Eine Spur zu viel
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Von news.de-Redakteur Christoph Heinlein
Artikel vom 25.08.2010
Der Islam verbietet Zinsen. Was also tut ein gläubiger Muslim mit seinem Geld? Im ARD-Film Takiye - Spur des Terrors fällt ein deutsch-türkischer Familienvater auf betrügerische Islam-Fonds herein - und gerät in einen Sog aus Gewalt und Verbrechen, der ihn mehr kostet als sein Erspartes.
Das Wort klingt geheimnisvoll, und genau dafür steht es auch: «Takiye» meint Verbergen, Verstellung, Verschwiegenheit, zum Schutz der Gemeinschaft in einer feindlichen Umwelt. Es ist ein alter, islamischer Begriff, seit Jahrhunderten praktizieren Muslime «Takiye». Etwa, wenn der Herrscher ihre Sekte verfolgen lässt – oder wenn sie als Einwanderer in Europa leben und ihre Überzeugungen sich mit den Gesetzen des Gastlandes nicht vereinbaren lassen.
An eine solch geheimnisvolle, abgeschottete Gruppe gerät der türkischstämmige Muslim Metin, gespielt von Erhan Emre, im ARD-Film Takiye – Spur des Terrors. Er spielt im Milieu muslimischer Migranten in Köln. Dort lebt Metin mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn. Er ist ein moderner Mann, aber zugleich sehr religiös. Sehr zum Missfallen seines großen Bruders Numan (Stipe Erceg) und seines Schwiegervaters Hodscha (Ali Sürmeli) verehrt er die Wortführer der islamischen Gemeinschaft. Als die um Anleger für einen islamischen Fonds werben, überzeugt Metin in blindem Vertrauen seine Familie, die Freunde und Bekannten, ihre Ersparnisse zu investieren.
Schon kurz darauf aber geht der Fonds pleite, die Vertreter der Fondsgesellschaft sind spurlos verschwunden – und mit ihnen das gesamte Geld. Die betrogenen Freunde machen Metin verantwortlich, der doch selbst alles verloren hat. Er versteht die Welt nicht mehr und will herausfinden, was eigentlich geschehen ist.
Damit beginnt für ihn eine Horrorreise in die Abgründe international agierender krimineller Banden, von blutiger Gewalt, Betrug und Lüge. Metins Frau und der Schwiegervater kommen durch eine Bombe ums Leben, sein Sohn überlebt schwer verletzt. Und Metin macht sich auf die Suche nach den Hintermännern seines Unglücks. Eine Suche, die ihn von Köln bis an den Bosporus, in die türkische Wirtschaftsmetropole Istanbul führt – und auch sein eigenes Leben in äußerste Gefahr bringt.
Die ganze Bandbreite an Islam-Themen
Verbrecherbanden, Finanzbetrug, Familiendrama, religiöse Heuchelei und Mord – der Film von Regisseur Ben Verbong (Lily was here, Sams in Gefahr) bietet alles für einen spannenden Thriller im Migrantenmilieu. Leider beschränkt er sich nicht darauf. Takiye – Spur des Terrors soll mehr sein: Der Film versucht, die ganze Bandbreite an Islam-Themen abzudecken, die in Deutschland diskutiert werden – und daran scheitert er.
Es gelingt dem Film nicht, Einblicke zu geben ins Leben türkischstämmiger Zuwanderer. Zu unglaubwürdig wirken viele der Figuren: Metins Bruder Numan, der Kleinganove, der eigentlich herzensgut ist, den krummen Geschäften abgeschworen hat und jetzt eine super-stylische Mokkabar betreibt. Schwiegervater Hodscha, der mit seinem weißen Rauschebart so traditionell-anatolisch aussieht wie es nur geht und nebenbei für den Verfassungsschutz spitzelt. Und vor allem Metin selbst, zugleich westlich-aufgeschlossen und naiv-gläubig, der Familienvater, der dann zum Superhelden mit Nahkampfqualitäten mutiert.Hanebüchen wird das Ganze, als – es handelt sich schließlich um einen Plot im Muslim-Milieu – unbedingt noch kurz die Schattenseiten des Islam gestreift und mit denen des Christentums verrechnet werden müssen, quasi im Vorbeigehen. In einer Kurzdebatte zwischen Held Metin und der vermeintlichen Journalistin Sabine (Susan Anbeh), die sich später als Verfassungsschutz-Agentin entpuppt. 30 Sekunden küchentheologischer Kontroverseneinschub: «Ist schon ziemlich gewalttätig, der Koran.» – «Die Bibel ist natürlich viel friedfertiger, oder?» – «Und was ist mit all den Frauen, die heute noch gesteinigt werden?» – «Und mit den pädophilen Priestern?». Danke, und zurück zum Film.
Eine Prise TerrorUnd warum eigentlich muss auch das Thema Terror immer mit ins Boot, wenn irgendwo Muslime eine Rolle spielen? In Takiye wirkt das krampfhaft und gesucht, denn der Film wäre auch ohne die Terror-Fährte rund geworden. Die Terroristen spielen keine Rolle für den Fortgang der Geschichte, schweben nur als düstere Bedrohung im Hintergrund. Das wirkt unfertig, so als hätte jemand in eine spannende Krimi-Mixtur unbedingt noch eine Prise mehr hineinrühren müssen. Nur für die Farbe, nicht für den Geschmack.
Ursprünglich war der Film unter einem etwas anderen Namen angekündigt worden: Takiye – in Gottes Namen. Das klingt weniger reißerisch als Spur des Terrors. Es wäre trotzdem der bessere Ansatz gewesen.
Takiye – Spur des Terrors, 25. August, 20.15 Uhr, Das Erste.
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Na toll jetzt will man die muslime nicht nur als terroristen darstellen sondern auch als finanzbetrüger
jetzt antwortenKommentar meldenDa die Grundlagen eines Muslims Koran und Sunnah sind, sollte man sich in erster Linie an diese wenden, anstatt an die Medien, bevor irgendwelche Rückschlüsse auf die Religion gezogen werden. Denn es gibt viele Muslime, die sich heutzutage nicht dem Islam gemäß verhalten. Viele Terroristen benutzen die Religion als Vorwand für persönliche politische Interessen und Machtgier. Bevor man etwas ablehnt, sollte man sich zunächst einmal informiert haben. Daher bitte alle, die Vorurteile gegenüber dem Islam schüren, sich vorerst den Koran durchzulesen.
jetzt antwortenKommentar meldenUnd warum eigentlich muss auch das Thema Terror immer mit ins Boot, wenn irgendwo Muslime eine Rolle spielen? Ein täglicher Blick in die (obwohl diensbezüglich zensierten) Medien reicht völlig aus, um sich diese Frage selbst zu beantworten.
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