Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Hochspannung hinter Gittern: Der Film The Escapist – Raus aus der Hölle zeigt einen waghalsigen Gefängnisausbruch und lässt dabei gekonnt die Nerven vibrieren. Nichts für einen entspannten Fernsehabend.
Es waren ein paar Wassertropfen, die Frank den Weg in die Freiheit wiesen. Frank Perry (Brian Cox) sitzt im Knast seine lebenslange Strafe ab. Eigentlich hatte er sich mit seinem Schicksal abgefunden, aber dann hält er diesen Brief in den Händen. Darin steht, dass seine 21 Jahre alte Tochter zum Junkie geworden und dem Tod nur knapp von der Schippe gesprungen ist. Frank muss raus. Sofort. Er entdeckt an den Rohren in der Waschküche die Wassertropfen und hat eine Idee.
Regisseur Rupert Wyatt hat den vibrierenden Psychothriller unter dem Titel The Escapist – Raus aus der Hölle inszeniert, der jetzt in der ARD-Reihe Sommerkino ausgestrahlt wird (12. August, 22.45 Uhr, im Ersten).
Es ist eine Flucht über den Beichtstuhl in die Tiefen der Londoner Kanalisation, vorbei an einer Geisterhaltestelle der U-Bahn zum Tageslicht der Station «Charing Cross», den Frank mit vier seiner Knastkumpanen - Brodie, Viv Batista, Lenny und Tony - wagen will.
Alles dreht sich um Rizza
Im Gefängnis hat sich eine Gesellschaft mit komplexen Regeln und Machtstrukturen entwickelt. Es ist eine Welt, die um den diktatorischen Insassen Rizza kreist. Damian Lewis spielt diese Figur mit einer diabolischen Härte, die alles um ihn herum gefrieren lässt. Gefangen sind die Insassen nicht nur in ihren Zellen, sondern auch in seiner hierarchischen Schreckensherrschaft.
Der Film zeigt den Knast überzeugend als klaustrophobischen Ort, an dem Güte keinen Platz hat. Während die Aufseher absichtlich wegsehen, braut Viv Batista Drogen zusammen, vergewaltigt Tony den Neuling und Knast-Tyrann Rizza zwingt einen säumigen Drogenkunden, sich selbst den Daumen zu amputieren. Das ist nichts für einen Wohlfühl-Feierabend, aber ein Film, der sich tief in das Gedächtnis gräbt. Nur weil Wyatt die Brutalität so drastisch zeigt, wird nachvollziehbar, wie verzweifelt die vier Männer ausbrechen wollen.
The Escapist strotzt nicht nur vor temporeichen Szenen unter Hochspannung, sondern macht auch ein feines psychologisches Geflecht auf, das seine Komplexität Stück für Stück entfaltet. Die Geschichte wird nicht linear erzählt, die Macher verschränken zwei Stränge, die wie die Zahnräder ineinander greifen: Die Planungsphase und Szenen des tatsächlichen Ausbruchs. Das nimmt nicht etwa die Spannung heraus, sondern befeuert sie heftig und am Ende ergibt dieses Mosaikspiel ein Bild, mit dem keiner gerechnet hat.
The Escapist – Raus aus der Hölle, 12. August, 22.45 Uhr, im Ersten.
juz/news.de