Von Nadine Emmerich
Thriller, Horror und Science-Fiction: In acht deutschen Städten gleichzeitig läuft das Fantasy Filmfest. Deutsche Filme haben es im Programm aber schwer, sagt Festivalleiter und Gründer Rainer Stefan.
Ein deutscher Film schafft es eigentlich nie ins Programm des Fantasy Filmfestes. «Es werden jedes Jahr Filme eingereicht, aber alle sind unfreiwillig komisch», sagt Festivalleiter und Gründer Rainer Stefan. «Wenn Deutsche Horrorfilme produzieren, dann sind sie peinlich.» Wichtigstes Land für die Produktion der Schocker sei nach wie vor Frankreich, «wo die erste Riege der Charakterdarsteller mitspielt». Das Genrefestival, bei dem rund 70 Filme gezeigt werden, wird am 17. August in Berlin eröffnet. Neben Berlin werden die Filme bis 9. September in Hamburg, Köln, Frankfurt, Hannover, München, Stuttgart und Nürnberg gezeigt.
Das erste Fantasy Filmfest 1987 in Hamburg galt noch als Geheimtipp und zählte rund 1000 Besucher. Mittlerweile tourt das Festival jeden Sommer durch sieben bis acht Städte und lockte 2009 rund 129 000 Menschen in die Kinos. Das Filmfest gliedert sich in das Hauptprogramm «Selected Features» sowie die Sektionen «Midnight Madness», «Focus Asia», «Get Shorty» und «Fresh Blood».
Als Eröffnungsfilm läuft in diesem Jahr die französische Produktion La Meute, die bereits als Special Screening in Cannes gezeigt wurde. In dem Film kehrt Emilie Dequenne (Pakt der Wölfe) mit einem Tramper (Benjamin Biolay) in eine Spelunke im Nichts ein - wo sich die Wirtin (Yolande Moreau, Die fabelhafte Welt der Amélie) als Verwalterin des blanken Terrors entpuppt.
So gut wie alle Beiträge des Fantasy Filmfestes sind in die Sparten Thriller, Horror und Science Fiction einzuordnen. Die meisten Beiträge kommen neben Frankreich aus Großbritannien und Spanien. «Gewaltverherrlichende Filme werden abgelehnt», betont Stefan. Natürlich sind in diesem Jahr auch drei Vampirfilme zu sehen, allerdings nicht im Stil von Twilight, der Verfilmung der US-Bestsellerreihe über die Liebe zwischen Vampir Edward und Schülerin Bella. Solche Filme zögen »eher Teenager an«, sagt Stefan.
Für Fantasy-Fans ist das Filmfest oft die einzige Gelegenheit, bestimmte Filme sehen zu können. «Als wir anfingen, kamen die meisten Filme des Festivals noch ins Kino», sagt Stefan. Viele weltbekannte Filme wie etwa Sin City, Pulp Fiction, Blair Witch Project, Saw, American Psycho und im vergangenen Jahr District 9 feierten auf dem Fantasy Filmfest Premiere.
Inzwischen schaffen es indes nur noch «maximal zehn» Filme pro Filmfest in die Kinos. Viele Städte hätten keine Programmkinos mehr und die anderen Lichtspielhäuser seien überwiegend mit Blockbustern besetzt, kritisiert der Filmfestleiter. «Oft sind Filme auch nicht gut genug», räumt er ein. Rund 1000 Filme schaut sich ein fünfköpfiges Team vor jedem neuen Filmfest an. «800 davon tun weh.»
Bestimmte Thementrends lassen sich ihm zufolge in diesem Jahr nicht ausmachen. «Die Mischung ist ziemlich wild», sagt Stefan - vom amerikanisch-französischen Weltuntergangsouvre Kaboom bis zum ersten Zombiefilm aus Uruguay, La Casa Muda. Vorbei sei die Zeit der harten Horrofilme, sagt er. Inzwischen seien die Produktionen «intellektueller und vielschichtiger». «Tendenziell ist es ein Jahr mit sehr vielen rabenschwarzen Komödien.»
Gegen den Trend ist auf jeden Fall eines: Bei dem Festival wird mit Hybrid nur ein 3D-Film gezeigt. Entgegen der wohl Mehrheitsmeinung in der Branche glaubt Stefan nicht an eine große Zukunft der dreidimensionalen Filme. «Das bleibt eine Jahrmarktsattraktion», die sich in ein bis zwei Jahren abnutzen werde, prognostiziert er.
amg/juz/news.de/ddp