kas/ivb/news.de
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040255405123;99;43;00;;WOLFF, JOACHIM:;;;22685,00 Jochen, oder Joachim Nein, man sollte nicht das Gefühl haben deutscher erster oder zweiter Klasse zu sein. Es gibt viele die haben überhaupt keine Klasse. Die letzte Zahl 22685,oo steht für den Judaslohn bei der Stasi.
jetzt antwortenKommentar meldenAbgesehen von dem eigenen Lob - und etwas an stiller Werbung - finde ich den Bericht in Ordnung. Die Vielfalt an Jammer-Menschen lebt aber in Westdeutschland. Hier gibt es tatsächlich noch viele Menschen, die nach der Wende noch nie die neuen Bundesländer besucht haben. Die Anzahl der Hartz-IV-Empfänger und zudem noch Aufstocker -ein schreckliches Wort unserer Regierung - ist im Osten vergleichsweise hoch. Wer heute noch die Begriffe Wessi oder Ossi gebraucht, ist eigentlich ein Scharlatan.
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