Von news.de-Mitarbeiter Torben Waleczek
In den USA wollen 40 Superreiche die Hälfte ihres Vermögens spenden. Ginge das auch in Deutschland? Und wollen wir das überhaupt? Eine Milliarden-Debatte bei Anne Will.
Im Zuge seiner Spenden-Initiative hat Microsoft-Gründer Bill Gates auch deutsche Milliardäre gefragt, ob sie mitmachen und die Hälfte ihre Vermögens für wohltätige Zwecke hergeben wollen. Die Antwort eines anonymen Superreichen: Nein, das sei den Leuten zu marktschreierisch. Die begüterten Deutschen plagt offenbar die Sorge vor den Ressentiments ihrer Mitbürger. Man könnte auch sagen: die Angst vor einer Neiddebatte.
Und diese Angst ist vielleicht nicht ganz unbegründet. Bei Anne Will jedenfalls wird deutlich, wie schlecht es um den Ruf der Wohlhabenden hierzulande bestellt ist. Millionäre zur Kasse heißt die Sendung, und es gibt volle Breitseite gegen die Reichen-Fraktion: Wer spendet, lernen wir, betreibt entweder kühl kalkulierte Imagepolitur oder verkappte Steuerhinterziehung. So oder so: Ein edles Motiv scheidet wahrscheinlich aus.
Der PR-Berater Klaus Kocks will in dem Gates-Vorschlag «Klassenkampf von oben» erkennen und warnt davor, die Macht im Staate Menschen zu übergeben, die allein nach persönlicher Interessenlage entscheiden, wem sie Geld zufließen lassen wollen und wem nicht. Ja, das Schreckensbild einer «ständischen Almosengesellschaft» sieht Kocks heraufdämmern und den guten alten Sozialstaat westeuropäischer Prägung gefährden. All dies verletze seine «Würde als Staatsbürger».
Beginnt nun also der Rückfall ins Mittelalter, erleben wir eine stille Refeudalisierung? Und verteilen die Mächtigen bald wieder nach Gutsherrenart ihre Gaben?
Ein kulturelles Missverständnis?
Vielleicht liegt der Diskussion nur ein kulturelles Missverständnis zugrunde. Die US-Journalistin Heather De Lisle wundert sich jedenfalls, warum man sich in Deutschland «für sein hart erarbeitetes Geld so schämen muss». Reichtum gelte hierzulande offenbar immer noch als eine Schande. Außerdem zeige doch die Erfahrung, dass der Staat viel schlechter mit Geld umgehen könne als private Unternehmen.
In Deutschland setzt dagegen selbst manch ein Unternehmer auf staatliche Steuerung. Ernst Prost von dem Motorenölhersteller Liqui Moly klagt zwar über eine unsolide Haushaltspolitik, fordert aber gleichzeitig kräftige Steuererhöhungen für Reiche. Rauf mit dem Spitzensteuersatz, rauf mit der Abgeltungssteuer, her mit der Vermögenssteuer - und das aus dem Munde eines deutschen Mittelständlers! Schließlich dürfe der Staat nicht zulassen, dass Menschen hungern müssen, der Hartz-IV-Regelsatz von 359 Euro sei schlicht ein Skandal.
Bleibt am Ende die Frage: Kann es einen Kompromiss geben zwischen dem US-Modell und dem deutschen? Zwischen Mäzenaten-Kultur und Staatsgläubigkeit?
Ja, kann es, und das ist die wunderbare Pointe an diesem Abend: Das Wort der Versöhnung spricht ausgerechnet ein «marxistischer Millionär» (Anne Will), der Linkenpolitiker Diether Dehm. Dehm hat sich als Komponist (Tausendmal berührt) eine goldene Nase verdient, gehört gleichzeitig aber zu den kommunistischen Ultras in seiner Partei. Der Linkenmann findet beides gut - den starken Staat und die Spenden der Superreichen.
cvd/ivb/news.de
zu 8 Zitat: Deutschland wird immer perverser und sein Volk (politikergesteuert und -gewollt) immer dümmer ... Kommentar: Bin geneigt, dies als Selbstkritik gelten zu lassen! Ich bin nur noch nicht dahintergekommen, weshalb sich diese dauergeifernde Person "Mitdenker" nennt. Die Selbsttitulierung "Nichtdenkender Mitläufer" wäre etwas weniger realitätsfern. Er wird wohl das papageienhafte Nachgeplappere der Grundphrasen neoliberaler Propagandajournalisten für soetwas wie einen eigenen Gedanken halten, und jeden der das nicht nachplappern möchte, für dumm und ungebildet.
jetzt antwortenKommentar meldenDanke, Stefan, für den Kommentar Nr. 12! Genauso ist es!
jetzt antwortenKommentar meldenDurch seiner Hände Arbeit ist noch nie jemand reich geworden, bestenfalls wohlhabend. Wer reich ist, hat entweder geerbt, ausgebeutet, betrogen, oder durch dubiose Geschäfte (siehe Börsenspekulation) andere um Ihr Geld gebracht.
jetzt antwortenKommentar meldendanke für kommentar 8 bis 10
jetzt antwortenKommentar meldenEs ist natürlich der absolut unkomplizierteste Weg einfach Reichtum mit Ganoventum, Verbrechertum und Steuerhinterziehung gleichzustellen. Staat und Behörden hetzen ja auch mit Leibeskräften, um die eigene Unfähigkeit zu verdunkeln. Otto-Normalverbraucher, dem Nachdenken eh zu anstrengend ist fällt dann ganz schnell, ein wie Urinstein festgefressenes, Pauschalurteil. Super, Beifall für soviel Dummheit. Alle gutbetuchten Spender und Geber sollten einmal monatelang all ihre Wohltätigkeit einstellen. Vielleicht erkennt man dann, das man für Hilfe eigentlich dankbar sein sollte.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Reichen in diesem Land, welche sich engangieren und mit den verschiedensten Projekten helfen möchten, haben ihren Reichtum nicht geschenkt bekommen und sind auch keine Steuerhinterzieher. Es sind eher die Menschen, welche Unternehmen aufbauen, hohe Verantwortung übernehmen und tragen und unzählige Arbeitsplätze schaffen, halten und ihre Steuern zahlen. Sie sind nicht für jahrzehnte lange Fehlpolitik und daraus entstandene Missstände verantwortlich. Spenden sind immernoch freiwillige Hilfen. Man sollte den Staat an den Pranger stellen, nicht die die helfen und Spenden.
jetzt antwortenKommentar meldenDeutschland wird immer perverser und sein Volk (politikergesteuert und -gewollt) immer dümmer. Ich zähle nicht zu den Superreichen, aber es nervt mich das sich Menschen, welche über Reichtum verfügen in diesem Land dafür immer mehr entschuldigen müssen, wie Verbrecher dargestellt und regelrecht verfolgt werden. Warum eigentlich? Mit welchem Recht im sogenannten Rechtsstaat werden diese Menschen öffentlich an der Pranger gestellt? Es besteht keinerlei Verpflichtung vom Reichtum zu geben, zu spenden. Etwas mehr Anerkennung wäre angebracht. Aber dazu müsste man denken können. Nur womit?
jetzt antwortenKommentar melden"Ach du meine Nase" (das ist Pittiplatsch) Aber im ernst, wer Marx fordert, sollte ihn auch drauf haben, sonst wird das eben Pittiplatsch. Dazu kommt, dass man das Gesagte erst nach sehr großem Umweg auf Bill Gates anwenden kann. Denn er hat nicht im genannten Sinn ausgebeutet. Die Voraussetzungen für andere dazu geschaffen hat er schon.
jetzt antwortenKommentar meldenMILLIONÄR ++ JEDER WILL ES WERDEN +++ leider hat der dumme Deutsche, es nicht geschafft, eine ehrliche STEUER - POLITIK aufzubauen ++ 75000 Steuergesetze warum Milliarden in der SCHWEIZ usw. da muss doch viel früher angesetzt werden....so wird das hier nie mehr was. armens DEUTSCHLAND ++ wohin geht die Reise +++ Ein VOlk ohne Verfassung Art 146 Grundgesetz +++ astrowof hannover ++ wir reden KLARTEXT +++
jetzt antwortenKommentar meldenSpenden in alter Form ist die Gabe durch ehrlichen, persönlichen Verzicht. Die neue Form des Spendens mit viel Publikumswirksamkeit ist oft genug nichts anderes als die Verteilung zuvor gestohlener Mittel - "Tue Gutes und sprich darüber"(wem Du es vorher weg genommen hast?) - siehe Herrn Kamprad von Ikea, dessen Vermögen zu einem Teil auch aus vom Steuerzahler refinanzierten Arbeitslöhnen stammt. Tetzlaff lässt grüßen. Ablasshandel mit Medienrummel.
jetzt antwortenKommentar meldenKlassenkamf von Oben? Welche ein Quatsch. Da bestimmen ein paar Reiche mit ihren Spenden, wo es im Lande lang geht. Macht der Bespendete nicht was der Spender gern hätte, bekommt er erst garnichts.
jetzt antwortenKommentar meldenKlassenkamf von Oben? Welche ein Quatsch. Da bestimmen ein paar Reiche mit ihren Spenden, wo es im Lande lang geht. Macht der Bespendete nicht was der Spender gern hätte, bekommt er erst garnichts.
jetzt antwortenKommentar meldenhallo zu 1. schaffe doch selbst arbeitsplätze, wie du es von anderen verlangst und zeige was du drauf hast. andere schlecht machen schafft keine arbeitsplätze, dass haben schon genug unfähige gezeigt. nur anderen alles stehlen, einsperren und um den rest der menschen eine mauer bauen wollen. es gibt menschen, die lernen im leben nie aus ihrer idiologie und laufenden fehlern. man sollte eigentlich aus den eigenen und fremden/anderen fehlern lernen, versuche es doch einmal ehe so einen tollen text verfasst. lasse dich doch von diesen kommentarschreiberlingen nicht herausfordern!!!
jetzt antwortenKommentar meldenWenn amerikanische Milliardäre spenden, wollen sie damit nichts weiter als ihr Gewissen erleichtern. Wo kommt denn der astronomische Reichtum her? Er ist ihnen zugeflossen aus millionenfacher Ausbeutung, Niedriglohn,Ausplünderung der Rohstoffe fremder Länder und Kriegen.Die Spenden machen da nichts gut.Enteignung in die Hände derer, die die Arbeit machen, sollte und wird die richtige Antwort sein. Überall in der Welt und natürlich auch eines Tages in Deutschland ! Mit ihnen treten auch die Vertreter des Großkapitals und der Reichen in der Politik ab.
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