«Ich zwinge niemanden, mein Buch zu lesen»
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Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Artikel vom 17.08.2010
Sie ist eines der wenigen deutschen Aushängeschilder in Hollywood: Franka Potente. Jetzt geht die Schauspielerin auch noch unter die Schriftsteller. Mit news.de spricht sie über Freudentränen, Faszination für Japan und literarische Vorbilder.
Fernseh- und Kinoprojekte, dazu die Arbeit als Regisseurin und zuletzt auch noch als Expertin für das richtige Workout: Wo und wann finden Sie da noch Zeit zum Schreiben?
Potente (lacht): Ich mache ja nicht alles gleichzeitig, sondern, mehr oder weniger, nacheinander. An dem Buch habe ich etwa anderthalb Jahre geschrieben und während dieser Zeit fast nur eben das gemacht. Dann fragen die Leute erstaunt: «Ja, dreht sie denn nicht mehr?» Aber von nix kommt nix. Ich zumindest kann nicht mal eben so nebenbei ein Buch schreiben.
Dass Ihre Erzählungen ausgerechnet in Japan spielen, hätten wohl nur wenige Leser erwartet. Woher kommt Ihre Begeisterung für Asien?
Potente: Besonders Japan fasziniert mich. Ich kenne zwar Indonesien und Thailand etwas, aber Japan fasziniert mich am meisten. Die gelebten Gegensätze von unfassbarer Moderne und Tradition, Stille und Chaos, Offenheit und Verschlossenheit - herrlich! Das ist toller Nährboden für Geschichten.
Die Schauplätze in ihrem Buch sind oft sehr detailliert geschildert, von der Architektur über die Landschaft bis hin zu den Lebensmitteln in der Küche. Wo haben Sie dafür recherchiert?
Potente: Ich war zweimal in Tokyo und einmal in Kyoto. Unter anderem habe ich dort auch bei Japanern gewohnt und mir deren Japan, quasi «von innen» zeigen lassen. Der Rest ist ganz einfach Recherche.
Vom Konzept her erinnert Zehn ein wenig an Zehn Wahrheiten der US-Autorin Miranda July, die sich ebenfalls in vielen künstlerischen Bereichen austobt. Kennen Sie das Buch? Oder gab es andere literarische Vorbilder?
Potente: Das Buch kenne ich nicht. Es gibt auch sonst kein direktes Vorbild. Ich bewundere viele Schriftsteller, zum Beispiel Dorothy Parker, Amy Bloom, Martin Suter, Max Urlacher oder Ingo Schulze. Aber Zehn hat seine ganz eigene Sprache gefunden.
Wer das Buch nicht kennt, wird sich Zehn womöglich mit dem Stöhnen «Jetzt schreibt sie auch noch» nähern. Wie begegnen Sie dem Vorurteil, dass eine gute Schauspielerin nicht auch eine gute Schriftstellerin sein kann?
Potente: Ach ja, da kann man dann nichts machen. Ich habe meinen Teil getan. Ich zwinge niemanden, mein Buch zu lesen. Wer sich für Japan begeistert oder andere Autoren des Verlags kennt, ist bestimmt interessiert und offen.
Das druckfrische Exemplar des ersten eigenen Buchs in den Händen zu halten - macht das noch stolzer, als zum ersten Mal den fertigen Film auf der Leinwand zu sehen, an dem man gerade gearbeitet hat?
Potente: Ich war jedenfalls plötzlich ganz gerührt und habe ein paar Freudentränchen geweint. Das war ein sehr erhebender Moment.
Dürfen wir weitere Bücher von Ihnen erwarten?
Potente: Bestimmt. Aber bestimmt nicht im nächsten Jahr. So schnell bin ich nicht!
Hier geht es zur Rezension von Franka Potentes Erzählungen in Zehn.
car/news.de
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