Von news.de-Redakteur Michael Kraft, Leipzig
Die Wiedergeburt der Smiths mit einem Frontmann, der wie David Bowie aussieht und wie Ian Curtis tanzt - in Finnland hätte man diese Kombination wohl am wenigsten erwartet. Cats On Fire sind aber all das. Und sie liefern hochsympathischen Indiepop.
Tierquälerei scheint ein heimliches Hobby von vielen Musikern zu sein. Man denke nur an Fury In The Slaughterhouse! Oder die Briten von Dogs Die In Hot Cars. Und jetzt auch noch: Cats On Fire. Dass Katzen angeblich neun Leben haben und somit besonders resistent gegen Feuerattacken sein dürften, ist dabei keine Entschuldigung.
Doch sieht man die vier Finnen von Cats On Fire live auf der Bühne, wird schnell klar: Die können keiner Fliege etwas zu Leide tun. Ein Quartett von Musterschülern, zumindest in der Optik denkbar harmlos.
Dass der Auftritt in Leipzig, eines von drei Deutschlandkonzerten in diesem Jahr, trotzdem das Attribut «Show» verdient hat, ist das Verdienst von Mattias Björkas. Der Sänger von Cats On Fire ist einer dieser Menschen, die kein Glück in ihrem Leben gefunden hätten, hätte sie nicht jemand auf eine Bühne gestellt. Ein geborener Frontmann - der zudem aussieht wie der junge David Bowie und bei Tears In Your Cup, dem letzten Lied des Konzerts vor den beiden Zugabenblöcken, auch noch tanzt wie Ian Curtis.
Björkas beginnt das Konzert mit einer höchst theatralischen Verbeugung, die er auch später immer wieder einstreut. Zwischendurch zupft sich der Sänger aus Turku die Frisur zurecht, und als ein Zwischenruf aus dem Publikum ihn nach dem finnischen Wort für Kapodaster fragt, behauptet er: «Ich spreche kein Finnisch.»
So viel Affektiertheit könnte schnell nervig wirken, wäre die Musik von Cats On Fire nicht so grundsympathisch. «Wir wollen so Un-Rock wie nur möglich sein», erklärt Björkas das Konzept. Das Ergebnis ist sehr eingängiger, schlauer, in den Achtzigern verankerter Indiepop. Wenn Björkas mit seiner durch und durch britischen Stimme irgendwo zwischen Paul Heaton (Beautiful South) und Craig Reid (Proclaimers) auf clevere Texte setzt wie beim sehr hübschen Poor Students Dream Of Marx, dann lässt das schwer an Belle And Sebastian denken.
Noch allgegenwärtiger ist aber eine andere Referenz: The Smiths. Cats On Fire sind der beste Beweis, dass der Einfluss der Indie-Überväter aus Manchester (wenn auch in diesem Fall glücklicherweise in einer leicht modernisierten und deutlich besser gelaunten Version) auch fast 20 Jahre in die Zukunft und bis nach Finnland reicht. Wenn man nach einem sehr gelungenen Konzertabend hinaus in den strömenden Regen von Leipzig kommt, ist das eine sehr tröstliche Erkenntnis: Die Kombination aus Weltschmerz, Romantik und Gitarren ist einfach nicht totzukriegen - und scheint noch mehr Leben zu haben als eine brennende Katze.
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